Monitoring Sachsen: Forscher setzen Wolfspuzzle neu zusammen

Die Wölfe in Sachsen breiten sich aus. Das haben die Forscher vom Lupus Institut während ihres aktuellen Wolfsmonitorings herausgefunden. Sie können nachweisen, dass es in der Oberlausitz und im Dresdner Raum zwei neue Wolfsterritorien gibt. Noch sind nicht alle Ergebnisse ausgewertet. Am Dienstag haben die Wolfsforscher aber schon erste Zahlen aus dem aktuellen Wolfsmonitoring von 2017/2018 in Rietschen vorgestellt. MDR SACHSEN sprach darüber mit der Biologin Ilka Reinhardt von Lupus.

Ein alter ergrauter Wolf läuft über einen Waldweg. Er zählt zu den ältesten Wölfen in Sachsen.
Die alte Fähe aus dem Milkeler Rudel gehört zu den ältesten Wölfen in Sachsen. Sie ist 2005 oder 2006 geboren, ganz weißgesichtig mit einem steifen Bein und kurzsichtig. Das Rudel hat inzwischen eine Tochter der Fähe übernommen. Bildrechte: LUPUS

Beim Wolfsmonitoring geht es um die Überwachung der Wolfspopulation. Woher wissen Sie, wieviel Rudel und Paare es wo überall in Sachsen gibt?
Die Zahl der Rudel und Paare wird jedes Jahr wieder erhoben. Jedes Jahr ab dem 1. Mai bis 30. April des nächsten Jahres – das ist das Monitoringjahr, das entspricht dem biologischen Jahr der Wölfe versucht man diese Anzahl festzustellen. Das schwierige in der Lausitz ist, dass wir flächendeckend Wolfsgebiet sind. Und dort herauszufinden, wieviel Rudel und Paare es sind, das ist nicht einfach. Dafür brauchen wir vor allem genetische Ergebnisse. Das heißt, wir versuchen jedes Jahr in den einzelnen Territorien von den Elterntieren genetische Proben zu nehmen. Darüber können wir dann feststellen, in welchen Gebieten welche Elterntiere sitzen und denen entsprechend die Welpen zuordnen.

Genetische Untersuchungen sind aber nur ein Teil der Überwachung. Was gibt es noch?
Wir gehen das ganze Jahr über raus und schauen nach Wolfshinweisen. In der Regel ist das Wolfskot. Wir arbeiten auch mit Wildkameras, haben zwei bis vier in jedem Territorium installiert. Über Fotofallen weisen wir in der Regel die Welpen in den Rudeln nach. Im Zusammenspiel mit den Aufnahmen aus Fotofallen und Genetikproben finden wir heraus, ob die Wölfe an einem Ort die gleichen oder andere sind wie fünf Kilometer weiter. Es ist wie ein Puzzle, das wir jedes Mal neu zusammensetzen. Wir fangen jedes Jahr bei null an.

Wolf Oberlausitz
Wolfsterritorien in Sachsen, Stand August 2018. Die Auswertung der Ergebnisse ist noch nicht abgeschlossen. Bildrechte: LUPUS

Und wie können Sie die einzelnen Rudel voneinander abgrenzen?
Das geht letztendlich über die Elterntiere. Das sind die Tiere, die markieren. Auf Aufnahmen aus den Fotofallen kann ich die markierenden Tiere unterscheiden. Beim Daubitzer Rudel zum Beispiel hat die Fähe ein Knickohr. Und wenn die markiert, dann wissen wir, das ist das Daubitzer Territorium. Gibt es keine Fotos, dann verfährt man mit den Genetikproben genauso. Wenn ich Losungs- oder Urinproben von den Elterntieren habe, dann weiß ich, in diesem Gebiet ist dieses spezielle Rudel aktiv. Und wenn ich beide Elterntiere kenne, kann ich wie in einem Puzzle die Welpen den Elterntieren zuordnen.

Mehrere Wölfe auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz markieren ihr Territorium.
Auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz grenzen das Daubitzer und Nochtener Wolfsterritorium aneinander. An dieser Stelle markieren die Elterntiere jeweils ihr Revier. Bildrechte: LUPUS

