16.06.2019 | 09:45 Uhr AfD und CDU ringen um Oberbürgermeister-Posten in Görlitz

Die Görlitzer stehen am Sonntag vor einer wichtigen Entscheidung: Wer soll der neue Oberbürgermeister werden? Zur Wahl stehen AfD-Kandidat Sebastian Wippel und CDU-Politiker Octavian Ursu. Nachdem im ersten Wahlgang kein Bewerber mehr als die Hälfte der Stimmen bekam, müssen die Bürger erneut an die Urne. Künstler und Filmschaffende haben die Görlitzer in einem offenen Brief aufgerufen, "weise" zu wählen.

Rathaus in Görlitz
Bildrechte: imago/Jürgen Ritter

Viele Augen sind am Sonntag auf Görlitz gerichtet. Das mediale Interesse an der Oberbürgermeisterwahl ist groß. Wer macht das Rennen? AfD-Politiker Sebastian Wippel, der im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhielt, oder CDU-Politiker Octavian Ursu, der auf Platz zwei landete. Die anderen beiden Bewerberinnen haben ihre Kandidatur zurückgezogen - erst die Kandidatin der Linken, Jana Lübeck, und dann die Grünen-Politikerin Franziska Schubert, die von einem Bürgerbündnis unterstützt wurde.

Grafik OB-Wahl Görlitz
Das Ergebnis im ersten Wahlgang. Bildrechte: MDR SACHSEN

Wer will auf den Chefsessel im Rathaus?

Ein Mann schaut in die Kamera
Bildrechte: DIE PARTNER

CDU-Politiker Octavian Ursu

CDU-Politiker Octavian Ursu

Alter: 51 Jahre
Beruf: Musiker
politische Laufbahn: seit 2009 CDU-Mitglied, seit 2009 Stadtrat und stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Stadtrat Görlitz, seit September 2014 Landtagsabgeordneter

Ein Mann sitzt an einem Tisch, vor ihm liegen ein Hefter und Stifte
Bildrechte: AfD Görlitz

AfD-Politiker Sebastian Wippel

AfD-Politiker Sebastian Wippel

Alter: 36 Jahre
Beruf: Polizeikommissar
politische Laufbahn: 2010-2013 FDP-Mitglied, seit 2013 AfD-Mitglied, seit September 2014 Landtagsabgeordneter

Die wichtigsten Themen im Wahlkampf sind die wirtschaftliche und touristische Entwicklung der Stadt sowie die Sicherheitspolitik. Auf letzteres Thema setzt vor allem der Polizeikommissar und AfD-Politiker Wippel, der die Stadt als "besonders kriminalgeografisches Gebiet" beschreibt. Im Bereich Wirtschaft möchte er kleine Unternehmen unterstützen, da man sich auf die großen wie Bombardier oder Siemens nicht verlassen könne, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Sein Kontrahent möchte die IT-Branche fördern und den Tourismus am Berzdorfer See weiterentwickeln. Sein Ziel: Die Stadt für junge Menschen attraktiv machen.

Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Kandidaten erwartet. Die Wahl gewinnt, wer die meisten Stimmen bekommt. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los. So gibt es das Sächsische Kommunalwahlgesetz vor. Der amtierende Oberbürgermeister Siegfried Deinege von der CDU tritt aus Altersgründen nicht noch einmal an.

Offener Brief erhitzt Gemüter vor der Wahl

Für viel Diskussion sorgte im Vorfeld der Wahl ein offener Brief "an die Menschen in Görlitz". Mehr als 30 Künstler, die sich selbst als "internationale Freunde der Stadt" bezeichnen, wenden sich darin an die Bürger und rufen auf, weise zu wählen. "Gebt Euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin", heißt es unter anderem in dem Schreiben. Die Resonanz auf den Brief ist sehr unterschiedlich: Während die einen es als Einmischung in den Wahlkampf empfinden, unterstützen andere das Anliegen der Unterzeichner.

