Raik Proft mit einer Verkleidungsplatte für den Airbus
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Elbeflugzeugwerke in Kodersdorf wachsen weiter Ein Traum wird wahr: Vom Koch zum Flugzeugbauer

In Kodersdorf bei Görlitz hat der Airbus-Zulieferer Acosa am Freitag ein neues Werk eröffnet. 150 Mitarbeiter sollen dort High-Tech-Bauteile für den Innenausbau der Flugzeuge herstellen. 40 Millionen Euro wurden investiert. Bis Juni soll die Produktion hochgefahren werden. Erst vor einem knappen Jahr war der Grundstein für die neue Produktionsstätte gelegt worden. Damit wächst die Firmengruppe der Elbeflugzeugwerke Dresden weiter.

Raik Proft mit einer Verkleidungsplatte für den Airbus
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

In Kodersdorf war in einer nagelneuen Produktionshalle alles für den großen Moment vorbereitet. Um schneeweiße Stehtische hatte sich die gesamte Firmenleitung postiert. Dazu Anteilseigner der Firmengruppe aus Singapur, Geschäftsführer von Zuliefer- , Service- und Baufirmen. Mittendrin Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, mit der lokalen Politprominenz im Schlepptau. Kretschmer hatte vor Jahren den Standort Kodersdorf bei einer gemütlichen Runde mit den Bossen der Flugzeugwerke ins Gespräch gebracht. Damals war er noch Bundestagsabgeordneter.

Hier am Standort in der Oberlausitz kommen 150 weitere qualifizierte Arbeitsplätze hinzu. Zugleich stärkt das neue Werk die gesamte sächsische Luft- und Raumfahrtbranche.

Michael Kretschmer Ministerpräsident Sachsen
Geschäftsführer Zenker begrüßt die Gäste in der neuen Produktionshalle.
Der Kodersdorf-Chef Frank Zenker bei der Eröffnung der neuen Fabrik. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Mitten unter seinen Kollegen stand Raik Proft, etwas schüchtern, aber mit stolzgeschwellter Brust in der vorletzen Reihe. Auch sein Gesicht strahlte, als der Geschäftsführer der Elbeflugzeugwerke Andreas Sperl die Mannschaft lobte: "Tolles Team hier, mit dem werden wir die hohen Qualitätsanforderungen unserer Kunden problemlos erfüllen." Bis zu diesem Moment hatte der Löbauer einen langen und nicht immer einfachen Weg. Nun ist er bei Acosa und produziert Frachtraum-Verkleidungen und Bodenplatten für den größten europäischen Flugzeughersteller Airbus.

Ich bin in der Produktion für das Auspacken, Entformen und Backen zuständig. Um die Wabenplatten und das Harz zu härten, werden die Grundplatten bei 150 Grad gebacken, bevor sie weiter verarbeitet werden.

Raik Proft Produktionsarbeiter

Den Begriff "Backen" kennt der Produktionsarbeiter noch aus seinem früheren Berufsleben als Koch. Nur hat dieser Backofen nichts mit den Backofen in den Küchen von Gasthöfen oder Großküchen gemeinsam. Kaum zu glauben, dass der 32 Jahre alte Mann noch vor einem knappen Jahr die Suppenkelle schwang.

Der Koch wird zum Bäcker

Einstiger Koch an Hígh-Tec-Maschine
Hinter dem Gitter werden High-Tec-Platten für den Airbus "gebacken". Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Professionell gleiten seine Finger über die Tastatur der Maschine oder den Bildschirm. Manchmal erinnern ihn auch seine jetzige Arbeitskleidung an den alten Job: schneeweiße Hosen, schneeweiße Handschuhe.

Als Koch war der Löbauer in ganz Deutschland unterwegs. Er kochte in Bayern, an der Ostsee, in großen und kleinen Küchen, war unglücklich und hatte Heimweh. Als er von dem neuen Werk in Kodersdorf hörte, band der Löbauer seine Schürze ab und bewarb sich spontan.

Ohne Kochmütze, aber mit schneeweißen Handschuhen

Nachdem er eine erste Eignungsprüfung bei der Industrie- und Handelskammer bestanden hatte, wurde ein Neustart in der Heimat möglich. "Die Freundin war begeistert", strahlt der frischgebackene Flugzeugbauer noch immer.

David Eckner bedient eine Fräsmaschine.
Kollege David Eckner kam als Facharbeiter. Er richtet eine Fräsmaschine ein. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Nun will er seinen neuen Traum "Flugzeugbauer" in Kodersdorf umsetzen und vom Produktionshelfer zum Facharbeiter als Maschinen- und Anlagenführer aufsteigen. Die Umschulung dauert noch drei Jahre und wird von den Flugzeugwerken und ihrer Kodersdorfer Tochter unterstützt. Wenn er seinen zweiten Berufsabschluss in der Tasche hat, hofft er auf weitere Karrieremöglichkeiten. In den nächsten Monaten will das Unternehmen zunächst in zwei Schichten, später sogar in drei Schichten arbeiten, um die steigende Nachfrage befriedigen zu können.

