Blick auf den Eingang des Veranstaltungsortes
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neonazi-Treffen und Friedensfest Ostritz - Kleinstadt unter Beobachtung

Blick auf den Eingang des Veranstaltungsortes
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bis zum frühen Abend sind das Neonazi-Festival und die Gegenveranstaltungen in der sächsischen Kleinstadt Ostritz ohne größere Zwischenfälle verlaufen. Die Polizei war auch am zweiten Tag mit einem Großaufgebot von etwa 1.000 Beamten im Einsatz. Bei Kontrollen suchten sie vor allem nach Waffen und Vermummungsmaterial.

Zweiter Tag - Ausnahmezustand in Ostritz

Polizisten stehen neben einem Einsatzfahrzeug.
Ab dem frühen Morgen kontrollierte die Polizei Zufahrtsstraßen, Wege und Parkplätze. Rund 1.000 Polizisten sind am heutigen Sonnabend im Einsatz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Polizisten stehen neben einem Einsatzfahrzeug.
Ab dem frühen Morgen kontrollierte die Polizei Zufahrtsstraßen, Wege und Parkplätze. Rund 1.000 Polizisten sind am heutigen Sonnabend im Einsatz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ostritz /Durchsuchungen
Rechte laufen zum Eingang ihres Festival-Geländes in Ostritz an Absperrungen entlang. Keiner kommt unkontrolliert durch. Bildrechte: xcitePRESS
Ein Mann steht mir ausgebreiteten Armen auf eienr Straße. Zwei Beamte kontrollieren ihn. Im Hintergrund steht ein Polizeiwagen.
Taschenkontrollen gehören auch zu den Polizeikontrollen. Die Beamten dürfen die Identität feststellen, nach Waffen und Schutzausrüstungen suchen. Bildrechte: xcitePRESS
Neonazis laufen durch Ostritz an Polizeiwagen vorbei
Rechte Festivalteilnehmer laufen durch die Kleinstadt Ostritz. Tagsüber wurden immer wieder Gruppen gesehen auf dem Weg zum Supermarkt und Kiosken. Denn die Polizei hat am Sonnabend das Alkoholverbot auf dem gesamten Gelände der Neonazis durchgesetzt. Bildrechte: xcitePRESS
Ein Polizist trägt einen Karton
Beschlagnahmung: Polizisten tragen u.a. T-Shirts weg. Die Kleidungsstücke zeigten u.a. zwei gekreuzte Stabhandgranaten. Das Amtsgericht hatte angeordnet, alle mit diesem Symbol versehenen Gegenstände zu beschlagnahmen. Bildrechte: xcitePRESS
Ostritz /Durchsuchungen
Neonazis vor dem Hotelgelände in Ostritz. Bildrechte: xcitePRESS
Ein Polizist kniet halb auf einem auf dem Bürgersteig liegenden Mann.
Die Polizei konnte beide Seiten nicht immer komplett voneinander trennen. Bei einer Rangelei stieß ein mutmaßlich linker Demonstrant einen rechten Festivalbesucher zu Boden. Die Polizei setzte den Angreifer vorübergehend fest. Bildrechte: xcitePRESS
Ein weißer Luftballon mit einer fliegenden Taube als Symbol und der Aufschrift "Ostritzer Friedensfest"
Das Friedensfest auf dem Marktplatz hingegen war geprägt von buntem Treiben... Bildrechte: xcitePRESS
Ostritz Gegenveranstaltung
... mit Volksfest-Charakter. Viele Familien prägten die Stimmung. Bildrechte: xcitePRESS
Ostritz Gegenveranstaltung
Bunter Protest in Ostritz gegen die Neonaziveranstaltung. Bildrechte: xcitePRESS
Ostritz Gegenveranstaltung
Junge Leute, Einheimische und Familien demonstrieren in Ostritz gegen rechts... Bildrechte: xcitePRESS
Auf einer Wiese tummeln sich bei sonnigem Wetter viele Menschen.
... und unterstützen die Gegenveranstaltung "Rechts rockt nicht". Bildrechte: xcitePRESS
Ostritz Gegenveranstaltung
Kein Platz für Rechtsextremisten: Deshalb nehmen Gegendemonstranten öffentliche Plätze und Wiesen ein, um Vielfalt zu zeigen. Auch Demonstranten aus Leipzig und Dresden vom Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" waren nach Ostritz gefahren, um ihre Solidarität mit der Kleinstadt zu zeigen. Bildrechte: xcitePRESS
Sitzblockade von Gegendemonstranten in Ostritz. Die Polizei hat die Menschengruppe umringt und später aufgelöst
Platz genommen hatten am Nachmittag auch linksgerichtete Gegendemonstranten. Sie blockierten einen Weg zum Festivalgelände der Neonazis. Es kam zu Rangeleien. Die Polizei musste beide Seiten trennen. Bildrechte: xcitePRESS
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Der sächsische Innenstaatssekretär Günther Schneider sagte dem MDR, dass bis zum frühen Nachmittag etwa 750 Besucher auf das Gelände der Neonazi-Veranstaltung gekommen seien. Beim "Friedensfest" auf dem Ostritzer Markt, einem nahegelegenen Konzert "Rechts rockt nicht" und zwei Fahrraddemonstrationen haben die Veranstalter heute etwa 1.500 Menschen in Ostritz gezählt. Bis zum späten Abend wollen Initiativen, Vereine, Einheimische und Bands ein Zeichen gegen rechtsextreme Umtriebe setzen.

