Erweiterungspläne in Leppersdorf Mehr Jobs - aber auch mehr Verkehr

Der Theo-Müller-Konzern überlegt, den Standort in Leppersdorf auszubauen. Mehrere Hundert Arbeitsplätze könnten entstehen. Während die Politiker begeistert sind, sehen manche Anwohner das Vorhaben kritisch.

Auch an einem Sonntag sind in Leppersdorf eindeutig mehr Autos und Lkw als Menschen unterwegs. Kaum eine Minute, an der mal nicht ein Pkw vorbeifährt oder ein Milchlaster in die Werkseinfahrt zu Sachsenmilch einbiegt. Im Vergleich zu den Wochentagen ist das aber nicht viel. An einem normalen Arbeitstag würden um die 10.000 Fahrzeuge durch den kleinen Ort rollen, meint Ortsvortsteher Volker Lehmann. Neben den Lkw seien dies vor allem die 2.000 Mitarbeiter von Sachsenmilch, die zur Arbeit fahren. Dazu kommt der Durchgangsverkehr von und zur Autobahn.

Mehr Leute - Mehr Verkehr

Ulrike Böhme und ihre Familie bekommt dies alles hautnah mit. Sie wohnt nur rund 100 Meter von der Werkseinfahrt entfernt. Wenn Müller-Milch tatsächlich auf dem Firmengelände noch eine Fabrik für Fertigsalate und Saucen baut, dann bekommt auch sie das zu spüren. Es kämen noch mehr Autos an ihrem Haus vorbei. Denn mehrere hundert neue Arbeitsplätze bedeuten auch hunderte neue Autos. Schon jetzt sei besonders zum Schichtwechsel die Straße so verstopft, dass sie kaum aus ihrer Einfahrt herausfahren könnte. "Das geht gar nicht." Auch nachts könne man kaum die Fenster aufmachen.

Das weiß auch Ortsvorsteher Lehmann. Klar würde die neue Fabrik auch neue Arbeitsplätze schaffen, sagt er. Das sei gut. Aber die Wohnqualität der Leute vor Ort dürfe sich deswegen nicht weiter verschlechtern. Wenn die Pläne wirklich umgesetzt würden, müßte auch für die Werksmitarbeiter eine neue Zufahrtsstraße gebaut werden. Eine, die weiter weg vom Ort entlangführt.

Neue LKW-Zufahrt in Planung

Sachsenmilch Leppersdorf
Wochentags rollen die Milchlaster im Minutentakt nur 100 Meter von den Wohnhäusern entfernt ins Werk. Eine neue Zufahrt soll das ändern. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Zumindest für die Milchlaster ist eine andere Zufahrt schon in Planung. Sie sollen einmal über die jetzige Autobahnabfahrt direkt zum Werksgelände geführt werden. Allerdings wird das noch ein paar Jahre dauern, denn zuvor muss erst die neue S177 fertiggebaut werden. Wenn sie fertig ist, soll die jetzige Autobahnabfahrt Pulsnitz etwa einen Kilometer Richtung Dresden verlegt werden. Dann erst kann die alte Abfahrt als Werkszubringer genutzt werden. Doch die neue S 177 von Radeberg bis zur Autobahn wird wohl nicht vor 2020 fertig sein. Der erste Spatenstich für die knapp sieben Kilometer lange Strecke soll im Sommer erfolgen.

Neben der Verkehrsbelastung wurmt Ortsvorsteher Lehmann aber auch noch etwas anderes: Die Gemeinde Wachau, zu der Leppersdorf gehört, hat auch finanziell nicht so viel von einem noch größeren Müller-Milch-Werk, wie man vermuten könnte. Denn die vielen Millionen Euro an Gewerbesteuern, die das Unternehmen zahlt, bleiben nur zu einem Teil im Ort. Wachau muss an den Freistaat eine sogenannte "Reichensteuer" zahlen, die er dann an ärmere Gemeinden verteilt. Bis Ende vergangenen Jahres waren das noch 50 Prozent des Geldes, das über dem festgelegten Eigenbedarf der Kommune liegt. So musste Wachau zum Beispiel 2015 rund vier Millionen Euro an den Freistaat abgeben. Seit 2017 aber wurde die Abgabe immerhin auf 40 Prozent gesenkt. So kann unter anderem ein Dorfgemeinschaftshaus in Leppersdorf gebaut werden. Weniger Verkehr bringt das aber nicht.

Standortausbau noch nicht entschieden

Ob die Unternehmensgruppe Theo Müller tatsächlich die Produktion der Feinkostsparte Hohmann nach Leppersdorf verlegt, steht noch nicht fest. Bis 2020 werde sich erst einmal nichts ändern, so das Unternehmen. Trotzdem stellt der Konzern schon mal die Weichen für eine Erweiterung. Er hat eine Änderung des Bebauungsplanes für das Gewerbegebiet beantragt. So soll unter anderem ein Bach verlegt werden, um Platz für eine zusammenhängende Bebauung zu schaffen. Perspektivisch ist die Erweiterung der Kläranlage vorgesehen und es soll ein Rückhaltebecken für Regenwasser entstehen. Die Bebauungsdichte möchte das Werk ebenfalls erhöhen. Ursprünglich wollte das Unternehmen auch höhere Gebäude bauen. Momentan liegt die Grenze bei 35 Metern Höhe, Sachsenmilch wollte 40 Meter. Das aber hat der Ortschaftsrat von Leppersdorf abgelehnt.

Über dieses Thema berichtet MDR Sachsen auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 21.04.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2017, 16:27 Uhr

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