Oderwitz
Die Oderwitzer Bürgermeisterin Adelheid Engel steht an der Stelle vor dem Spitzberg, wo vor fünf Jahren eine gewaltige Schlammlawine herunterrollte. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Erste Ergebnisse erwartet EU-Projekt soll Oderwitz gegen Unwetter wappnen

In Prag werden am Mittwoch und Donnerstag erste Ergebnisse des EU-Projekts "Rainman" vorgestellt. Es soll Kommunen künftig vor Schäden durch Starkregen schützen. Es geht darum, Regenrisikogebiete einzugrenzen, Frühwarnsysteme zu etablieren und Vorsorgemaßnahmen auf den Weg zu bringen. Als eine Pilotregion wurde Oderwitz in der Oberlausitz ausgewählt.

Oderwitz
Die Oderwitzer Bürgermeisterin Adelheid Engel steht an der Stelle vor dem Spitzberg, wo vor fünf Jahren eine gewaltige Schlammlawine herunterrollte. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Die Schlammlawine kam vom 180 Meter hohen Spitzberg, erinnert sich die Oderwitzer Bürgermeisterin Adelheid Engel. Es war bei einem Wolkenbruch im Juni 2013. Innerhalb von Sekunden wälzte sich die braune Brühe ungebremst die bestellten Felder hinunter und durch die Eisenbahnunterführung hindurch. Dann ergoss sich der Schlamm im Ort über Grundstücke, Plätze, Straßen und Wege. Im Sommer 2013 verursachten gleich zwei heftige Gewitter durch Überflutungen und unbeherrschbare Schlammlawinen einen Schaden von mehr als sieben Millionen Euro.

Unwetter 2013 in Oderwitz Millionenschäden durch die Schlammflut

Im Juni 2013 verursachten zwei Unwetter in Oderwitz unbeherrschbare Schlammlawinen.

Überflutung in Oderwitz. Ein Fluss ist über die Ufer getreten.
Die überflutete Mühlaue in Oderwitz im Juni 2013. Bildrechte: Gemeindeverwaltung Oderwitz
Überflutung in Oderwitz. Ein Fluss ist über die Ufer getreten.
Die überflutete Mühlaue in Oderwitz im Juni 2013. Bildrechte: Gemeindeverwaltung Oderwitz
Springflut aus braunen Wasser flutet durch einen Garten in Oderwitz.
Schlammfluten ergossen sich auf die Hauptstraße von Oderwitz. Bildrechte: Gemeindeverwaltung Oderwitz
Feld nach Starkregen.
Starkregen spülte den Acker vom Spitzberg herunter. Bildrechte: Gemeindeverwaltung Oderwitz
Überflutetes Gebiet in Oderwitz.
Das schmale Landwasser wurde plötzlich zum breiten Strom. Bildrechte: Gemeindeverwaltung Oderwitz
Schlamm und Unrat auf einer Straße nach Überflutung in Oderwitz.
Schlamm und Unrat blieben nach der Überflutung auf der Straße am Landwasser zurück. Bildrechte: Gemeindeverwaltung Oderwitz
Oderwitz
Vorgebeugt: Sandsäcke und Scharniere für Schutzschieber sieht man heute an manchen Häusern. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt
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Schäden durch Starkregen reduzieren

Starkregenereignisse wie in Oderwitz bringen Rettungskräfte regelmäßig an ihre Grenzen - auch wenn es um die Sicherheit der Anwohner geht. In der Vergangenheit haben Überschwemmungen durch heftigen Gewitter in Mitteleuropa sogar zu Todesfällen geführt. Ein EU-Projekt mit dem Namen "Rainman" will nun Konzepte entwickeln, wie sich Kommunen in Zukunft vor Unwettern besser wappnen können. Denn Starkregenereignisse treten immer häufiger auf.

Oderwitz
Nach der Flut musste in Oderwitz die Stützmauer am Landwasser erneuert werden. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Die Fachleute arbeiten an mehreren Zielen: Zum einen sollen auf einer Karte die gefährdeten Gebiete eingetragen werden, in denen das Risiko von Starkregen besonders hoch ist. Des Weiteren gilt es, Warn- und Notfallsysteme passender zu gestalten. Nicht zuletzt sollen Strategien und Maßnahmen erarbeitet werden, um Schäden durch Starkregen zu reduzieren.

Gräben wurden zugeschüttet

Die Bürgermeisterin von Oderwitz schiebt die Schäden durch Starkregenfälle nicht unbedingt auf den Klimawandel. Zwar war Oderwitz auch in den Jahren 2010 und 2012 von Hochwassern betroffen. Adelheid Engel weiß aber auch von Hochwassern, die sich vor vielen Jahrzehnten ereigneten.

Oderwitz
Bürgermeisterin Adelheid Engel Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Problematisch sei, dass seither im Ort etliche Senken und Gräben zugeschüttet wurden, die vorher das Wasser aufgefangen hatten. Man bräuchte mehrere kleine Rückhaltebecken im Ort, so Engel. Die Bürgermeisterin erhofft sich nun von "Rainman" Lösungsvorschläge, wie sich das Wasser bei Starkregen in Oderwitz besser bändigen lässt. Erkenntnisse, die dann nicht nur für Oderwitz gelten, sondern für die ganze Region hilfreich sind.

