Tote Schafe nach Wolfsriss in Förstgen
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Herde der Naturschutzstation dezimiert 40 tote Schafe bei Niesky: Landkreis prüft Wolfsabschuss

Bei Niesky hat es einen Wolfsübergriff auf eine Herde mit rund 140 tragenden Mutterschafen gegeben. Etwa 40 Moorschnucken und fünf Ziegen sind tot, viele Tiere werden noch vermisst.

Tote Schafe nach Wolfsriss in Förstgen
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Die Schafherde der Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz" ist von einem Wolfsrudel angegriffen worden. Einwohner hatten am Dienstagmorgen auf der Straße zwischen Förstgen und Tauer herumirrende Schafe gesehen und die Naturschutzstation informiert. Als man nach der Herde sah, stellte sich heraus, dass rund 40 Schafe und fünf Ziegen tot sind. Einige Wölfe wurden sowohl von Anwohnern als auch von Mitarbeitern der Naturschutzstation bei den gerissenen Tieren gesehen.

Herde war mit Elektrozaun gesichert

Annett Hertweck, Geschäftsführerin
Annett Hertweck Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Mitarbeiter der Station haben die Kadaver eingesammelt und suchen nach fehlenden Tieren. Das ganze Ausmaß des Übergriffs ist derzeit noch nicht absehbar, sagt die Geschäftsführerin Annett Hertweck. Die Weideflächen der Herde hatte man mit einem 1,10 Meter hohen Flexinetz-Elektrozaun gesichert. Die Leiterin der Naturschutzstation geht davon aus, dass die Tiere bei dem Angriff in Panik geraten seien, den Zaun niedergetrampelt hätten und in alle Richtungen geflohen seien. Es sei kaum möglich, das gesamte Gebiet innerhalb eines Tages abzusuchen, so Hertweck.

Die mitten im Bestandsgebiet des Daubaner Wolfsrudels gelegene Naturschutzstation praktiziert seit mehr als zwei Jahrzehnten die Landschaftspflege im Biosphärenreservat mit Moorschnucken und Burenziegen. Ziel der Einrichtung ist es, den Naturschutz und die Umweltbildung in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft zu fördern. Dazu gehört es auch, den Wolf als natürliches Raubtier in der Region zu akzeptieren.

Landkreis prüft Wolfsabschuss

Mitarbeiter des Kreisforstamtes des Landkreises Görlitz und dem Nachbarkreis Bautzen untersuchen nun den großen Wolfsriss. Es wird davon ausgegangen, dass mindestens vier Wölfe an dem Angriff beteiligt waren, teilte das Landratsamt mit. Das Sächsische Umweltministerium sei über den Vorfall informiert worden. Geprüft wird demnach auch die Möglichkeit einer Entnahme, heißt es in der Mitteilung.

Heike Zettwitz Landratsamt Görlitz
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Da die Wolfspopulation so zugenommen hat, müssen wir in naher Zukunft mit weiteren Konflikten rechnen. Deswegen sind wir im Gespräch in Sachsen eine Wolfsverordnung aufzustellen, die unsere behördlichen Entscheidungen zur Entnahme erleichert.

Heike Zettwitz Dezernentin im Landratsamt Görlitz

Unterdessen ist Annett Hertweck noch damit beschäftigt, die weggelaufenen Schafe zu finden. 51 seien inzwischen im Stall, 59 fehlten noch. Dass der Abschuss der Wölfe im Raum steht, überrascht sie. Schließlich unterstützt die Naturschutzstation den Umstand, dass sich der Wolf in der Oberlausitz wieder ansiedelt. "Wir sind bisher von Rissen relativ verschont geblieben. Im Dezember 2017 hatten wir den letzten Übergriff", erinnert sich Hertweck. Dass jetzt so viele Tiere getötet wurden, stimmt sie traurig, einem Wolfsabschuss steht sie dennoch skeptisch gegenüber. Sicher müsse man beide Seiten verstehen und hier einen Kompromiss finden, meint sie im Hinblick auf betroffene Schäfereien. In ihrem Fall bezweifelt sie, ob man bei einer Abschussgenehmigung dann auch das richtige Tier erwischt würde, das über den Zaun gesprungen ist.

Tote Schafe nach Wolfsriss in Förstgen
Mitarbeiter der Naturschutzstation haben die Kadaver eingesammelt. Bildrechte: Danilo Dittrich

CDU fordert Lockerung der Abschussregeln

Seit einigen Wochen fordert die CDU in Sachsen eine Lockerung der Abschussregeln für den Wolf und stellt den strengen Artenschutz infrage. Dazu hat die Partei auch einen Aufruf im Internet gestartet. Der Wolf habe sich gerade für Nutztierhalter in bestimmten Teilen Sachsens zum Problem entwickelt. Darauf aufmerksam zu machen, sei Gegenstand dieser Kampagne, mit der man sich an den Bund wenden möchte, so der CDU-Politiker Alexander Dierks.

