14.11.2019 | 14:06 Uhr Das Salz auf Sachsens Autobahnen: der Winterdienst

Den Gipfel der Lausche bedeckt eine dünne Schneedecke und damit kündigt sich der Winter an. Für Autofahrer eine schwierige Zeit: schlechte Sicht und glatte Straßen. In einigen Regionen soll der Winterdienst am Wochenende getrieft haben. Zeitungen im Osterzgebirge und in der Oberlausitz konnten nur verspätet ausgeliefert werden. Sind die Autobahnmeistereien auf den Winter vorbereitet?

Schneefräsen Anbausätze in der Autobahnmeisterei
In der Autobahnmeisterei Weißenberg stehen die Schneefräsen bereit. Bildrechte: MDR / Uwe Walter

Der Winter hat seine Vorboten bereits geschickt. Autofahrer mussten am Morgen bereits ihre Frontscheiben vom Eis befreien. Nicht nur auf dem höchsten Berg im Zittauer Gebirge, auf der Lausche, liegt ein Hauch von Schnee. Auch der Kamm vom Riesengebirge ist bereits weiß.

Doch vom Winterdienst auf den ostsächsischen Autobahnen ist noch nicht viel zu sehen. Vielmehr sind meisten Mitarbeiter der zuständigen Autobahnmeisterei an der A4 noch mit Grasmähen befasst, schneiden Büsche oder sind an den zahlreichen Baustellen beschäftigt. "Wir haben mit dem Winterdienst begonnen, um die Sicherheit der Autofahrer zu gewährleisten", meint Christopher Paul als Chef der Autobahnmeisterei Weißenberg und verweist auf die Nacht zum Mittwoch.

Die Kollegen waren ab drei Uhr zwischen der deutsch-polnischen Grenze und Burkau unterwegs und haben auf der A4 etwa sechs Tonnen Salz aufgebracht.

Christopher Paul Autobahnmeisterei Weißenberg

Der Winter kann kommen

Die Autobahnmeisterei in Weißenberg ist eine von sieben Autobahnmeistereien in Sachsen. Seit dem ersten November hat der Winter hier zumindest laut Dienstplan begonnen. In Sachsen stehen 220 Kollegen dafür rund um die Uhr bereit, sagt Isabel Pfeiffer vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr.

Das heißt im Klartext. Auch wenn wir noch nicht rund um die Uhr streuen, stehen die Kollegen in Rufbereitschaft und so können wir innerhalb von einer Stunde auf jedes Ereignis reagieren.

Isabel Pfeiffer Landesamt für Straßenbau und Verkehr

Der Winter kann kommen, die Salzlager sind voll. Der Vorrat umfasst etwa 27.600 Tonnen. Das dürfte reichen, lächelt Isabel Pfeiffer mit dem Hinweis auf die vergangenen Jahre. Im vergangenen Winter landeten rund 20.000 Tonnen auf Sachsens Autobahnen und im Winter davor wurden 16.000 Tonnen Salz verstreut. Fast drei Mal soviel Salz erforderte der letzte knackige Winter 2012/13. Da musste Streusalz nachgeordert werden.

Salz ist nicht gleich Salz

In der Autobahnmeisterei Weißenberg liegt in einer Halle ein großer Berg Streusalz, insgesamt 1.500 Tonnen - ausreichend für einen Winter. Bläulich schimmert der weiße Haufen im Tageslicht. Nochmalerweise könnte man auch das Frühstücksei salzen, sagt der Autobahnmeister. Dieses Salz wurde aber behandelt, um das Wild zu vergrämen.

"Rehe könnten sonst die Autobahn als Salzschlecke entdecken, die Folgen wären nicht vorstellbar", ergänzt Isabell Pfeiffer. Bei der Dosierung des Streusalzes setzen die Mitarbeiter auf ihre Erfahrung und auf modernste Technik. Am Burkauer Berg verwenden sie oft statt der vorgeschriebenen fünf Milligramm pro Meter die doppelte Menge, damit auch die 40 Tonnen schweren Sattelschlepper problemlos über den Berg kommen.

Bedieneinheit im LKW für den "Salz"Streuer
Mithilfe dieser Bedienkonsole wird die Salzmenge auf das Gramm genau für die Straßenbreite eingestellt. Modernste Technik und Erfahrung sorgen für die richtige Dosierung. Bildrechte: MDR / Uwe Walter

Deutscher Wetterdienst und Bauchgefühl

Die Autobahnmeisterei in Weißenberg setzt bei ihren Einsatzvorbereitungen auf den Deutschen Wetterdienst und auch die Erfahrung der Mitarbeiter. Der Deutsche Wetterdienst zeigt gegenüber anderen Diensten an, woher das Wetter kommt, sagt der Chef der Autobahnmeisterei. Dazu kommt die Erfahrung: "Östlich vom Tunnel Königshainer Berge herrscht ein dichtes Schneetreiben, westlich davon scheint die Sonne durch Wolkenlücken. Auch der Burkauer Berg sei eine lokale Wetterscheide". Dort gibt es einige markante Punkte. Kollegen können daraus das Wetter ableiten.

Unsere Leute sind schon so lange auf der Autobahn, zum Teil 30 Jahre, die haben den Winter mehr oder weniger in Griff! Die wissen genau, wo sie was streuen müssen und genau wo oder wann die Straße freizuräumen ist.

