Bis zu 30 Meter weit fliegen Autos in der Lausitz.
Bildrechte: Rallye-Renn- und Wassersport-Club Lausitz

"1 - 2 - 3 - Gib Schotter!" Lausitz Rallye! Wo Autos fliegen lernen

Die 20.Lausitz-Rallye am ersten Novemberwochenende bietet rund um Boxberg nicht nur hochkarätigen Motorsport. Zum Jubiläum ist es dem Rallye-Renn- und Wassersport-Club Lausitz - RRWC - gelungen, den Endlauf der European Historic Sporting Rally Championship an den Bärwalder See zu holen. Fahrzeuge und Fahrer, die Motorsportgeschichte geschrieben haben, wollen bei der Lausitz-Rallye dabei sein.

Bis zu 30 Meter weit fliegen Autos in der Lausitz.
Bildrechte: Rallye-Renn- und Wassersport-Club Lausitz

In den ehemalige Tagesanlagen vom Braunkohletagebau Reichwalde hat der Rallye-Renn- und Wassersport-Club Lausitz, kurz RRWC, seit einigen Jahren sein Quartier.

Startrampe für die Lausitz Rallye.
Bildrechte: Rallye-Renn- und Wassersport-Club Lausitz

Motorsportfreunde kennen das Gelände auch von den Rallyes der vergangenen Jahre. Dort war das Fahrerlager aufgebaut und von dort aus starteten die Fahrerteams. Doch in diesem Jahr zum Jubiläum gibt es zahlreiche Veränderungen, weil die LEAG als Besitzer das Gelände und seine Gebäude aufgibt. Bis Ende Mai werden zahlreiche Versorgungsleitungen gekappt.

Damit kann die Infrastruktur nicht mehr im Herbst für die Lausitz-Rallye genutzt werden.

Wechsel an den Bärwalder See

Der neue Mittelpunkt für die Lausitz-Rallye ist künftig das Boxberger Ufer am Bärwalder See.

Bärwalder See Tourist-Info Boxberg
In der Touristenzentrum wird die Rennleitung untergebracht. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Im Sternencamp, einem noblen Stellplatz für Wohnmobile, wird das Fahrerlager logieren. Die Rennleitung zieht in das benachbarte Touristenzentrum.

Der langjährige Rennleiter Wolfgang Ralsper meint, damit haben wir eine sehr gute Lösung gefunden, sowohl für die Sportler, als auch für das Publikum. Flächen und Parkplätze sind ausreichend alle vorhanden. Zudem gibt es eine gute Infrastruktur.

Neue Strecken im Blick

Die Jubiläumsausgabe der Lausitz-Rallye soll am 02.November gestartet werden. Bis dahin müssen noch einige Strecken erkundet und die Genehmigungen eingeholt werden. Noch ist nicht alles unter Dach und Fach. Das Problem der Lausitz-Rallye ist aber auch eines ihrer Markenzeichen. Das Rennen führt durch die Tagebaulandschaft fmit ihren Schotterpisten und diese Landschaft verändert sich durch den Braunkohleabbau.

Rallyefahrer & Copilot Christian Doerr.
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Die meisten Rallyes haben immer den gleichen Kurs, das gleiche Streckenprofil. Hier in der Lausitz ist jedes Jahr anders, jedes Jahr neu. Das macht neben dem Schotter den Reiz der Veranstaltung aus.

Christian Doerr Rallyefahrer & Co-Pilot
Ein roter Mini lässt den Schotter fliegen.
Bildrechte: Rallye-Renn- und Wassersport-Club Lausitz

Für die Macher ist es nicht ganz einfach, immer wieder neue Strecken zu finden. Viele Gespräche mit privaten Waldbesitzern sind dafür erforderlich. Der RRWC muss nach dem Rennen die Waldwege wieder in den ursprünglichen Zustand zurück versetzen.

Also die Waldbesitzer bekommen auf diese Weise manchmal auch ihre Wege kostengünstig saniert, grinst verschmitzt Wolfgang Rasper ,um gleich darauf auf die große Unterstützung durch die Bundeswehr vom benachbarten Truppenübungsplatz Oberlausitz hinzuweisen und den Braunkohleverstromer LEAG zu loben.

Rennleiter Wolfgang Rasper im Lager.
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Ohne den Zusammenhalt in der Region, ohne das Landratsamt Görlitz, die vielen Betriebe und ohne die rund 500 ehrenamtlichen Helfer wäre die Lausitz-Rallye nicht machbar.