Die Staatsanwaltschaft hatte einen Einsatz auf dem Gelände des Neonazi-Festivals veranlasst, um das Verbot des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen durchzusetzen. Daraufhin beschlagnahmte die Polizei T-Shirts und Plakate. Auch wurde am heutigen Sonnabend das komplette Alkoholverbot auf dem Festgelände der Neonazis durchgesetzt. Augenzeugen berichteten zudem von einzelnen Rangeleien und Pöbeleien zwischen Rechten und Linken. Ein Rettungssanitäter wurde verletzt.

Überparteilich einig im Kampf gegen Rechts

PK Friedensfest
Bildrechte: MDR / Niels Bula

Vertreter von Linkspartei, CDU, SPD und Grünen bekräftigten ihre Kritik an und ihr Nein zu Neonazi-Veranstaltungen wie in Ostritz. In diesem Punkt sei man sich über Parteigrenzen hinweg einig, sagten die Politiker bei einer Pressekonferenz des Internationales Begegnungszentrums St. Marienthal. Alle unterstützten das Friedensfest in der Ostritzer Innenstadt. Bei dieser Pressekonferenz sollte auch der Görlitzer AfD-Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla dabei sein. Allerdings blieb er ohne Angaben von Gründen fern. Er hatte sich im Vorfeld skeptisch zum Friedensfest geäußert und angefragt, ob die Veranstaltung nicht um eine Woche verschoben werden könnte.

Kretschmer mahnt mehr Engagement an

Bereits am Freitagabend hatten etwa 1.000 Menschen an der Eröffnung des Friedensfestes teilgenommen, das Sachsens Ministerpräsident Kretschmer als Schirmherr eröffnet hatte. Dabei verurteilte er die Demonstration der Rechtsextremisten aufs Schärfste und mahnte mehr Engagement gegen Rechtsextremismus aus der Mitte der Gesellschaft an:

Ich bin sehr froh darüber, dass es gelungen ist, mit der Gemeinde, mit dem Landratsamt, vor allem aber auch mit der Polizei, eine Regelung zu treffen, die es denjenigen, die da jetzt ein Konzert machen, wirklich schwer machen. Und hoffentlich zu einem Erlebnis, das sie kein zweites Mal haben wollen. Wir wollen diese Leute hier nicht haben.

Ministerpräsident Michael Kretschmer

Der Veranstalter und Thüringer NPD-Chef Thorsten Heise hatte am Freitagabend die Zahl der angereisten Teilnehmer auf 300 beziffert. Ihm zufolge reisen die meisten Rechten erst am Sonnabend aus Deutschland, Österreich und osteuropäischen Ländern an.