Träume können aufsteigen

Raik Proft stört Schichtarbeit nicht. Schon als Koch musste er in Sachen Arbeitszeit flexibel sein. "Hier ist es viel besser: feste Arbeitszeiten, keine Feiertage und gutes Geld". Selbst in Touristenregionen verdiente der Koch deutlich weniger als heute. Er bezeichnet sein Gehalt als angemessen. Deshalb werden auch schon Familienpläne gemacht. Seine Freundin arbeitet bei einem Automobilzulieferer in der Nähe. Nun überlegen beide, ob sie ebenfalls nach Kodersdorf wechselt.

Flugzeugbauer bei acosa Raik Proft
Raik Proft baut Teile für den Airbus in Kodersdorf. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Der große Plan wäre, dass meine Freundin bei der Qualitätssicherung in Kodersdorf arbeiten kann. Das wäre toll.

Raik Proft Produktionsarbeiter

So unwahrscheinlich ist das nicht, denn die Flugzeugwerke suchen nicht nur für das Stammwerk in Dresden weitere Mitarbeiter, sondern auch für ihre beiden Tochterunternehmen in Kodersdorf. 1.300 Mitarbeiter beschäftigt derzeit die Dresdener Firmengruppe und der Geschäftsführer betonte bei der Eröffnung der neuen Fabrik, dass dies nicht die letzte Investition in der Oberlausitz sei. Deshalb ist es durchaus möglich, dass die Zahl der neuen Arbeitsplätze von 150 auf über 200 steigen könnte.

Die neue Fabrik für Flugzeugteile in Kodersdorf

Monjia & Mr. Phoenix begrüßen die Gäste
Monjia & Mr. Phoenix begrüßen die Gäste. Sie symbolisiert die Zukunft und er die Leichtigkeit im Flugzeugbau. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Monjia & Mr. Phoenix begrüßen die Gäste
Monjia & Mr. Phoenix begrüßen die Gäste. Sie symbolisiert die Zukunft und er die Leichtigkeit im Flugzeugbau. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Elbeflugszeugwerke Geschäftsführer Andreas Sperl.
Geschäftsführer Andreas Sperl schwärmte von seiner innovativen Belegschaft und dem Standort Kodersdorf. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Geschäftsführer Zenker begrüßt die Gäste in der neuen Produktionshalle.
Für die Gäste war ein großes Buffett nach der Eröffnung in der neuen Produktionshalle aufgebaut. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Blick in die neue Fertigshalle mit Teilen für Flugzeugkabinen.
Blick in die neue Fertigshalle mit Teilen für Flugzeugkabinen vom A320. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Einstiger Koch an Hígh-Tec-Maschine
Damit die Verkleidungen aushärten, werden sie bei 150 Grad "gebacken". Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Flugzeugbauer Raik Proft bei Setzen von Markierungen
Flugzeugbauer Raik Proft beim Setzen von Markierungen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
David Eckner bei der Qualitätskontrolle einer "Wabenplatte".
David Eckner bei der Qualitätskontrolle einer "Wabenplatte". Bildrechte: MDR/Uwe Walter
David Eckner bedient eine Fräsmaschine.
David Eckner bedient eine Fräsmaschine von der Größe eines Zimmers.. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
MDR-Reporterin Rica Sturm im Gespräch mit Anlagenfahrer Raik Proft.
MDR-Reporterin Rica Sturm im Gespräch mit Raik Proft. Der gelerne Koch will bei Acosa seinen Facharbeiter machen, um als Flugszeugbauer aufzusteigen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Alle (9) Bilder anzeigen

Die Aircraft Composites Sachsen GmbH (Acosa) ... ... ist eine 100-prozentige Tochter der Elbe Flugzeugwerke GmbH (EFW). In dieser werden Frachtraumverkleidungen und Bodenplatten für Airbus hergestellt. Mit der zusätzlichen Produktionskapazität dieser Fabrik stärkt EFW seine Position als Zulieferer von Airbus und deckt gleichzeitig die von Airbus angekündigte monatliche Ratensteigerung in der A320-Familie ab.

Im laufenden Jahr verlassen rund 42.000 Platten die Werkshallen. Im ersten vollen Produktionsjahr werden es rund 200.000 Platten sein. Mit der neuen Fabrik vergrößert sich die Produktionskapazität der Flugzeugwerke um etwa 40 bis 50 Prozent.

Quelle: MDR/uw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.05.2018 | 10:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2018, 12:57 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.