Architektur der Moderne Haus Schminke wird zum Studienobjekt

Die Löbauer Villa des Architekten Hans Scharoun ist bis heute eines der bedeutendsten Wohnhäuser der Moderne weltweit. Doch das 83 Jahre alte Haus muss saniert werden. Vor allem Feuchtigkeit macht ihm zu schaffen.

Haus Schminke in Löbau
Bildrechte: MDR/Viola Simank

Wer vor dem Haus Schminke in der Kirschallee in Löbau steht, der muss nicht lange nach Bauschäden suchen: An der Fassade sind etliche Risse zu sehen und der Putz an der Terrasse auf der Rückseite fällt 16 Jahre nach der letzten Sanierung teilweise schon wieder ab. Außerdem hat das Dach schwere Feuchteschäden, sagt die Leiterin des Hauses, Claudia Muntschick: "Da dringt Feuchtigkeit auch in die Dämmung ein, deshalb muss das Dach komplett neu aufgebaut und gedeckt werden."

Das Haus Schminke braucht also dringend eine Frischekur, doch die bedarf bei einem solchen Baudenkmal gründlicher Vorbereitung. Deshalb wird das Gebäude zur Zeit von der Ostbayrischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg vom Keller bis zum Dachboden erforscht. Studenten von der Fakultät Architektur unter Leitung von Professor Felix Wellnitz gehen den Baugeheimnissen des Hauses seit einigen Monaten auf den Grund.


Professor Felix Wellnitz von der Technischen Hochschule Regensburg im Haus Schminke
Professor Felix Wellnitz von der OTH Regensburg Bildrechte: MDR/Viola Simank

Scharoun war einer der wenigen Architekten, der bauklimatische und technische Aspekte beherrscht und auch in seinen Bauten umgesetzt hat.

Professor Felix Wellnitz

Klimaschutz und Denkmalpflege

Für Wellnitz ist das Haus eine ideale Fallstudie, weil die Regensburger Hochschule auch Experten für historische Bauforschung, Gebäudeklimatik und Industriedesign ausbildet. Bei der Sanierung eines solchen Baudenkmales stehe man häufig vor dem Konflikt, nicht einfach nur das Haus zu erhalten, sondern auch Energie entsprechend geltender Normen einzusparen. Das passe nicht immer gut zusammen. Deshalb sind verschiedene Fachrichtungen gefragt, gemeinsam nach den bestmöglichen Sanierungsmaßnahmen zu suchen. So könne man Klimaschutz und Denkmalpflege durchaus zusammenbringen, sagt Wellnitz.

Wunderschöner Studienort

Damit dies gelingt, sammeln zur Zeit seine Regensburger Studenten Klimadaten vom Haus Schminke. Anfang des Jahres haben sie dafür Messgeräte im Haus installiert, um Temperatur und Feuchtigkeit zu messen. Außerdem haben sie in den vergangenen Tagen die Bauschäden dokumentiert und sich mit der Konstruktion des Hauses befasst. Dafür durften sie sogar für ein paar Tage dort wohnen. Für Architekturstudentin Katharina Sauer ein besonderes Erlebnis: "Das ist ein Wahnsinnsgebäude. Jeden Tag gibt es eine andere Lichtstimmung, da das Wetter unterschiedlich ist. Das spürt man hier einfach gut, weil das Haus so lichtdurchflutet ist."

Fensterfront im Wohnzimmer Haus Schminke
Durch die großen Fenster im Wohnzimmer blickt man in den Garten der Villa. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Das besondere Licht hat das Haus seinen großen Fensterflächen zu verdanken. Sie sind Markenzeichen des Gebäudes, gleichzeitig aber auch dessen Schwachstelle. Denn durch die Einfachverglasung kühlt das Haus im Winter schnell aus und heizt sich im Sommer schnell auf. Trotzdem sollen die Fenster so bleiben wie sie sind, eventuell nur besser abgedichtet werden. Auch wie das Dach gedämmt wird, ist eine Frage, der die Regensburger nachgehen. Um herauszufinden, welche Auswirkungen eine bessere Dämmung und Abdichtung auf das Raumklima haben, will Professor Wellnitz mit seinen Studenten ein Computer-Simulationsmodell des Hauses entwickeln. "Damit können wir dann zum Beispiel sehen, was passiert, wenn wir im Dach eine bessere Wärmedämmung einbauen und die Fenster mit einer Schlauchdichtung luftdichter machen würden. Hätten wir dann möglicherweise eine so hohe Luftdichte im Haus, dass es irgendwo schimmelt?" Das Modell könne dafür unterschiedliche Nutzungsszenarien durchspielen, denn das Haus Schminke werde ja auch als Veranstaltungs- und Übernachtungsort genutzt, so Wellnitz.

Sanierung bis zum Bauhausjubiläum 2019

Am Ende können diese Ergebnisse dann helfen, das Haus Schminke denkmalgerecht zu sanieren und gleichzeitig sinnvolle Lösungen für einen geringeren Energieverbrauch zu finden. Claudia Muntschick von der Stiftung Haus Schminke geht davon aus, dass die Sanierung mindestens 250.000 Euro kosten wird. Bis 2019 soll der Bau wieder auf Vordermann gebracht werden, dann feiert das Bauhaus sein 100-jähriges Jubiläum. Die Hochschule für Gestaltung wurde 1919 in Weimar gegründet. Auch Architekt Hans Scharoun stand in der Tradition des Bauhauses.

Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2016, 16:31 Uhr

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