Bildergalerie Anreise und erste Proteste in Ostritz

Friedensfest auf dem Marktplatz Ostritz
Das Friedensfest mitten auf dem Ostritzer Marktplatz will ein Zeichen gegen Rechts setzen und verhindern, dass die angereisten Neonazis einen Fackelmarsch abhalten. Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Friedensfest auf dem Marktplatz Ostritz
Das Friedensfest mitten auf dem Ostritzer Marktplatz will ein Zeichen gegen Rechts setzen und verhindern, dass die angereisten Neonazis einen Fackelmarsch abhalten. Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Friedensfest auf dem Marktplatz Ostritz
Am Rande des Friedensfestes kam er auch mit Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel ins Gespräch. Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Blick auf das Festivalgelände "Schild und Schwert"
Nach Ansicht des sächsischen Verfassungsschutzes handelt es sich bei dem Treffen in Ostritz nicht um ein geselliges Beisammensein. Im Mittelpunkt stehe "vielmehr die Propagierung rechtsextremistischer Ideologie". Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Trilexzug
Ein Zug der sächsischen Trilex wurde mit dem Schriftzug "Unhappy Birthday" besprüht. Dieser rollte am Freitag zwischen Dresden und Görlitz. Dazu ist eine Hitler-Karikatur mit einer boxenden Faust zu sehen. Bildrechte: MDR/RocciPix
Polnische Polizei
Auch aus Polen werden Neonazis erwartet. Die Anreise per Bahn erfolgt über Polen. Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Kretschmer in Ostritz
Schirmherr des Friedensfestes ist Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Friedensfest auf dem Marktplatz Ostritz
Er rief am Freitagabend auf, aus der Mitte der Gesellschaft heraus gegen Rechts zu kämpfen. Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Friedensfest auf dem Marktplatz Ostritz
Auch Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange kam am Freitag nach Ostritz. Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Friedensfest auf dem Marktplatz Ostritz
Auf der Bühne gibt es zahlreiche musikalische Beiträge. Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Blick auf das Festivalgelände "Schild und Schwert"
Gegen 18 Uhr gab es gemeinsam mit der Polizei einen Presserundgang über das Festivalgelände der Neonazis. Dort werden T-Shirts, Musik und Bücher verkauft. Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Blick auf das Festivalgelände "Schild und Schwert"
In der Einschätzung des Verfassungsschutzes heißt es weiter: "Das 'Schild & Schwert-Festival' soll in diesem Sinne die Aktions- und Gewaltbereitschaft der rechtsextremistischen Szene stärken... Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Blick auf das Festivalgelände "Schild und Schwert"
... Allein das Zusammenführen hunderter ideologisch gefestigter und langjährig aktiver Rechtsextremisten mit einem erheblichen Teilnehmerpotenzial dürfte einen spürbaren Effekt auf die Aktionsbereitschaft der rechtsextremistischen Szene insbesondere in der Region aber auch in Sachsen und bundesweit haben." Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Blick auf das Festivalgelände "Schild und Schwert"
Beim Presserundgang gaben einige Aussteller Interviews. Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Blick auf das Festivalgelände "Schild und Schwert"
Der Thüringer NPD-Landesvorsitzende Thorsten Heise hat das Festival bis Sonntagmittag unter dem Motto "Reconquista Europa - Gegenkultur schaffen" angemeldet. Neben Rechtsrockkonzerten ist auch eine Kampfsportveranstaltung geplant. Bildrechte: MDR/xcitePRESS
Neonazis Gelände
Bands mit den Namen "Amok", "Sturmgewehr" oder "True Aggression" werden zu dem Festival erwartet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Blick auf das Festivalgelände "Schild und Schwert"
Hotelbesitzer Hans-Peter Fischer (l.) und der Anmelder des Festivals, der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Thorsten Heise. Bildrechte: MDR/xcitePRESS
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Verkehrssituation rund um Ostritz

Bis Sonntagmittag müssen Autofahrer nach Einschätzung der Polizei im Umfeld von Ostritz mit Staus rechnen. Betroffen sind vor allem die Bundesstraße 99 und die Staatsstraße 129. Durchreisende zwischen Görlitz und Zittau werden gebeten, den Bereich großräumig, nach Möglichkeit über die Staatsstraße 128 und die Bundesstraße 178, zu umfahren.

Quelle: MDR/lw/kk

Über dieses Thema berichtet MDR auch im Fernsehen MDR SACHSENSPIEGEL | 21.04.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2018, 19:09 Uhr