23.01.2020 | 20:21 Uhr | Update Sachsen baut Wildschweinbarriere an der Grenze zu Polen

Die Schweinepest rückt immer näher an Deutschland ran. In Polen wurde am Mittwoch zwölf Kilometer von der Grenze entfernt ein neuer Fall der Tierseuche bei einem toten Wildschwein gemeldet. Der Fundort liegt östlich von Bad Muskau. Deutschland und Polen hatten schon zuvor die Vorsorge verstärkt. Sachsen regiert jetzt mit einer Grenz-Barriere.

An einem mobilen blauen Elektronetzzaun hängt ein Schild mit der Aufschrift "Wildschweinbarriere" in deutscher, polnischer und englischer Sprache
Bildrechte: MDR/André Schulze

Was bedeutet das Näherrücken der Seuche für Sachsen?

Zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest errichtet Sachsen an der gesamten Grenze zu Polen eine Barriere für Wildschweine. Die vom Kabinett getroffene Entscheidung soll so schnell wie möglich umgesetzt werden, teilte die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping am Donnerstag in Bad Muskau mit. Im Norden beginnend wird der 128 Kilometer lange Grenzverlauf mit einem Elektrozaun und Abwehrnetzen gesichert. Die Kosten belaufen sich auf rund 250.000 Euro. "Wir wollen keine Möglichkeit ungenutzt lassen, das Risiko zu verringern", sagte Köpping.

Elektrozaun an der Grenze zu Polen als Schutz vor der Schweinepest
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Was hat Sachsen bisher zum Schutz gegen die Afrikanische Schweinepest unternommen?

Sachsen hat Anfang Januar in einem 4,5 Kilometer Grenzabschnitt zu Polen einen Elektronetzzaun errichten lassen. Er zieht sich entlang des Uferwegs an der Neiße und soll die Wanderung von Wildschweinen aus dem Nachbarland nach Sachsen erschweren. Der Zaun steht nicht nur unter Strom, er ist auch mit einer übelriechenden Substanz getränkt, um Wildschweine abzuschrecken. Er schließt die Lücke zwischen dem durchgehenden Elektronetzzaun entlang der brandenburgisch-polnischen Grenze und der festen Umzäunung des Fürst-Pückler-Parks Bad Muskau. Brandenburg hat wegen der grenznahen Fälle schon einen 120 Kilometer langen Schutzzaun errichtet.

Elektrozaun an der Grenze zu Polen als Schutz vor der Schweinepest
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Was ist geplant, wenn die Schweinepest Sachsen erreicht?

Der Freistaat will dann vorsorglich der Wildschweinbestand in Sachsen reduzieren und damit auch das Übertragungsrisiko. Der Staatsbetrieb Sachsenforst hat dafür als Ergänzung zur klassischen Jagd sogenannte Lebendfallen getestet. Mit ihnen können gleich mehrere Wildschweine auf einmal gefangen und anschließend von Jägern getötet werden.

Das Bundesagrarministerium hat zudem weitere Schritte angekündigt. So sollen im Fall eines Ausbruchs in Deutschland in einem größeren Radius Zäune und andere Barrieren aufgestellt werden können, die Wildschweine aufhalten sollen. Dafür wird derzeit eine entsprechende Verordnung erweitert, die noch der Bundesrat beschließen muss. Außerdem ist auch auf polnischer Seite die Einrichtung eines eingezäunten Korridors an der Grenze im Gespräch. Es wird geprüft, wie das Technische Hilfswerk beim Bau von Schutzzäunen auf polnischer Seite behilflich sein könne.

Ist die Schweinepest für Menschen gefährlich?

Für Menschen ist die Afrikanische Schweinepest ungefährlich. Sie kann jedoch Wild- und Hausschweine befallen. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit wird es in den afrikanischen Ursprungsländern von Lederzecken übertragen. In Mitteleuropa spielen die keine Rolle, hier kann eine Übertragung durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren - etwa wandernde Wildschweine - erfolgen - über Sekrete, Blut oder Sperma. Für die Tiere ist die Seuche fast immer tödlich.