Auch Görlitz und Meißen sind dabei

Im Juli 2017 fiel der Startschuss für das Projekt, an dem zehn Partner aus sechs Ländern beteiligt sind. Die Laufzeit beträgt drei Jahre. Die Kosten von drei Millionen Euro werden zum größten Teil aus dem Europäischem Fonds für regionale Entwicklung finanziert. Die Pilotregionen, in denen jetzt erste Untersuchungen laufen, liegen in Deutschland, Polen, Tschechien, Österreich, Kroatien und Ungarn. In Sachsen sind Oderwitz, Görlitz und Meißen mit dabei. Am Mittwoch und Donnerstag treffen sich die Projektpartner in Prag, um erste Ergebnisse vorzustellen und über weitere Vorhaben zu sprechen.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 20.02.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.02.2018 | Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen | ab 5:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2018, 10:52 Uhr

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4 Kommentare

23.02.2018 02:28 DER Beobachter zu Nasowas 1 4

"Schreibtischermittlungen" zu Problemen und deren Lösg. sind, wenn ernsthaft verfolgt, gewiß nicht billig. Woraus Sie schließen, dass "bestimmt" eine Million drauf geht , weiß allerdings der Geier. Und natürl. beteiligt sich D, vor allem der Westen, an auflaufenden Kosten als größter Einzahler in den RENFE-Fond, der Projekt aus gutem Grund unterstützt. Nach unseligem von PegidAfD-Verstehern gefeierten Brexit wird D in den EU-Fonds sogar noch mehr für europaferne Neu-EU-Osteuropäer und Sachsen zu bluten haben. Nebenbei denke ich schon, dass Oderwitzer Problem durchaus was mit dem verleugneten Klimawandel zu tun hat. Sicher gabs schon immer Extremwettererscheing., nur nehmen sie gerade in den letzten Jahren/Jahrzehnten gerade u.a. in Oberlausitz zu: Trockenh./höhere Waldbrandwarnstufen in OL schon im Frühling/Frühsommer und dann diese unkompatiblen Starkregen mit Schlammlawinen, die nicht mehr aufgenommen werden können. Natürl. Äquivalent regelmäßiger Niederschläge fehlt zunehmend.

21.02.2018 23:44 Leser 3

Gutes Projekt!

Ursachensuche für die Überschwemmungen und Vorsorgemaßnahmen (z.B. geeignete Überflutungsflächen, ausreichend starke Bepflanzungen gegen Erdrutsche, breite Wassergräben...) wären nötig, um die Menschen vor extremen Wetterverhältnissen zu schützen.

Menschen, die ihr Haus von Schlamm befreien mussten und denen die Wohnungseinrichtung zerstört wurde, waren vor einigen Jahren auf schnelle Hilfe angewiesen (Urlaub, Geld, Unterkunft....).

Mir ist aufgefallen, dass die starken Unwetter, hier in der Umgebung, immer enorm plötzlich, ohne längere Ankündigung durch Wind/kalte Luft, aufgetreten sind. So schnelle Wetteränderungen kennt man eigentlich nur von Küstengebieten. (??)

Eine Vorhersage von starken Unwettern wäre, verbunden mit geeigneten Maßnahmen zur Schadensbegrenzung, sinnvoll. Wenn hier gezielte Voraussagen möglich wären, könnte man den Schaden sicherlich verringern und gleichzeitig die Menschen vorab warnen.

Auch bei Stürmen wäre dies von Vorteil.

21.02.2018 11:26 Wolfgang Nawalny 2

Warum gab es in jedem Dorf, an Wegen, Ortsrändern, an Hangkanten und eben dort wo es sich über Jahrhunderte als Notwendigkeit erwieß - GRÄBEN - !

Die wurden jedes Jahr ausgestochen und von Bewuchs befreit. Doch irgendwann kam der überschlaue "Neuzeitmensch" und die Gräben wurden zugeschüttet.

Jetzt brauchen wir ein "Forschungsprojekt" und erfinden das Rad neu ...

20.02.2018 22:06 Na so was 1

"Sommer 2013 Hochwasserschäden in Oderwitz im Umfang von sieben Millionen Euro." Jetzt Startschuß für ein Objekt, dass solche Hochwasserschäden nicht mehr auftauchen >> Laufzeit drei Jahre > Kosten ca. drei Millionen Euro > ABER: zehn Partner aus sechs Ländern !!! machen dort mit und wollen ihren Vorteil daraus ziehen. Das Irgendetwas vorbeugend gemacht wird, ist ja ok. Aber wenn man das Verhältnis: Schaden für eine Ortschaft > sieben Millionen gegen zehn Ortschaften für drei Millionen Euro aus dem europäischen Fond für vorbeugende Maßnahmen vergleicht, da komme ich ins Grübeln. Eine Million Euro wir doch bestimmt schon für "Schreibtischarbeiten" verbraucht, bleiben noch zwei Millionen Euro für die Praxis. Und wieso beteiligt sich Deutschland nicht an diesen Kosten ? Geld ist in Deutschland genug da.