Turbinenrotor für Marokko
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Betriebsversammlung im Görlitzer Turbinenbau Zwischen Hoffen und Bangen bei Siemens

In Görlitz will Siemens das Turbinenwerk in den nächsten Jahren schließen. Am Donnerstag erkärte Willi Meixner als Chef der Karftwerkssparte in Görlitz die Sparpläne des Elektrokonzerns. Meixner präsentierte knallharte Fakten mit vielen Zahlen. Doch gerade diese betriebswirtschaftlichen Zahlen, sowie die Flexibilität der Görlitzer Mitarbeiter schüren einen Funken Hoffnung.

Turbinenrotor für Marokko
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Am Morgen musste der Chef der Kraftwerkssparte Willi Meixner in Görlitz einen - für ihn - unangenehmen Gang absolvieren. Viele Mitarbeiter hatten sich an seinem Weg zur Betriebsversammlung aufgereiht. Sie hielten dem Siemensmanager schweigend Bilder von ihren Kindern, ihren Familien entgegen. Mit hochgeschlagenem Kragen, wortlos und mit schnellen Schritten durchschritt der Siemensmanager das Spalier seiner Mitarbeiter.

Rund 950 Mitarbeiter sind im Görlitzer Turbinenbau beschäftigt, darunter auch Konstanze Bennes. Die zweifache Mutter und Ingenieurin hatte sich zusammen mit ihrem Mann vor acht Jahren entschieden, wieder das in heimatliche Görlitz zurückzukommen. Sie fand einen Job bei Siemens, er - ebenfalls Ingenieur - bei Bombardier. Nun bangen beide um ihre Zukunft, denn auch Bombardier plant einen massiven Stellenabbau.

Hoffen und Bangen bei Siemens
Konstanze und Michael Bennes. Bildrechte: MDR/Uwe Walte

Wir spielen verschiedene Szenarien zu Hause durch, da ist alles mit dabei. Wegziehen, pendeln. Aber so richtig wollen wir noch nicht darüber nachdenken, denn wir haben noch Hoffnung, dass sich alles zum Guten wendet.

Konstanze Bennes

Der Chef der Kraftswerkssparte von Siemens Willi Meixner wollte mit seinen Görlitzer Mitarbeitern ins Gespräch kommen, in einen Dialog treten. Offenbar hat dieser Dialog bei Betriebsversammlung stattgefunden. Seine Zahlen über den Turbinenbau in Görlitz können nämlich ganz unterschiedlich interpretiert werden. Dieser Ansicht sind viele Mitarbeiter.

Rendite wird nicht erreicht

Das Werk ist nach einer Auftragsflaute gut ausgelastet und von der Krise in der Kraftwerksbranche derzeit nicht betroffen. Das Betriebsergebnis der Görlitzer soll deutlich über der schwarzen Null liegen, aber die Konzernrendite von acht Prozent wird man in Görlitz derzeit nicht erreichen. Offiziell will Siemens Zahlen oder Kennziffern weder bestätigten noch kommentieren. Siemens hat im letzten Geschäftsjahr einen Gewinn von rund 6,2 Milliarden Euro eingefahren. Das wurde bei der Bilanzpressekonferenz vor etwa drei Wochen bekannt gegeben.

Streiks sind nicht ausgeschlossen

Die IG Metall jedenfalls gibt sich kampfbereit und will den Standort in Görlitz auf jeden Fall erhalten. Sie ist im Aufsichtsrat vertreten und dort muss das Sparkonzept von den Vertretern der Arbeitnehmerseite, also auch von IG Metall abgesegnet werden. Die ersten Gespräche dazu sollen Anfang nächsten Jahres beginnen. Die Gewerkschaft bereitet sich auf einen harten Arbeitskampf vor und schließt flächendeckende Streiks bei Siemens nicht mehr aus.

Jan Otto IG Metall Ostsachsen
Jan Otto - IG Metall Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Wenn Siemens seine Prositionen nicht verändert, hat der Vorstand der IG Metall beschlossen, den Elektrokonzern zu bestreiken, um Werksschließungen zu verhindern.

Jan Otto IG Metall Ostsachsen

Görlitz hat sich bei seiner Fertigung auf Industriedampfturbinen spezialisiert, die speziell nach Kundenwünschen gefertigt werden. Ähnliche Turbinen bietet ein osteuropäisches Werk von Siemens an. Deshalb argwöhnen viele Görlitzer, dass der Konzern den Turbinenbau in den Osten verlagern möchte. Von Siemens gibt es dazu keine Stellungnahme.

Auf der Internetseite des Konzerns heißt es zum Standort Görlitz nach wie vor: "In Görlitz hat das weltweite Dampfturbinengeschäft von Siemens seinen Hauptsitz. An diesem Standort mit seiner mehr als 100-jährigen Tradition im Dampfturbinenbau entwickelt, projektiert und fertigt Siemens Industriedampfturbinen bis 250 MW, beispielsweise für Kraftwerke mit kombinierter Energieerzeugung und Wärmeauskopplung (KWK). Die Maschinen werden in alle Welt exportiert und werden in den unterschiedlichsten Bereichen angewendet. (...)"

Funken Hoffnung für Görlitz

Offenbar hat der Besuch von Willi Meixner als Chef der Kraftwerkssparte Hoffnungen in der Belegschaft geweckt. Einige Siemensarbeiter blickten nach ihrer Schicht deutlich optimistischer in die Zukunft. Meixner selbst war zu keiner Stellungsnahme bereit. Er eilte zu seiner Nobelkarosse um seinen nächsten Termin in Offenbach zu erreichen.

mdr/uw

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.11.2017 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2017, 20:24 Uhr