Welche neuen Erkenntnisse haben Sie dabei gewonnen?
Nur über die Genetik haben wir im letzten Jahr festgestellt, dass das Seenländer Rudel und das Spremberger Rudel verschwunden sind. Da waren zwar nach wie vor Wölfe, aber die gehörten zum Knappenroder Rudel. Das heißt, die Knappenroder Wölfe hatten komplett das Seenländer Territorium übernommen. Ähnlich war das beim Spremberger Territorium. Das hatten die Neustädter Wölfe übernommen. Ohne die genetischen Untersuchungen hätten wir überhaupt nicht mitbekommen, dass da zwei komplette Rudel verschwunden sind.
Das aktuelle Wolfsmonitoring ist noch nicht abgeschlossen. Was ist noch zu tun?
Wir warten noch auf die Ergebnisse der Genetikproben. Wenn wir die dann haben, kann es sein, dass sich da noch etwas ändert, dass wir vielleicht noch ein Rudel oder ein Paar mehr entdecken, als wir bis jetzt auf der Karte haben.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 14.08.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.08.2018 | ab 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 15. August 2018, 09:22 Uhr

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7 Kommentare

16.08.2018 15:45 Wolfgang Nawalny 7

@ Eulenspiegel - Warum wurden die Wölfe aus Mitteleuropa von unseren Vorfahren wohl zurückgedrängt? Aus Jux und Tollerei wohl kaum.

Warum werden jährlich in Schweden ein beachtliche Zahl an Wölfen offiziell geschossen?

Laut SZ von gestern gab es in Sachsen letztes Jahr 280 Nutztiertötungen, bis Juni dieses Jahres auch schon um die 100. In nur 9 Fällen gab es ein nicht zureichende Sicherung der Herden. Es wird mittlerweile eingeräumt, auch die Praxis belegt dies, dass der vorgegebene Zaunschutz, Untergrabungsschutz, Flatterband, etc. nicht mehr ausreicht. Das hieße dann, die meist sehr großen Wiesen und Weiden müssten "burgähnlich" abgesichert werden. Ein weiteres Stück aus dem Tollhaus.

Daher wird es bald kein ökologisch gehaltenes Weidetier in der Lausitz mehr geben, die Kühltruhen der Discounter sind ja randvoll mit Fleisch ...

16.08.2018 14:15 Eulenspiegel 6

Hallo Wolfgang Nawalny 5
„Dann sollten Sie sich einmal mit der Materie eines möglichen Herdenschutzes UND der möglichen Bezuschussung befassen . „
Ich denke das sollten sie mal den Herdenbesitzern klar machen. Die sollten nich so viel Ennergie in das Meckern über Wölfe aufwenden sondern diese ganze Energie in den Schutz ihrer Herden stecken. Und sollte es da Probleme beim Beantragen geben dann müssen die angeprangert werden. Ich jedenfalz denk es gab schon immer Regionen in Europa in den es immer Wölfe gab. Und die Herrenbesitzer konnten schon immer ihre Herden schützen.

15.08.2018 21:10 Wolfgang Nawalny 5

@4 Eulenspiegel - Tja warum wohl ?

Dann sollten Sie sich einmal mit der Materie eines möglichen Herdenschutzes UND der möglichen Bezuschussung befassen .

Warum werden wohl von Kommunen in anderen Förderdingen bei weiten nicht alle Fördermittel abgerufen?

15.08.2018 20:02 Eulenspiegel 4

Also ich denke mir wenn die Gefahr für Schäfer und Bauern wirklich so groß ist wie kann es dann sein das der Betrag der jedes Jahr zur Verfügung gestellt wird um so wohl als Schadensersatz zu leisten als auch als Zuschuss um die Herrensicherung zu finanzieren bei weitem nicht ausgeschöpft wird.

15.08.2018 10:11 Wolfgang Nawalny 3

Um diese Feststellung zu erhalten, bedarf es keines der sogenannten "Wolfsmonitoring" und "Wolfsmanagement". Wer sich die Opferzahlen von Zuchttieren und Wildtieren nicht ständig schönredet, kommt auch so zu der Feststellung. Wen interessiert es, welches Rudel mit welchem und ob der Rüde "Otto" oder "Felix" genannt wird. Ich denke das ganze Thema ist reif für das Tollhaus. Es nichts anderes als dekadenter Unsinn einer verblödeten Gesellschaft.

15.08.2018 07:09 Möwe 2

Wölfe braucht kein Mensch. Was hier für ein Aufwand getrieben wird, spottet jeder Beschreibung. Wolfsmonitoring, Wolfskompetenzzentrum, etc. haben wir in diesem Land keine anderen Probleme?

14.08.2018 22:31 Erzer 1

Was sagt uns das ??....die Wölfe vermehren sich weiter und die Gefahr für Schäfer und Bauern wird größer !! Es hört sich nach einem regelrechten Hobby an, dem die Biologin und ihre Mitstreiter das ganze Jahr über nachgehen, als freuen sie sich über neue Wolfsrudel und dem Nachwuchs in den Gebieten. Schön wäre es, wenn sie sich mind. genauso intensiv mal um die „Opfer“ der Wölfe kümmern würden !!!

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