Christopher Paul Autobahnmeisterei Weißenberg

Der Winter kann kommen Die Autobahnmeisterei Weißenberg ist gerüstet

Autobahnmeister Christopher Paul kontrolliert ein Schiebeschild
Autobahnmeister Christopher Paul kontrolliert den technischen Zustand eines Schiebeschildes. Es kann bei Bedarf sofort angebaut werden. Bildrechte: MDR / Uwe Walter
Autobahnmeister Christopher Paul kontrolliert ein Schiebeschild
Autobahnmeister Christopher Paul kontrolliert den technischen Zustand eines Schiebeschildes. Es kann bei Bedarf sofort angebaut werden. Bildrechte: MDR / Uwe Walter
Mann an seinem Winterdienst-LKW
Der Winterdienst hat bereits begonnen: In der Nacht sorgten sechs Tonnen Streusalz für eine trockene Autobahn zwischen Burkauer Berg und polnischer Grenze. Bildrechte: MDR / Uwe Walter
Mann programiert das Streugerät - im Vordergrund Terminal für das Laugenfass
Winterdienstler Marc Lehmann programmiert die Bedienkonsole für das Streusalz. Im Vordergrund: der Terminal für die Sole bzw. Lauge. Bildrechte: MDR / Uwe Walter
Autobahnmeister Christopher Paul bereitet den Laugenbehälter für den Einsatz vor
Autobahnmeister Christopher Paul bereitet den Laugenbehälter für den Einsatz vor. Bildrechte: MDR / Uwe Walter
Zwei Räumschilder vor Laugenbehältern in der Autobahnmeisterei Weißenberg
In der Autobahnmeisterei Weißenberg wird die Lauge oder auch Sole genannt selbst hergestellt. In den Behältern lagern Laugen mit unterschiedlicher Zusammensetzung für zwei Temperaturbereiche. Bildrechte: MDR / Uwe Walter
Schneefräsen Anbausätze in der Autobahnmeisterei
Der harte Winter kann kommen:
Schneefräsen Anbausätze in der Autobahnmeisterei Weißenberg.
Bildrechte: MDR / Uwe Walter
Das Salzlager in der Autobahnmeisterei Weißenberg
Das Salzlager in der Autobahnmeisterei Weißenberg: Die 1.500 Tonnen reichen für einen Winter. Bildrechte: MDR / Uwe Walter
Alle (7) Bilder anzeigen

Salz kontra Lauge

Der Winterdienst muss die Straße nicht nur schneefrei, sondern auch trocken halten. Dafür hat der Winterdienst ein Mittel aus der DDR-Zeit wieder entdeckt: die Lauge. Sie bietet gegenüber Streusalz einige Vorteile. Streusalz kann durch den Wind von der Straße geweht werden. Reifen schleudern das Salz von der Fahrbahn, der Sog hinter einem Fahrzeug trägt ebenfalls dazu bei, dass Streusalz nur relativ kurz seine Wirkung entfalten kann. Das Salz auf der Straße ist die Lauge, heute vielfach Sole genannt. Sie verbindet sich gewissermaßen mit dem Fahrbahnbelag, bleibt bis zu 24 Stunden wirksam. Während Salz erst Feuchtigkeit aufnehmen muss, wirkt Sole sofort. Bis zu 60 Prozent an Streusalz kann durch den Einsatz der Salzlauge eingespart werden.

In den Bereichen von minus bis plus drei Grad, das sind so für uns die schwierigsten Momente. Wir fangen dann meist schon in den Plusgraden an mit Streuarbeiten, um sicher zu sein, dass sich gar nicht erst ein Feuchtigkeitsfilm auf der Straße ablagert, der gefrieren kann.

Isabel Pfeiffer Landesamt für Straßenbau und Verkehr

Doch die Sole hat auch Nachteile. Streusalz ist problemlos im Umgang und lagerbar. Die Lauge ist eine 22 prozentige Salzlösung. Bei Hautkontakt können Verätzungen auftreten. Zudem greift sollte die Lauge aggressiv Metalle an. Der Umgang mit Lauge erfordert zudem Vorsichtsmaßnahmen und geschultes Personal. In Weißenberg stellt die Autobahnmeisterei ihre Lauge selbst her und hat dafür auf dem Hof eine Anlage.

Das Ziel: Trockene Straße im Winter

Die Autobahnmeisterrei Weißenberg ist für etwa 70 Autobahnkilometer zuständig. Dazu gehören auch 89 Brücken zwischen dem Burkauer Berg und der polnischen Grenze. Diese Abschnitt müssen die Kollegen schnee- und eisfrei halten. "Die Fahrbahnen sollten auch im Winter trocken sein," meint Isabel Pfeiffer. In den Bereichen von minus bis plus drei Grad ist das Siebert zufolge am schwierigsten. "Wir fangen dann meist schon in den Plusgraden an mit Streuarbeiten, um sicher zu sein, dass sich gar nicht erst ein Feuchtigkeitsfilm auf der Straße ablagert, der gefrieren kann", so Siebert.

Wenn ein weißer Film auf der Fahrbahn ist, ewas pulvrig, das ist ein gutes Zeichen, dann haben die Kollegen einen guten Job gemacht. Die Fahrbahn ist trocken.

Isabel Pfeiffer Landesamt für Straßenbau und Verkehr

Isabel Pfeiffer wirbt aber auch für Verständnis: "Nicht überall und nicht immer sofort kann der Winterdienst vor Ort sein".

Quelle: MDR/uwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.11.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 14:07 Uhr

Mehr aus Görlitz, Weisswasser und Zittau

Mehr aus Sachsen