Wolfgang Rasper Rennleiter & Cheforganisator

Nicht nur die Streckenposten, die Einweiser auf die Parkplätze oder die Kuriere, die zwischen den Wertungsprüfungen mit Crossmaschinen die Protokolle zur Rennleitung bringen. Über jede helfende Hand freuen sich die Organisatoren. Manche Absperrposten stehen irgendwo verlassen in den Kiefernwäldern rings um Boxberg. Vom Renngeschehen bekommen die gar nichts mit, meint der Dresdner Rallyefahrer Christian Doerr und sagt schlicht: "DANKE!"

1 - 2 - 3 Gib Schotter!

Win Wagen wirbelt mächtig viel Staub auf.
Bildrechte: Rallye-Renn- und Wassersport-Club Lausitz

Auch in diesem Jahr werden zu Jubiläumsveranstaltung wieder einige der weltbesten Fahrer erwartet. Der siebenfache Deutsche Rallye-Meister Matthais Kahle will zusammen mit Christian Doerr im Skoda R5 seinen Vorjahresgewinn verteidigen.

2016 ging es auf den Schotterpisten um Zehntelsekunden, denn die Norweger Anders Gröndal und Miriam Waldfridsson klebten den Locals am Fahrzeugheck. Die Norweger wollen in diesem Jahr den Sieg. Ebenfalls an den Start rollen, wird wahrscheinlich der Finne Jari Matti Latvala, der zu den weltbesten Rallye-Fahrern gehört.

Nur Fliegen ist schöner

Die Rallye in der Lausitz genießt sowohl unter den Zuschauern, als auch unter den Fahrern einen mittlerweile legendären Ruf. In Deutschland werden die Rennen meist auf Asphalt gefahren. Die Lausitz-Rallye ist die einzige Schotterpiste. "Rallyemeister werden aber auf Schotter gemacht, deshalb sind die Skandinavier so stark", sagt Fahrer und Copilot Christian Doerr.

Nirgendwo in Europa sind die Autos so lange in der Luft, wie in der Lausitz. Bei den Sprüngen sind schon mal gut und gerne 30 Meter drin. Nur Fliegen ist schöner!

Ronald Blaha Rallyefahrer

Der Fahrer aus dem Erzgebirge freut sich schon jetzt auf die Jubiläumsrallye im November. "30 Kilometer lange Wertungsprüfungen auf Schotter, das habe das Niveau von Läufen für die Weltmeistesterschaft." Rund 400 Kilometer lang ist die Strecke in der Lausitz. In diesem Jahr ist der Schotteranteil wieder auf 85 Prozent gewachsen. Deshalb heißt es beim Start auch: 1 - 2 - 3 - Gib Schotter!

Richtig Schotter für noble Kisten

Zur 20.Lausitz-Rallye ist dem RRWC ein besonderer Clou gelungen. Die FIA hat den Lausitzern das Prädikat zum Endlauf der European Historic Sporting Rally Championship übertragen. „Wir rechnen mit 20 bis 25 Rennwagen, die zwischen 1970 und 1985 über die Pisten dieser Welt rasten“, sagt Wolfgang Ralsper. Bei der Europameisterschaft historischer Rallyewagen wird richtig Gas gegeben. "Das ist schon ungewöhnlich, denn normalerweise sieht man diese Fahrzeuge nur noch im Museum oder auf Präsentationen", erklärt Christian Doerr. "Die Kisten, die hier über den Schotter rasen, kosten richtig Schotter. Das kann schon mal eine halbe Mille sein."

Audi Quattro mit eingeschaltetem Flutlicht, auf der Strecke.
Audi Quattro mit eingeschaltetem Flutlicht, auf der Strecke. Bildrechte: Rallye-Renn- und Wassersport-Club Lausitz

Erwartet werden in Boxberg, der Audi Quattro, das weltbeste Rallyeauto mit Heckantrieb, der Lancia Rally 037, sein Nachfolger, der Lancia Delta S4 und auch der Porsche 911, der Anfang der 90ziger Jahre zur Legende im Rallyesport wurde.

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio : MDR 1 RADIO SACHSEN | 20.03.2017 | ab 06:30 Uhr
Regionalnachrichten

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2017, 09:47 Uhr

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