Intarsienmanufaktur Fanny Bracke Reichenbach
Bildrechte: MDR/Viola Simank

Tage des Europäischen Kunsthandwerks Schneiden, Legen, Kleben

In Reichenbach bei Görlitz bringt eine junge Frau frischen Wind in ein altes Handwerk. Sie verziert Alltagsgegenstände mit Intarsien. Am Wochenende öffnet sie die Türen ihrer neugegründeten Manufaktur für Besucher.

Intarsienmanufaktur Fanny Bracke Reichenbach
Bildrechte: MDR/Viola Simank

Auf der Werkbank von Fanny Bracke liegt ein ganzer Wald. Allerdings sind von den Bäumen wie Ahorn, Esche, Eiche oder Kirsche nur unscheinbare millimeterdünne Streifen geblieben. Doch sie haben das Potenzial, zu ganz besonderen Kunstwerken zu werden. Die gelernte Tischlerin setzt die unterschiedlich farbigen Furniere zu Mustern zusammen und experimentiert dabei besonders mit geometrischen Formen: "Da kommt die Maserung und die Individualität der Furniere sehr schön heraus. So lassen sich wunderbare Strukturen herstellen."

Sorgfalt und Geduld

In der kleinen Werkstatt in Reichenbach bei Görlitz entwickelt Fanny Bracke die Ideen für ihre Arbeiten. Ob Lampenschirm, Bucheinband oder Schatullen – Intarsien passen fast überall hin bzw. drauf. Die 32-Jährige hat die Intarsienkunst bei ihrer Ausbildung zur Tischlerin kennengelernt und war von der Technik fasziniert: "Für mich ist das einfach eine wunderbares Handwerk, weil ich gerne mit Ruhe, Sorgfalt und Geduld arbeite." Die Muster und Bilder hätten dann dank der Holzmaserungen eine einmalige Optik.

Intarsienmanufaktur Fanny Bracke Reichenbach
Die Oberfläche des Schränkchens hat Fanny Bracke mit Intarsien veredelt. Aber auch der Lampenschirm besteht aus Intarsien. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Was sind Intarsien? Intarsien sind Einlegearbeiten aus Holz. Dafür werden Furniere unterschiedlicher Holzarten verwendet, um verschiedene Farben und Strukturen zu erhalten. Sie werden so zusammengefügt, dass daraus Bilder und Muster entstehen. Diese werden dann auf die Oberflächen von Möbeln oder Gebrauchsgegenständen aufgebracht.


Rückkehr nach zehn Jahren

Doch bis Intarsienbilder fertig sind, braucht es eben Zeit und Geduld. Ein Grund, warum nur noch wenige ihr Geld mit dem Herstellen von Intarsien verdienen wollen. In Sachsen bieten einige Tischler diese Dienstleitung noch zusätzlich an. Außerdem gibt es in Sörnzig bei Rochlitz einen Verein, der die Intarsienkunst pflegt und eine kleine Schauwerkstatt betreibt. Doch für Fanny Bracke sind die Intarsien mehr als ein Hobby. Sie will sich damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Nach zehn Jahren ist sie deshalb in ihre alte Heimat Reichenbach zurückgekehrt, um dort eine Intarsienmanufaktur zu gründen. Sie wolle dem alten Handwerk wieder Leben einhauchen, damit es nicht in Vergessenheit gerät, sagt sie.

Bildergalerie Vom Furnier zum Kunstwerk

Intarsienmanufaktur Fanny Bracke Reichenbach
Das Furnier der unterschiedlichen Holzarten ist nur wenige Millimeter dünn. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Intarsienmanufaktur Fanny Bracke Reichenbach
Das Furnier der unterschiedlichen Holzarten ist nur wenige Millimeter dünn. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Intarsienmanufaktur Fanny Bracke Reichenbach
Aus dem Furnier schneidet Fanny Bracke zunächst verschiedene Formen aus und legt sie dann zu Mustern. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Intarsienmanufaktur Fanny Bracke Reichenbach
Mit einem speziellen Klebeband wird das Muster fixiert, bevor es auf eine Trägerplatte aufgeleimt wird. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Intarsienmanufaktur Fanny Bracke Reichenbach
Letzter Arbeitsschritt ist das Ölen oder Wachsen der geschliffenen Oberfläche, wie bei dieser Buchhülle, die mit Intarsien veredelt wurde. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Intarsienmanufaktur Fanny Bracke Reichenbach
Fanny Bracke arbeitet besonders gerne mit geometrischen Formen. Bildrechte: MDR/Viola Simank
Intarsienmanufaktur Fanny Bracke Reichenbach
Auch diese Oberfläche eines Schränkchens hat Fanny Bracke mit Intarsien veredelt. Aber auch der Lampenschirm besteht aus Intarsien. Bildrechte: MDR/Viola Simank
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Und so setzt sie auch auf moderne Alltagsgegenstände, die sie mit zeitgemäßen Intarsienmustern verschönert, egal ob Handyhüllen, Geldbörsen oder kleine Ohrstecker. Dass sie ihre kleine Werkstatt fernab einer Großstadt betreibt, sieht sie nicht als Nachteil, sondern vielmehr als Chance. Zwar habe man in den großen Städten mehr Möglichkeiten. Aber sie habe schon die Erfahrung gemacht, dass man auf dem Land eher wahrgenommen wird, gerade weil sie hier mit ihrem Handwerk so etwas wie eine Exotin ist. "In einer Großstadt wie Berlin oder Dresden würde es mir viel schwerer fallen, mich von den anderen abzuheben und überhaupt erstmal gesehen und gehört zu werden."

Offene Werkstatt am Wochenende

Die Rückkehr in ihre Heimatstadt Reichenbach hat Fanny Bracke deshalb nicht bereut. Hier hat sie auch die Ruhe, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. "Wenn ich die Intarsien schneide oder Muster zusammenlege, dann merke ich gar nicht, wie die Zeit vergeht." Für sie sei das ein echtes Geschenk, so arbeiten zu können und sich mit dem zu beschäftigen, was sie gerne mache: "Das ist eine enorme Lebensqualität."

Wer ihr bei der Arbeit über die Schulter schauen will, der kann das an diesem Wochenende tun. Im Rahmen der Europäischen Tage des Kunsthandwerks öffnet sie ihre Intarsienmanufaktur für Besucher.

Intarsienmanufaktur Fanny Bracke Weißenberger Straße 7, 02894 Reichenbach/Oberlausitz

Die Werkstatt hat an folgenden Tagen für Besucher geöffnet:

Freitag, 31.03.2017 | 14 bis 18 Uhr
Sonnabend, 01.04.2017 | 10 bis 18 Uhr
Sonntag, 02.04.2017| 12 bis 18 Uhr

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR 1 RADIO SACHSEN | 01.04.2017 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. April 2017, 11:59 Uhr

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Intarsienmanufaktur Fanny Bracke

Weißenberger Straße 7, 02894 Reichenbach

Die Werkstatt hat an folgenden Tagen für Besucher geöffnet:

Freitag, 31.03.2017 | 14 bis 18 Uhr
Sonnabend, 01.04.2017 | 10 bis 18 Uhr
Sonntag, 02.04.2017| 12 bis 18 Uhr

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