Oberlausitz Neue Ideen für leere Läden

In den Innenstädten haben es kleine Läden schwer, viele haben in den letzten Jahren aufgegeben. Manche Städte wollen den Leerstand nicht hinnehmen und suchen nach neuen Ideen - mit ersten kleinen Erfolgen.

Ein Laden auf Zeit, in dem man seine Geschäftsidee ohne großes Risiko ausprobieren kann: Das ist die Idee, die hinter einem sogenannten "Testladen" steht. In Bautzen gibt es solch einen Laden bereits seit dem Sommer. Karin Mross war die erste Händlerin, die ihn ausprobiert hat. Mitten in der historischen Altstadt, in der Nähe des Doms, bot sie dort mehrere Wochen ihre Produkte an. Die Schneiderin betreibt eigentlich in Neukirch eine kleine Manufaktur für Textiles aus Leinen und Blaudruck. Sie wollte aber ihre Produkte auch in Bautzen bekannter machen und stieß auf das Angebot des Testshops.

Hohe Mieten in Bautzen

Die Idee zum Testladen hatte Citymanagerin Gunhild Mimus. Denn auch in Bautzen stehen viele Läden leer: Allein in der historischen Altstadt sind es nach Angaben der Stadtverwaltung immerhin 58 von insgesamt 190 Geschäften, die auf Vermietung warten. Grund für den Leerstand ist nur manchmal die ungünstige Lage. Viel häufiger sind es in Bautzen die hohen Mieten, die von den Eigentümern verlangt werden. Manche ließen lieber die Geschäfte leerstehen, als mit den Mieten runterzugehen, sagt Gunhild Mimus. Ein Beispiel ist die Kornmarkt-Passage gegenüber dem Kornmarktcenter mitten im Zentrum von Bautzen. Die Geschäfte dort sind schon seit Jahren verwaist, dem Eigentümer scheint das aber egal.

Mit dem Testladen will Citymanagerin Mimus wieder Händler in die Innenstadt locken. Ladentesterin Karin Mross findet das eine gute Idee und kann sich jetzt durchaus vorstellen, tatsächlich ein kleines Geschäft in Bautzen zu mieten. Die Erfahrungen der letzten Wochen seien durchaus positiv gewesen, sagt sie. Allerdings müsse die Miete stimmen. Ab November wird der Testshop neu belegt. Dann zieht erst eine Designerin aus Görlitz und danach eine Händlerin für skandinavisches Wohndesign ein.
Neben dem Testladen plant City-Managerin Gunhild Mimus eine online-Plattform, auf der sich die Bautzener Einzelhändler präsentieren und ihre Waren in einem online-Shop anbieten. Das Projekt stecke aber noch in Anfängen, sagt sie. Viele Händler stünden der Idee offen gegenüber, schließlich müsse man der Konkurrenz aus dem Internet etwas entgegensetzen .

Kamenz wird aktiv

In Kamenz ist der Ladenleerstand ebenfalls ein großes Thema. Auch hier setzt man seit neuestem auf das Konzept "Testshop". Anfang September hat solch  ein Testladen in der Bautzener Straße eröffnet. Das ist die größte Ladenstraße der Stadt. Dort teilen sich drei Händler das Geschäft und bieten Dinge wie hochwertiges Holzspielzeug, Keramik und Schmuck an. Ein halbes Jahr wollen sie ausprobieren, ob ihr Laden läuft. Initiiert hat das Projekt die Kamenzer City-Managerin Anne Hasselbach. Sie soll den Handel und das Leben in der Innenstadt in Schwung bringen. Schließlich stehen im Bereich des Marktes und der Bautzener Ladenstraße 24 Läden leer, das sind etwa 20 Prozent der Geschäfte dort.