Quelle: MDR/cb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 16.06.2019 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

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145 Kommentare

16.06.2019 21:20 Heinze 145

Görlitz bleibt zwar "weltoffen" aber mit knapp 45 % hat Herr Wippel
ein Spitzenergebnis erreicht.

16.06.2019 21:17 Benutzer 144

16.06.2019 20:37 sandra

"Leider verfügt halt nicht jeder Wähler über den nötigen Sachverstand, bevor er ein Kreuz setzt."

wieder das übliche gelaber wenn die Wahl nicht so läuft wie man will :D

Jeder der nicht so wählt wie man will hat kein Sachverstand :D

"Erhalt der Demokratie." Hm. Meinen sie ihre Demokratie?

"Die Grünen und Linken habens jedenfalls begriffen." warum stehen sie dann bei Demos neben der Antifa? Wenn die so Demokratisch sind?

16.06.2019 21:14 Benutzer 143

was ist an Demokratie verknöcherten DDR-Mief. ?

Oh mann

16.06.2019 21:11 Gewonnen hat also ein Softwareupdate 142

Bei dem Softwareupdate hätte man auch einfach auf "Ein anderes Mal " klicken können. Wer das noch glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Im Radio war die indirekte Wahlbeeinflussung wieder äußerst widerlich, wenn nicht sogar sträflich! Man sprach: Die Grünen und die Linken hätten ihren Wählern geraten, nicht für Wippel zu stimmen. Hat scheinbar geklappt!
EU-Wahl Strache Video, jetzt Computer update, was haben die Regierenden und Machthaber noch zu bieten bis zur Landtagswahl?
Vertrauen Null in dieser Demokratie.

16.06.2019 21:11 Atheist aus Mangel an Beweisen 141

Ich möchte nicht in der Haut von Ursu stecken.
Im Wissen nur Bürgermeister geworden zu sein mit der Nachfolgepartei der SED.
Niemand hat ihn oder sein Programm gewählt sondern nur um die AFD zu verhindern, stolz kann er darauf jedenfalls nicht sein.
Und die Görlitzer?
Die sollten in Zukunft nicht mehr über die täglichen Meldungen jammern, sie wollen es so.

16.06.2019 21:09 Peter 140

@137: Genau mit solchen Verunglimpfungen hat es auch gegenüber dem Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke angefangen.
Wir wissen inzwischen, was daraus werden kann.
Ich wünsche Herrn Ursu eine glückliche Hand. Und es bleibt zu hoffen, dass seine Gegner eine demokratische Entscheidung der Wähler akzeptieren.

16.06.2019 21:03 colditzer 139

In Rostock wird ein Däne Oberbürgermeister,
in Görlitz ein in Rumänien geborener und erzogener Kandidat.
Er ist wohl jetzt ein Deutscher.
Wenn es der Wähler denn so will...

16.06.2019 21:02 pkeszler 138

@Anonym 97: "Bei dem hohen AfD-Anteil in der Region muss sich niemand wundernd, dass junge Leute da nicht hinziehen und die jungen Leute vor Ort möglichst schnell wegziehen. Ich unter 30 kann nicht verstehen, wie man da noch wohnen will."
Genauso ist es. Die jüngeren Leute sind für andere Bundesländer und nicht für den verknöcherten DDR-Mief.
Das werden die AfD - Anhänger schon noch begreifen.

16.06.2019 20:49 Blick voraus... 137

Görlitz bleibt oder wird nun also eine weltoffene Stadt. Da kann Herr Ursu gleich nach Rumänien zum Aufbruch trompeten. Aus Magdeburg kann er gern auch noch ein paar Landsleute einladen, die hausen hier zu tausenden und unser Oberbürgermeister (SPD) hätte sicher nichts dagegen.

16.06.2019 20:38 karstde 136

Für mich eine unfaire Wahl. Was hat dies noch mit einer freien Willensbildung zu tun, wenn Menschen politisch von innen und außen dermaßen beeinflußt werden?

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