Naturschützer betonen den Nutzen des Wolfes

Nabu und BUND Sachsen sind fassungslos über diesen Vorstoß. Sie fordern ein klares Bekenntnis zum Schutz des Tieres von der sächsischen Politik. Statt ein Tier per Mausklick zum Abschuss freizugeben, sollten vielmehr schlechte Arbeitsbedingungen der Schäfer verbessert werden - zum Beispiel im Rahmen einer Weidetierprämie, heißt es von den Umweltverbänden.

Auch das Aufstellen sichernder Zäune sollte nicht nur zu 80, sondern zu 100 Prozent gefördert werden und alternative Schutzmaßnahmen müssten mehr finanzielle Unterstützung erfahren.

Im Natur- und Umweltpark in Güstrow ist am 10.02.2011 ein Rudel Wölfe unterwegs.
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Der Wolf stelle keine Gefahr für den Menschen dar, betonte Felix Ekardt, Landesvorsitzender des BUND Sachsen. Seine Wiedereingliederung in die Natur habe positive ökologische Effekte: So rotteten sich durch den Wolf Wildschweine zusammen, Rehe würden scheu. "Eine Abschussgenehmigung bedeutet natürlich auch die Gefahr, den Wolf wieder auszurotten", erläutert Ekardt.

In Sachsen leben aktuell 17 Rudel und vier Wolfspaare. Ein Rudel besteht im Durchschnitt aus fünf bis zehn Wölfen. Seit einigen Jahren beklagen Landwirte vermehrt Angriffe auf Nutztiere. Zudem wurden im Freistaat nach Angaben des Kontaktbüros "Wölfe in Sachsen" seit 2009 acht Wölfe illegal abgeschossen.

Quelle: MDR/ma/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 09.10.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.10.2018 | 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2018, 12:52 Uhr

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189 Kommentare

12.10.2018 11:51 Almut Voß 189

Der Wolf sollte aus einem dicht besiedelten Land wie Deutschland vertrieben werden.
Wie die Wolfsrisse bei den Weidetieren beweisen, töten die Wölfe mehr Tiere, als sie fressen können. Mir tun die Tiere leid, die so brutal von den Wölfen getötet wurden.Der Wolf muss nicht unter Naturschutz gestellt werden, da es insgesamt noch genug Wölfe.
Nichts spricht dagegen, ihn aus Deutschland zu vertreiben. Wir brauchen hier keine Wölfe.

12.10.2018 10:09 M.B. 188

@ 184/185 Sascha10
Hinsichtlich der Anschaffung und Haltung (Futter, Tierarzt, Versicherung) von HSH verwies ich ja bereits auf eine sinnvolle und durchdachte Förderung. Bei uns hat sich im täglichen Ablauf durch die Hunde nicht viel geändert, der Zaun wird nach wie vor auf die gleiche Art gebaut nur muss jetzt öfter als vorher Wasser rausgebracht und die Hunde jeden Tag gefüttert werden. Da man eh nach den Schafen schaut, ist letzteres aber auch kein nennenswerter Mehraufwand.
Unsere Hunde bellen mich im dunklen auch an aber dann bleibe ich kurz am Zaun stehen, rede sie an bis sie mich erkannt haben und gut. Was machen denn die anderen Leute auf deiner Koppel?

@ 180
Das ist natürlich schlimm, wenn du von den Leuten angegangen wirst. Wie viele HSH hast du und machen die denn wirklich so viel Rabatz? Was hast du den für Netze?

12.10.2018 07:12 Wolfgang Nawalny 187

Ich gebe hier noch zu Bedenken, dass in der Lausitz binnen einem Jahr zwei schäferhundgroße Hunde von Wölfen getötet wurden. Das passierte nicht im Wald sondern in Siedlungsbereich. In der sächsischen Zeitung wurde davon berichtet.

12.10.2018 06:57 Bonaventura Lohner 186

Was muss den noch alles passieren bevor wir unsere Schafe ortendlich schützen dürfen.der einfachste und beste Schutz ist es den Wolfsbestand auf ein erträgliches Maß zu reduzieren um weiteres leiden von Schafen, Ziegen, Rindern und Schäfern und Hirten abzuwenden. Auch wir Schäfer haben ein Recht auf Schutz und ein normales Leben. Auch müssen die Kosten für jedliche Art von Schutz Massnahmen von der allgemeinenheit übernommen werden den wer den Wolf will muss auch bereit sein entstehende Kosten zu übernehmen.