Anne Hasselbach hat noch weitere Ideen: Mit sogenannten Tandems will sie leerstehende Läden zwischennutzen. Dabei sollen sich zwei Partner zusammentun – ein Beispiel ist der Testshop, bei dem sich die Händler mit dem Hauseigentümer zusammengetan haben. Aber auch für Aktionen oder Veranstaltungen können sich Tandems bilden, die dafür leere Ladenflächen nutzen können. Es gehe um ein partnerschaftliches Miteinander und darum, aktiv zu werden, findet Anne Hasselbach. Sie hofft, dass solche Aktionen ausstrahlen und zur Belebung der Innenstadt beitragen. 

Erfolgreiche Akquise in Görlitz

Auch in Görlitz unternimmt man einiges, um für freie Geschäfte wieder Mieter zu finden. Leere Läden gibt es insbesondere in der oberen Berliner Straße und der Jakobstraße. Doch gerade in der Jakobstraße tut sich etwas. Im Frühjahr ist dort die Jakobspassage neu eröffnet worden. Und die Wirtschaftsförderer der Stadt zeigten bei dieser Gelegenheit Interessenten auch weitere freie Flächen in der Jakobstraße, die auf Mieter warten. Laut Philipp von Haymerle von der Europastadt Görlitz Zgorcelec GmbH, die für die Wirtschaftsförderung zuständig ist, sind daraus auch feste Mietverträge entstanden. Zwei der sechs angebotenen Flächen seien jetzt vermietet, die Geschäfte allerdings noch nicht eröffnet. Und noch etwas stimmt ihn zuversichtlich: Im vergangenen halben Jahr habe es verstärkt Nachfragen nach leeren Ladenflächen gegeben. Allerdings gebe es für manche Interessenten ein anderes Problem, weshalb Mietverträge nicht zustande kommen: Viele Geschäfte in der Görlitzer Altstadt sind für sie einfach zu klein.

Zuletzt aktualisiert: 07. September 2016, 14:36 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

09.09.2016 10:32 Roman Wagner 4

4 Supermärkte im 5000 Einwohner Kleinstadt finde ich ganz übertrieben. Viele abgelaufene Lebensmitteln wandern gleich ins Müll , weil zu wenige Kunden dort vorbeikommen. Das muss ab sofort ändern ,sonst droht das Unheil.

09.09.2016 10:11 Klaus 3

An M.Jacob: Wohlstandsgesellschaft und Bildung ist schwerer zu beherrschen. Man braucht die Menschen zum Arbeiten und "Karotten" für welche sie auf Arbeit gehen. Dabei muss alles so gut wie möglich strukturiert sein, dass jeder seinen Platz akzeptiert. Eine so richtige boomende Stadt, will man das wirklich? Außerdem, wieviel Krimskrams sollen wir den kaufen und unsere Wohnungen damit zustellen bzw. die Müllhalden damit füllen? Für gute regionale Obst, Käse und Fleischwaren und Bistros à la francaise, sehr gern. Eventuell gehen noch Modeateliers junger Designer wie einst im wohnungsreichen Berlin.

08.09.2016 12:15 M. Jacob 2

Vielleicht sollte man überlegen, die sozialen Ungleichheiten in der Gesellschaft zu minimieren. Das heißt konkret gutes Einkommen und faire Löhne für gute Arbeit. Wenn, wie jetzt im MDR EXAKT Magazin berichtet wurde, faktisch 40% der Bevölkerung absolut nichts haben, frage ich mich, wie man mit Nichts konsumieren soll. Da liegt meiner Einschätzung nach das Grundproblem. Görlitz und Umgebung zählen ja nicht gerade zu den Boomregionen in Sachen Arbeitsplätze.

07.09.2016 22:32 hans forst 1

Wo an der Peripherie der Städte Einkaufszentren aus dem Boden gestampft werden, folgt bald darauf die Verödung der Innenstädte. Eine häufige und logische Folge, die man bei kurzem Nachdenken eigentlich erkennen müsste.

Mehr aus der Region Bautzen