Lausitzforum in Weißwasser Ausstieg aus der Braunkohle. Wie übersteht das die Region?

Michael Kretschmer beim Lausitzforum in Weißwasser.
Michael Kretschmer beim Lausitzforum in Weißwasser: "Den Strukturwandel kann die Region nicht allein bewältigen." Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Was kommt nach der Braunkohle? Mit dieser Frage haben sich am Donnerstag in Weißwasser mehr als 300 Wissenschaftler, Unternehmer und Politiker befasst. Klimapolitisch wächst der Druck, bei der Stromerzeugung auf die Verbrennung von Braunkohle zu verzichten. Für die Lausitz bricht damit die letzte wirtschaftliche Bastion aus der Vorwendezeit weg. Hier müsse frühzeitig gegengesteuert werden, mahnte Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch.

Es darf keinen zweiten Strukturbruch in der Lausitz geben.

Torsten Pötzsch Oberbürgermeister von Weißwasser

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erklärte den Strukturwandel in der Lausitz zur nationalen Aufgabe. Das könne eine Region nicht allein bewältigen. Es gebe einen Fundus an Ideen. Jetzt müssten die Instrumente gefunden werden, wie diese Ideen umgesetzt werden können. Kretschmer sprach sich zudem deutlich dafür aus, den Bergbausanierer LMBV als Projektträger für den Strukturwandel einzusetzen.

Erst Alternativen, danach der Ausstieg

Besucher beim Lausitzforum in Weißwasser.
Politiker, Unternehmer und Wissenschaftler diskutierten den Kohleausstieg. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka brach eine Lanze für Bildung und Innovation als Wirtschaftsmotor. Man brauche zuerst Alternativen, bevor man über die Austrittszeitpunkte aus der Kohle nachdenkt, so Wanka. Die Bundesministerin warnte in diesem Zuge davor, sich durch Angst vor neuen Technologien die Möglichkeiten zu verbauen. Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung sind für die nächsten Jahre 1,5 Milliarden Euro für Umstrukturierungsprozesse in den Kohleregionen vorgesehen. Dieses Geld dürfe man weder mit der Gießkanne verteilen noch in punktuelle Leuchtturmprojekte stecken, sagte die Bundesforschungsministerin.

Drei Dinge braucht es

Für Helmer Rendez, Vorstandsvorsitzender der Lausitz Energie Bergbau AG, bedingen drei Faktoren den erfolgreichen Strukurwandel: Zum einen brauche es viel Zeit, zum zweiten Geld für Innovation, Forschung und Ausbildung und zum dritten die richtigen Persönlichkeiten, die den Prozess begleiten.

Industreibrache in Weißwasser
Die Telux-Werke in Weißwasser. Nach der Wende ist von dem großen Glashersteller nicht mehr viel übrig geblieben. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Die gemeinsame Tagung der Länder Brandenburg und Sachsen in den Hallen der Telux-Werke von Weißwasser, sollte dafür den richtige Anstoß geben. Es ging beim Lausitzforum zunächst einmal darum, dass die maßgeblichen Akteure miteinander ins Gespräch kommen, Initiativen entwickeln und Projekte besprechen. Das große Ziel ist, auch nach dem Ausstieg aus der Braunkohle Arbeitsplätze in der Region zu erhalten und die Lausitz nicht weiter abzuhängen. Dafür sei es wichtig vorzubauen, den Wandel aktiv zu gestalten und nicht erst im Nachhinein zu reagieren, betonte Thomas Kalinski, Chef der Staatskanzlei des Landes Brandenburg.

Enttäuscht zeigte sich die Grüne-Landtagsabgeordnete Franziska Schubert im Nachhinein vom Lausitzforum. "Der Ort für das Forum war gut gewählt – die Telux-Säle in Weißwasser bieten den perfekten Rahmen dafür, das Thema Strukturwandel offen und klar zu besprechen. Leider blieben die großen Ankündigungen greifbare Impulse schuldig."

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.03.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.03.2018 | ab 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2018, 20:51 Uhr

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3 Kommentare

09.03.2018 10:21 Fagaras 3

Der Wandel wird gelingen, wenn die gleiche Anzahl oder mehr Arbeitsplätze mit vergleichbarer Bezahlung entstehen wie die, die wegfallen durch das Aus der Energiefirmen und ihres Umfeldes. Egal welcher Branchen kommen. Sieht das jemand als realistisches Szenario? Ich nicht. Also gibt es in der Lausitz in 30 Jahren mehr Wölfe als Menschen. Gerede über Förderung von Wissenschaft oder erneuerbare Energien vernebeln nur die Situation.

09.03.2018 09:55 Peter W. 2

Es ist nicht die Schuld der erneuerbaren Energien, dass sich die Sachsen-CDU seit mindestens 10 Jahren wie ein Nichtschwimmer an das sinkende Boot Braunkohle klammert.

08.03.2018 17:46 Peter Lehmann 1

Den Zeitpunkt zum Kohleausstieg festzulegen hat die Politik seit 15 Jahren bewusst verschlafen. Der Ausstieg wird schneller gehen als gedacht auch ohne Jammerei wegen Arbeitsplätzen. Die hätten bei Erneuerbaren längst da sein können.