12.10.2018 05:33 Sascha10 185

Noch ergänzung. Unser herdenschutzhund hat nachts selbst mich angegriffen hat mehrere leute unvermittelt von hinten angregriffen und zahlreiche katzen angegriffen.meine schafe stehen sicher hinter einem ca. 2 m hohem zaun oben stacheldraht und ca 8000 volt einlitzig davor. Eingegrabene scherben. Der aufwand ist riesig aber notwendig. Das die station ihre haltung so wie bisher weiterbetreiben will ist das inkaufnehmen des tötens und des Qual vollen todes der schafe.

12.10.2018 05:24 Sascha10 184

Zu mb. Ein bisschen mehraufwand ist deutlich untertrieben. Die anschaffung von herdenschutzhunden und deren unterhalt übersteigt im aufwand den von stationär gehaltenen schafen. Wenn das die angestrebte lösung sein soll, dann gute nacht mit der hobbyschafhaltung. Unser owscharka ist vor 15 jahren an einer ohrentzündung letztendlich eingegangen. Ehrlich ist die haltung dieser hunde nichts für jedermann und hochproblematisch.

11.10.2018 22:32 Flow10 183

Wer braucht schon den Wolf???? Die BUND-Leute schützen Raubtiere zum Schaden von Nutztieren. Wie kann man nur so blöd sein. Diese sogenannten Wolfsschützer sollte man eiskalt zum Schadenersatz für die bisher eingetretenen Nutztierverluste verdonnern. Ich kann jedenfalls auch ohne denWolf leben.

11.10.2018 22:25 G. Schmitz an JoBe ZP 182

Sie schrieben“ Im Prinzip habe ich nichts gegen die Daseinsweise der
Wölfe, nur sollten dafür auch die natürlichen Voraussetzungen und
Überlebensbedingungen vorhanden sein. Aber das wird wohl nicht mehr
möglich sein, unsere menschliche Gesellschaft in Mitteleuropa müsste sich
150 bis 200 Jahre zurück entwickeln. Deshalb hatte auch der Bär Bruno
vor 13 Jahren keine Überlebenschance."
Tiere richten sich aber nicht nach der menschlichen Gesellschaft,
Tiere richten sich nach Lebensräumen und Nahrungsangebot.
Eine Rückentwicklung findet gelegentlich im Geiste einiger Menschen statt,
sie entspricht aber nicht den Verlauf der natürlichen Evolution,
denn sonst würde heute Bruno noch leben
und nicht ausgestopft in einem Museum stehen.

11.10.2018 22:19 G. Schmitz an JoBe ZP 181

Sie schrieben" Im Prinzip habe ich nichts gegen die Daseinsweise der Wölfe, nur sollten dafür auch die natürlichen Voraussetzungen und Überlebensbedingungen vorhanden sein. Aber das wird wohl nicht mehr möglich sein, unsere menschliche Gesellschaft in Mitteleuropa müßte sich 150 bis 200 Jahre zurück entwickeln. Deshalb hatte auch der Bär Bruno vor 13 Jahren keine Überlebenschance."

Tiere richten sich aber nicht nach der menschlichen Gesellsellschaft,
Tiere richten sich nach Lebensräumen und Nahrungsangebot.

Eine Rückentwicklung findet gelegentlich im Geiste einiger Menschen,
sie entspricht aber nicht den Verlauf der natürlichen Evolution,
denn sonst würde heute Bruno noch leben
und nicht ausgestopft in einem Museum stehen.

11.10.2018 21:51 Ein weiterer Betroffener, der beschimpft wird... 180

Betroffen mach mich, wie schnell hier das nachgeredet wird, was selbsternannte Wolfsexperten propagieren. Auch wir haben Schafe RPL = Rote Liste Haustierarten. Seit drei Jahren gibt es Übergriffe auf die Tiere. Herdenschutzhunde sind gerade in Dorfnähe unerwünscht - da zu laut. Trotzdem haben wir welche. Sie machen uns zu Außenseitern. Festzäune dürfen im Außernbereich nicht gebaut werden und können nicht versetzt werden. Die Elektrozäune 1,40m sind nur schwer auf- und umzustellen = viel Mehrarbeit. Zudem verenden darin ständig Kröten (=unzählige), Frösche und Rehe (bisher = 2) . Wolfssicherheit gibt es nicht. Wir überlegen, aufzugeben. Damit würden die Wiesen mittels fossiler Energie (Diesel = Klimaschädigend) bearbeitet werden. Mähen = weniger Blüten = weniger Bienen. Ich bin betroffen.

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