Elektrozaun an der Grenze zu Polen als Schutz vor der Schweinepest
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Was können Verbraucher tun, damit sich das Virus nicht weiter verbreitet?

Das Schweinepest-Virus kann auch durch verseuchte Gegenstände, beispielsweise schlecht gereinigte Transportfahrzeuge oder kontaminierte Ausrüstungsgegenstände verbreitet werden. Auch ein Wurstbrot könnte nach einer früheren Aussage der Leiterin des Nationalen Referenzlabors für Afrikanische Schweinepest, Sandra Blome, ausreichen, um die Seuche einzuschleppen. Die Behörden in der Oberlausitz warnen deshalb davor, Fleisch- und Wurstwaren aus Polen einzuführen und dann die Reste der Mahlzeit hier zu entsorgen. Füchse und Waschbären bedienen sich an den Resten und tragen sie breit. Dadurch könnten sich die Wildschweine infizieren.

Was bedeutet der erste Nachweis der Schweinepest für die Landwirtschaft?

Der erste Nachweis bei einem Wild- oder Hausschwein in Deutschland würde wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen. Die Bundesrepublik würde den Status als "seuchenfrei" verlieren, es drohen Exportstopps für Schweinefleisch etwa nach Asien. Zudem müssen auf betroffenen Höfen alle Tiere getötet werden. In Sperrbezirken dürfen Schweinebauern ihre Tiere nicht verkaufen und bekämen dafür auch keine Entschädigung von der Tierseuchenkasse.

Im Landkreis Görlitz gibt es viele Schweineställe - in Kunnersdorf und Kodersdorf bei Görlitz sowie in Eiserode bei Löbau und in Bertelsdorf und Kies- und Oberseifersdorf. Die Höfe in diesen Orten könnten zuerst von der Schweinepest betroffen sein. Zumal die Wildschweine im Süden zwischen Hirschfelde und Zittau gerne über die Neiße wechseln und sich in den Tagebau Turow zurückziehen, weil sie dort nicht gejagt werden.

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 23.01.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2020, 20:21 Uhr

10 Kommentare

Rotti vor 10 Wochen

Es ist schon interessant, was eine Frau Köpping so alles kann. Glücklose Landrätin in Leipzig, Türöffnerin für Investoren (Einkaufscenter Großpösna), Integrationsministerin und nun auch noch Gesundheitsministerin. Und baut jetzt einen Zaun gegen Wildschweine. Was natürlich blanker Aktionismus ist. Wahrscheinlich wird sie bei der Vogelgrippe Flugverbotszonen für Wildvögel einrichten und Schilder aufstellen. Kleiner Tipp von mir: In der Nähe der Rastplätze Windkraftanlagen bauen. 🤔😉

Stefan Der vor 10 Wochen

Leider ist dieser Zaun, genau wie der Dänische, total sinnlos im aufhalten der Schweinepest. Der Mensch ist die Spezie, welche den Virus am meisten verbreitet. Deswegen wird er auch früher oder später in Dänemark auftauchen und die Schweinemassenqualhaltung in diesem Land infizieren.

Ein Problem stellt dieser Zaun für alle anderen Tiere dar. Sie können nicht mehr ungestört umherstreifen und Nahrung und Partner suchen. Das werden hier einige nicht verstehen, aber Tiere kennen keine Grenzen.

NormalNull vor 10 Wochen

Habe mir eben noch einmal den Artikel des MDR über den dänischen "umstrittenen Wildschweinzaun" aufgerufen. Sehr gut, dass man auch die damaligen Kommentare sehen kann: Werter mattotaupa: Woher ihr Sinneswandel? Vor einem Monat schrieben Sie noch zum dänischen Zaun: "...2. ist der ganze zaun rausgeschmissenes geld und dem dänischen angstbürger zuzurechnen....nun haben die was von ner schlimmen krankheit gehört und bauen nen zaun aus nem baumarkt,..."...und nun ist Ihnen "elektrodraht und flatterband" unzureichend. Gut zu wissen, wie ernst man Sie nehmen darf. Danke

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