Erst verhalten, jetzt umso kraftvoller: die Sängerinnen und Sänger des Hoyerswerdaer Bürgerchores mussten sich erst mit der unverblümten Sprache Gerhard Gundermanns anfreunden, bevor sie dessen Lieder auf die Bühne bringen konnten.
Erst verhalten, jetzt umso kraftvoller: die Sängerinnen und Sänger des Hoyerswerdaer Bürgerchores mussten sich erst mit der unverblümten Sprache Gerhard Gundermanns anfreunden, bevor sie dessen Lieder auf die Bühne bringen konnten. Bildrechte: Kulturfabrik Hoyerswerda/Gernot Menzel

24.05.2019 | 18:24 Uhr Bürgerchor Hoyerswerda präsentiert Gundermanns Koffer-Lieder

Seit sein Leben im vergangenen Jahr in den Kinos zu sehen war, herrscht ein regelrechter Hype um den Hoyerswerdaer Liedermacher Gerhard Gundermann. Dass die Melodien zu etlichen seiner Songs nicht von ihm stammen, ist dagegen wenig bekannt. Gundermann hat sich unter anderem bei den Beatles, bei ABBA und Bruce Springsteen bedient. Was er daraus machte, nannte Gundi Kofferlieder. Einige dieser Songs will der Hoyerswerdaer Bürgerchor am Wochenende mit drei Konzerten bekannter machen.

von Martin Kliemank

Erst verhalten, jetzt umso kraftvoller: die Sängerinnen und Sänger des Hoyerswerdaer Bürgerchores mussten sich erst mit der unverblümten Sprache Gerhard Gundermanns anfreunden, bevor sie dessen Lieder auf die Bühne bringen konnten.
Erst verhalten, jetzt umso kraftvoller: die Sängerinnen und Sänger des Hoyerswerdaer Bürgerchores mussten sich erst mit der unverblümten Sprache Gerhard Gundermanns anfreunden, bevor sie dessen Lieder auf die Bühne bringen konnten. Bildrechte: Kulturfabrik Hoyerswerda/Gernot Menzel

Sie haben sichtlich Freude bei ihrer Generalprobe - die knapp 60 Frauen und Männer des Hoyerswerdaer Bürgerchors. Einige wiegen den Kopf hin und her, andere wippen rhythmisch mit dem Fuß. Ein Jahr lang haben die 13- bis 82-Jährigen die Songs von Gerhard Gundermann geprobt und neu schätzen gelernt. "Das ist ein bisschen Erinnerung, an das alte Hoyerswerda wie es mal war", sagt Chormitglied Helmar Laube. Er ist Anfang der 70er Jahre der Arbeit wegen nach Hoyerswerda gezogen. Gundermann hat über diese Zeit viele Lieder geschrieben. "Die Lieder sprechen uns aus dem Herzen. Wenn du das jetzt nochmal hörst, diese Vergangenheit, was wir alles miterlebt haben, das macht einfach Spaß. Weil er viele Szenen und Dinge, die wir erlebt haben, dort verarbeitet."

Geborgte Lieder

Auch Chorleiter André Bischof kann vieles, was Gundermann in seinen Songs beschreibt, gut nachvollziehen. Bischof hat einst wie Gundermann im Bergbau gearbeitet und sogar mit dem 1998 verstorbenen Liedermacher auf der Bühne musiziert. Deshalb kann er ein Missverständnis aufklären: Gundermann habe die Melodien für seine "Koffer-Lieder" nicht geklaut. Er habe sie geborgt – aus einer Not heraus.

Gerhard Gundermann war sehr kreativ. Er hat in der Woche mal so zwei, drei Lieder geschrieben und die Band ist gar nicht hinterher gekommen, um neue Melodien zu erfinden. Und dann hat er also diese Melodien genommen. Manchmal hat er es aber auch so gemacht, dass er erstmal eine Melodie genommen hat, irgendwas Bekanntes und dann irgendwas ganz anderes daraus gemacht hat.

André Bischof | Chorleiter

Etwa 60 solcher Coversongs gibt es von Gerhard Gundermann. Zwölf dieser Lieder hat André Bischof für den Hoyerswerdaer Bürgerchor arrangiert. Das war für ihn eine Herausforderung, jedoch eine bereichernde: "Das ist total interessant. Je länger ich mir das anhöre, desto mehr Zugang bekomme ich zu den Texten", berichtet Bischof. "Die Texte sind mitunter sehr filigran und auch sehr speziell. Aber wenn man sich länger damit bearbeitet, es wird nicht langweilig, man entdeckt immer wieder etwas Neues."

Den Chor für das Projekt "Gundis Koffer-Lieder" zu begeistern, fiel dem Leiter einer Musikschule nicht schwer. "Ich hab am Anfang mal gedacht, nach Gundis Tod, das wird sich irgendwie verlaufen. Aber es passierte das Gegenteil. Die Gundermann-Konzerte wurden immer mehr. Und in Hoyerswerda ist das mittlerweile Volksliedgut. Da gibt es so viele Songs, die hier mitgesungen werden, die jeder kennt. Also: Gundi läuft."

Eine Entdeckung: wieviele Musiker Gundermann kannte

Von der Faszination für Gundermanns Texte hat sich auch Christian Völker-Kieschnick anstecken lassen. Er wird am Wochenende durch die drei Konzerte führen und mit seiner Frau einige Lieder zu Gitarre, Saxophon und Querflöte vortragen. "Das sind einfach Texte, wo ich immer wieder in Alltagssituationen feststelle: das passt grad. Das spiegelt die Situation, damit lassen sich für mich Situationen verarbeiten", sagt Völker-Kieschnick.

Die Auseinandersetzung mit Gundermanns Coversongs hielten dann auch für Völker-Kieschnick noch Überraschungen bereit. Er hörte bei Youtube in die Originale hinein, um festzustellen: "Gut ist nur eine Anlehnung oder ist ja eins zu eins übernommen." Bemerkenswert findet Völker-Kieschnick aber, wieviele Musiker und Komponisten Gundermann kannte. "Das war schon eine Entdeckung."

Und daran will Christian Völker-Kieschnick am Wochenende auch das Publikum teilhaben lassen. Einen Teil des Programms hat er deshalb als Ratespiel angelegt. Er spielt Originalmelodien an und ist gespannt, ob den Zuhörern der passende Gundermann-Song dazu einfällt.

Wer mitraten möchte, hat dazu am Freitag und Sonnabend jeweils um 20 Uhr und am Sonntag um 17 Uhr Gelegenheit. Der Chor tritt im Ballsaal der Kulturfabrik Hoyerswerda auf.

Der Hoyerswerdaer Bürgerchor ist 2014 aus Anlass des 60. Geburtstages von Gerhard Gundermann gegründet worden. Der Chor gestaltete dazu ein Programm – das eigentlich eine einmalige Sache bleiben sollte. Doch die Sängerinnen und Sänger überredeten Chorleiter André Bischof weiterzumachen. Und so studierten sie in den letzten Jahren u.a. ein Rockmusik- und ein Liedermacherprogramm ein. Mit "Gundis Kofferliedern" schließt sich der Kreis: 2019 bringt der Chor Gundermann-Songs mit bekannten Melodien zu Gehör.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.05.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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