Assistenzärztin Maureen Pirschel  vor dem Bildschirm der Telemedizineinheit im Behandlungsraum
Bildrechte: MDR/Jenny Hauswald

Ferndiagnosen durch Spezialisten Schnelle Hilfe bei Schlaganfall für Oberlausitzer

Das Netzwerk "Schlaganfallversorgung Ost-Sachsen" soll künftig auch auf dem flachen Land eine bessere Versorgung bei einem Schlaganfall ermöglichen. Neurologen des Dresdener Uniklinikums helfen per Videokonferenz ihren Kollegen in der Oberlausitz. Mithilfe superschneller Datenleitungen können nicht nur Untersuchungsergebnisse blitzschnell ausgetauscht werden, sondern die Dresdner Spezialisten können die Patienten selbst, beispielsweise in Kamenz, in Augenschein nehmen.

Assistenzärztin Maureen Pirschel  vor dem Bildschirm der Telemedizineinheit im Behandlungsraum
Bildrechte: MDR/Jenny Hauswald

Wenn ein Patient mit Lähmungserscheinungen im Gesicht oder Sprechstörungen mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus Kamenz gebracht wird, ist schnelles Handeln erforderlich. Routiniert flitzen die Ärzte und Schwestern. Nach dem Schädel-CT ist die Diagnose klar: Schlaganfall.

SOS-NET bietet Vorteile

Eine Telemedizineinheit im Behandlungsraum im Kamenzer Krankenhaus
Eine Telemedizineinheit im Behandlungsraum im Kamenzer Krankenhaus Bildrechte: MDR/Jenny Hauswald

Nun zählt jede Sekunde, denn wenn das Hirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird, drohen dauerhafte Schäden. Neben einer raschen Diagnostik ist auch eine Therapie erforderlich, die möglichst zeitig begonnen werden soll. Dazu ist ein Team aus Internisten, Neurologen, Gefäßspezialisten und Radiologen notwendig. Manchmal müssen auch Neuro-Chirurgen hinzugezogen werden.

Deshalb haben sich in der Oberlausitz zahlreiche Krankenhäuser und Kliniken zum SOS-NET zusammengeschlossen.

Das Kürzel steht für Schlaganfallversorgung in Ost-Sachsen Netzwerk. Das Dresdner Universitäts-Schlaganfall-Centrum übernimmt die Führung. Deren Experten und Spezialisten bieten den Ärzten beispielsweise in Bischofswerda, Ebersbach, Niesky oder Weißwasser eine telemedizinische Beratung an. Die Neurologen aus Dresden nutzen bei ihren Diagnosen nicht nur die Bilder, beispielsweise von Röntgenverfahren, sondern treten mit den Ärzten vor Ort und den Patienten direkt über Videokonferenzen in Verbindung. Somit sind schnelle Entscheidungen zugunsten des Patienten möglich.

Schlaganfall: Bei einem Schlaganfall, auch als Hirnschlag oder Hirninfarkt bezeichnet, wird ein Teil des Gehirns plötzlich nicht mehr mit Blut versorgt. Damit ist die Versorgung mit Sauerstoff nicht mehr gewährleistet. Hirn- und Nervenzellen beginnen bereits nach wenigen Minuten abzusterben.

Auch in Kamenz hilft das SOS-Net dem Patienten. Die Aufnahmen von seinem Schädel, die der Computertomograph kurz zuvor erstellt hat, sind per Internet schon in die Dresdner Uniklinik geschickt worden. Ein Radiologe hat sie bereits ausgewertet und zu einer Neurologin weitergeleitet.

Die Fachärztin erscheint wenig später auf dem Bildschirm der Telemedizineinheit im Behandlungsraum des Kamenzer Krankenhauses, um dem Patienten Anweisungen zu erteilen. Über eine Kamera beobachtet die Spezialistin deren Ausführung auf ihrem Bildschirm. Für Assistenzärztin Maureen Pirschel ist das eine enorme Hilfe.

Assistenzärztin Maureen Pirschel
Assistenzärztin Maureen Pirschel Bildrechte: MDR/Jenny Hauswald

In einem kleinen Krankenhaus muss man in Notfällen oft allein entscheiden. Nun können uns die Experten in Dresden helfen. Sie nehmen uns sogar Patienten ab, falls wir Notfälle verlegen müssen.

Maureen Pirschel Assistenzärztin

Viele Krankenhäuser in der Provinz haben keine neurologische Fachabteilung. Den Patienten deshalb in die nächste Klinik mit den entsprechenden Fachärzten zu bringen, kostet wertvolle Zeit. Die Spezialisten stehen Tag und Nacht bereit. Sie besprechen nun mit den Ärzten vor Ort die weitere Vorgehensweise. Muss die Diagnose, beispielsweise mit Kontrastmitteln fortgesetzt werden, wie wird der Patient weiter behandelt. Die Zusammenarbeit funktioniert mittlerweile hervorragend, schwärmt die Assistenzärztin.

Bei einer Hirnblutung muss der Patient in Dresden operiert werden, das ist in Kamenz nicht möglich. Die Auflösung ein Blutgerinnsels ist auch in Kamenz möglich.

Maureen Pirschel Assistenzärztin

Assistenzärztin Maureen Pirschel mit Schlaganfallpatienten im Behandlungsraum
Die Ärztin überprüft zusammen mit ihrer Kollegin in Dresden die Vitalfunktionen des Patienten. Bildrechte: MDR/Jenny Hauswald

Das SOS-NET hilft aber nicht nur bei der schnellen Diagnose und Behandlung. Auch bei der Nachsorge und der Reha will das Netzwerk künftig mit Expertenwissen helfen.

Grafik erklärt FAST-Methode zum Erkennen von Schlaganfällen. F steht für "Face", man soll sich das Gesicht ansehen, ob es einseitig gelähmt ist. "A" steht für "Arme", man soll den Betroffenen beide Arme heben lassen. ""S" steht für Sprache": Man soll hören, ob der Betroffenen verwaschen spricht. "T" steht für "Time": Man soll keine Zeit verlieren und den Notruf 112 wählen.
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Mögliche Anzeichen für einem Schlaganfall: - plötzliche Muskelschwäche oder Lähmungserscheinungen im Gesicht oder am Körper

- Sprachstörungen, Schwierigkeiten bei der Verständigung

- Sehbeschwerden oder Sehstörungen

- Taubheitsgefühle an Gliedmaßen

- Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit

- unvermittelt auftretende starke Kopfschmerzen

Quelle: MDR/uw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.06.2018 | ab 15:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2018, 20:02 Uhr

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