Frauenklinik schließt Der letzte Schrei im Kreißsaal von Bischofswerda

Seit Donnerstag ist Schluss. Die Frauenklinik in Bischofswerda nimmt keine Patientinnen mehr auf. Nach knapp 20 Jahren schließen die Oberlausitz-Kliniken Ende Dezember die Geburtenstation. Die Geschäftsführung führt dafür vor allem Personalmangel an. Aber auch betriebswirtschaftliche Gründe spielen eine Rolle.

Babyfüße schauen unter einer Decke hervor
Mehr als 7.000 Kinder wurden seit Eröffnung der Frauenklinik im März 1998 in Bischofswerda geboren. Chefarzt Ullrich Dziambor hat die Station von Anfang an geleitet. Ab 1. Januar leitet er als Chefarzt den Bereich Gynäkologie an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Bautzen. Bildrechte: Colourbox

Zwölf Jungs und sieben Mädchen sind im Dezember 2017 in der Bischofswerdaer Frauenklinik geboren worden. Donnerstagnachmittag um 14:11 Uhr kam das letzte Kind dort zur Welt. Timo wog 3.705 Gramm und ist 52 Zentimeter groß. Mutter Mandy Mager kommt aus Ohorn bei Pulsnitz. Während die Ärzte, Hebammen und Schwestern noch im Kreißsaal beschäftigt sind, sitzt Chefarzt Ulrich Dziambor in seinem Büro schon auf gepackten Kisten. Am Jahresende wird die Geburtenstation in die Frauenklinik nach Bautzen umziehen.

Heiligabend ist Schluss auf der Station

Zurzeit werden auf der Geburtenstation in Bischofswerda noch sechs Frauen betreut. "Wir werden maximal bis zum 24. Dezember früh hier arbeiten", sagt der Chefarzt. Danach entscheiden die Ärzte, ob die Patientinnen alle entlassen werden können oder verlegt werden müssen. "Anschließend nehmen alle Mitarbeiter der Frauenklinik ihren Resturlaub für 2017 und die angesammelten Überstunden und wir beginnen dann am 2. Januar gemeinsam in der Frauenklinik in Bautzen", so Ullrich Dziambor.

Im Oktober hatten die Oberlausitz-Kliniken bekanntgegeben, dass sie die Entbindungsstation im Krankenhaus Bischofswerda schließen wollen. Geschäftsführer Reiner Rogowski begründet den Schritt mit Personalmangel. "Um die Sicherheits- und Qualitätsstandards für Mutter und Kind einhalten zu können, brauchen wir ausreichend Fachärzte und  Hebammen. Und das ist das Problem. An beiden Geburtsstandorten in Bischofswerda und Bautzen herrscht akuter Facharztmangel."

Drei Fachärzte fehlen in Bischofswerda

Im Januar hätten die Oberlausitz-Kliniken die Dienste in Bischofswerda nicht mehr absichern können, so der Klinikchef. "Wir bräuchten dafür sechs Fachärzte, haben aber nur drei." Auch in Bautzen ist die Lage angespannt. Die Frauenklinik hat acht Fachärzte, elf wären aber nötig. Durch die Zusammenlegung beider Kliniken unter dem Dach des Frauen- und Kinderzentrums wird sich die Situation vorerst entspannen.

Ein Mann mit grauen Haaren und Bart sitzt an einem Schreibtisch vor einem Computer.
Klinikchef Reiner Rogowski. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Wir hatten von Anfang an seit 1998 Schwierigkeiten, die Entbindungsstation in Bischofswerda am Leben zu erhalten. Wenn die Personalsituation nicht so prekär geworden wäre, würde auch diese Klinik in Zukunft weiter existieren. Nun haben wir uns entschieden, diesen Schritt zu gehen - mit allen Konsequenzen.

Reiner Rogowski Geschäftsführer Oberlausitz-Kliniken gGmbH

Während die Ärzte komplett nach Bautzen wechseln, wird es von den Schwestern nur ein Teil sein, sagt der Chefarzt. Die anderen bleiben in Bischofswerda und werden dort auf anderen Stationen arbeiten. Entlassen wurde niemand, betont der Geschäftsführer.

Klinik kann sich Entwicklung nicht verweigern

Auch wenn Wehmut und Trauer über die bevorstehende Schließung in Bischofswerda groß sind, "gibt es gewisse Entwicklungen in der Gesundheitspolitik, denen man sich nicht verweigern kann", sagt Ullrich Dziambor. "In den vergangenen zehn Jahren hat es in unserem Fachbereich viele Veränderungen gegeben, die alle mit der Patientensicherheit zu tun haben", erklärt der Chefarzt. In Bischofswerda sei vieles zusammengekommen. Darunter niedrige Geburtenraten und ein immens hoher personeller Aufwand, den die Oberlausitz-Kliniken nicht mehr tragen könnten.

Aber auch betriebswirtschaftliche Überlegungen spielen am Rande eine Rolle. Die Frauenklinik Bischofswerda zählte in den vergangenen Jahren rund 400 Geburten jährlich, die in Bautzen um die 800. Damit machten beide Verluste. Eine Entbindungsstation würde erst mit jährlich etwa 1.800 Geburten eine schwarze Null schreiben, so der Geschäftsführer. Davon sind die Oberlausitz-Kliniken weit entfernt.

Quelle: MDR/ris

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | 21.12.2017 | ab 5:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Dezember 2017, 18:23 Uhr

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1 Kommentar

20.12.2017 19:48 Uwe 1

Ich glaube dem Mann einfach nicht... Es sind ausschließlich "betriebswirtschaftliche" Gründe, wie vornehm man doch fehlenden Profit ausdrücken kann. Zumal es nicht gerade komfortabel ist von Schibock nach Btz. zu kommen, ein Katzensprung ist es nicht gerade.... Und... der Chef ist doch gerettet in seinem sicher dicken Mercedes...