Der Dachstuhl eines Hauses steht in Flammen.
Bildrechte: MDR/Christian Essler

CDU-Stammtisch zum "Husarenhof" Bautzen Zwischen Gerücht und Wahrheit

Der Ruf von Bautzen hat in diesem Jahr stark gelitten. Am 21. Februar ging der "Husarenhof" in Bautzen in Flammen auf, das geplante Asylbewerberheim war nicht mehr nutzbar. Bundesweit für Schlagzeilen sorgte, dass die Einsatz- und Rettungskräfte bei ihrer Arbeit von fremdenfeindlichen Zuschauern behindert worden sein sollen. Der Stadtverband der CDU wollte bei einem sogenannten Stammtisch für mehr Klarheit sorgen.

Der Dachstuhl eines Hauses steht in Flammen.
Bildrechte: MDR/Christian Essler

Der große Saal im Brauhaus Bautzen ist mit mehr als 50 Leuten gefüllt. Am Eingang werden die Gäste befragt, was sie von der Veranstaltung erwarten. Informationen über das Geschehen in der Brandnacht und vor allem auch, was danach geschah, erzählen sie. Einige Besucher wollen eigenen Angaben zufolge nur Dampf ablassen, denn das Feuer im "Husarenhof" bewegt noch immer die Gemüter. "Die Wahrheit über den Brand müsse endlich auf den Tisch", poltert einer der Gäste zu Beginn. Anwohner ärgern sich über die, so wörtlich, "braune Ecke", in die Bautzen nach dem Feuer gestellt wurde. Schon vor Beginn der Diskussionsrunde prallen die unterschiedlichen Meinungen an den Tischen aufeinander.

Pro und kontra Einsatzkräfte

Die CDU hat sich zahlreiche Gesprächspartner eingeladen: Anwohner, Augenzeugen, den zuständigen Polizeipräsidenten, Feuerwehrmänner und Vertreter der Stadt sowie einen Journalisten, der als einer der Ersten am Ort der Katastrophe war.

Alle schildern das Geschehen in der Brandnacht aus ihrer Sicht und erhalten aus dem Publikum Zustimmung oder Ablehnung. Wie unterschiedlich das Großfeuer bewertet wird, zeigt sich in den Kommentaren. Vor allem die Polizei wird für ihre Pressearbeit angegriffen, welche die negative Berichterstattung über Bautzen nach Ansicht vieler Gäste erst auslöste.

Dem Präsidenten der Polizeidirektion Görlitz Conny Stiehl platzt im Verlauf der Diskussion der Kragen. Es seien mehr als zehn Streifenwagen im Einsatz gewesen, betont er. Und es sei nur berichtet worden, was die Kollegen am Einsatzort auch tatsächlich wahrgenommen haben. Drei betrunkene Jugendliche hätten nicht nur die Arbeit der Feuerwehr massiv behindert, sondern zudem auch noch die Polizeibeamten angegriffen. Gewalt gegen Vollstreckungsbeamte, das dürfe man nicht durchgehen lassen, betonte der Görlitzer Polizeichef.

Das war keine Bagatelle und kein normaler Großbrand. Hier in Bautzen brannte ein Asylbewerberheim. Nur, weil es noch unbewohnt war, wurden wahrscheinlich keine Menschen verletzt.

Conny Stiehl Polizeipräsident

Feuerwehr hat nichts von den Pöbeleien mitbekommen

Die Vertreter der Feuerwehr wollen vom Geschehen am Rande des Großbrandes kaum etwas mitbekommen haben. "Wir haben uns voll auf das Feuer konzentriert", berichten sie. Die Kameraden hätten eine sehr gute Arbeit geleistet. "Bereits nach knapp zwei Stunden hatten wir den Brand unter Kontrolle", sagt der Einsatzleiter von der Feuerwehr und kassiert den Beifall der Anwesenden. Natürlich habe es auch harte, teil kontroverse Diskussionen am Einsatzort gegeben, weil Fahrzeuge aus dem Gefahrenbereich gebracht werden mussten. Dabei sei es manchmal hektisch zur Sache gegangen, weil Schläuche verrückt werden oder Einsatzwagen weichen mussten. Möglicherweise sei das als Behinderung der Einsatzkräfte interpretiert worden, waren sich die Feuerwehrmänner einig.

Interview für Kanada

Der Pressesprecher der Stadt Bautzen, Andrè Wucht, lobt beim Stammtisch das Engagement des damals frisch gewählten Oberbürgermeisters Alexander Ahrens. Sein Chef habe als Krisenmanager einen guten Job gemacht.

Um die Berichte in den Medien aufzuarbeiten, hat die Stadt eine darauf spezialisierte Agentur gebucht. Die Reichweite durch die Medien lag bei 129 Millionen Nutzern, so Wucht. Bautzen habe es mit dem Brand nicht nur in die Tagesschau geschafft. Sogar Radiosender in Kanada hätten sich mit dem Großbrand beschäftigt. Die Untersuchungen der Agentur hätten folgende Ergebnisse gebracht: Nur 20 Prozent der Berichte, Reportagen und Interviews hätten negativ über das Geschehen berichtet.

Diese Aussage des Pressesprechers sorgt für Erstaunen im Saal. Wo komme dann das Negativimage von Bautzen her, fragt einer der Besucher. Eine Besucherin im Saal verweist auf die damals aufgeheizte Situation und die vielen Anschläge, die Rechtsextremen zugeordnet werden konnten. Beispielsweise der Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim im benachbarten Löbau.

Zwischen Wahrheit und Gerüchten

In der Diskussion und im Meinungsaustausch werden immer wieder Tatsachen und Gerüchte miteinander vermischt. Deshalb fordert das Podium mehrfach, bei den Tatsachen zu bleiben. Weil die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind, können aber viele Fragen nicht beantwortet werden. Das sorgt für Verärgerung. "Ich hätte mehr erwartet von dem Abend", sagt einer der Gäste. Andere fordern von der Stadt mehr Engagement, um das negative Image von Bautzen wieder aufzupolieren. Die Mehrzahl der Besucher ist froh über den Meinungsaustausch. "Ein sehr informativer Abend. Jetzt weiß ich mithilfe der Anwohner, was sich wirklich abgespielt hat", sagt einer beim Verlassen des Saales. Ein Frau ist nunmehr sicher, dass alles in Bautzen wieder, "ins Lot kommt". Einige Gäste beklagen aber auch die teils unsachliche Diskussion und die zahlreichen Vorurteile. "Dabei ist vielfach vergessen worden, dass in Bautzen ein Flüchtlingsheim brannte!"

Feuerwehr sichert das abgebrannte ehemalige Hotel "Husarenhof" in Bautzen ab.
Der Husarenhof nach dem Feuer. Bildrechte: MDR/Rocci Klein

CDU zufrieden

Der Brand im "Husarenhof" in Bautzen wird wohl noch lange die Gemüter beschäftigen. Erst wenn möglicherweise der oder die Täter gefunden worden sind, wird in Bautzen wieder Ruhe einkehren, sagt ein Jugendlicher bei der Verabschiedung. CDU-Mitglied Christoph Mehnert kommentiert den Stammtisch mit den Worten: "Ich bin zufrieden, dass wir in einer relativ tollen Atmosphäre so ein emotionales Thema beleuchten konnten."

Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2016, 15:50 Uhr

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