Einigung erzielt Siemens bleibt in Görlitz und will Werk in Leipzig verkaufen

Das Siemens-Werk in Görlitz soll erhalten bleiben und zu einer weltweiten Zentrale für das Industrie- und Dampfturbinengeschäft ausgebaut werden. Darauf haben sich die IG Metall, der Betriebsrat und Siemens nach monatelangen Verhandlungen geeinigt. Laut Janina Kugel vom Siemens-Vorstand soll der Standort Görlitz eine Leitwerkfunktion in der Branche übernehmen. Außerdem bleiben die Fertigung und der Ingenieurbereich bestehen. Trotzdem soll es noch strukturelle Veränderungen geben. Wie viele Stellen in Görlitz wegfallen könnten oder umstrukturiert werden, konnte Siemens zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Man müsse erst die Sozialplanverhandlungen abwarten, so Janina Kugel.

Käufer für Leipziger Werk gesucht

Für das Siemenswerk in Leipzig prüft  Siemens nun einen Verkauf. Im vergangenen November war noch von Schließung die Rede, das ist nun offenbar vom Tisch. Man suche einen Käufer, der den kompletten Standort mit den Mitarbeitern und den Produkten übernehme, so Janina Kugel. Dabei sei man auf einem guten Weg.

Janina Kugel, Vorstandsmitglied der Siemens AG und Arbeitsdirektorin
Janina Kugel Bildrechte: Siemens AG

Es ist für uns nur ein gangbares Szenario, wenn wir tatsächlich einen nachhaltigen Käufer finden, der die Arbeitsplätze und Beschäftigung auch absichert.

Janina Kugel Vorstandsmitglied der Siemens AG

Eckpunktepapier für die Zukunft

Die Zukunftspläne sind in einem Eckpunktepapier zusammengefasst - nicht nur für die Siemens-Werke in Görlitz und Leipzig, sondern für alle deutschen Standorte. Für Jan Otto von der IG Metall Ostsachsen ist das Ergebnis ein voller Erfolg. Denn zum einen sei die Standortschließung in Görlitz vom Tisch und es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Außerdem behalte das Werk die Kernkompetenz bei den Industriedampfturbinen.

Es gibt die klare Botschaft, dass gemeinsam mit der Belegschaft und Siemens nach Erweiterungsmöglichkeiten für den Standort und weiteren Technologien gesucht wird.

Jan Otto IG Metall Ostsachsen

Im Eckpunktepapier ist darüber hinaus festgeschrieben, dass Siemens früher gemeinsam mit den Betriebsräten und der IG Metall auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren will. Für Jan Otto ist das auch eine neue Qualität in der Zusammenarbeit mit dem Unternehmen. Siemens habe offenbar verstanden, dass man als einer der größten deutschen Arbeitgeber auch Verantwortung in den Regionen trage, so Otto.

Zukunftsfonds für Mitarbeiterqualifizierung

Weiteres Ergebnis der Verhandlungen ist außerdem ein Zukunftsfonds mit 100 Millionen Euro, den Siemens aufgelegt hat. Das Geld steht für die Qualifizierung der Mitarbeiter bereit. Denn der Strukturwandel und neue Technologien erforderten auch neue Fähigkeiten bei den Beschäftigten, so Janina Kugel vom Siemens-Vorstand. Daran wolle man gemeinsam arbeiten.

Das ist für uns ein Meilenstein in der Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmern, dass wir sagen können: Wir müssen einen Weg vorwärts finden, auch wenn es nicht nur immer positive Signale und Wachstum geben wird.

Janina Kugel Vorstandsmitglied der Siemens AG

In den nächsten Wochen beginnen die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan. Man werde dabei um jeden Job im Görlitzer Siemens-Werk kämpfen, kündigte Gewerkschaftssprecher Jan Otto an.

Bildergalerie Reaktionen aus Sachsen auf die Siemens-Pläne

Martin Dulig
Martin Dulig | Wirtschaftsminister Sachsen "Wir freuen uns über die  Entscheidung von Siemens, den Standort Görlitz zu erhalten. Es ist zwar auch weiterhin mit Strukturumbrüchen zu rechnen, […] vielleicht auch mit Arbeitsplatzabbau, aber in einer anderen Größenordnung, so dass wir uns grundsätzlich heute freuen können. Ich denke auch, dass die Perspektive für Leipzig  gut ist, denn Leipzig ist gut aufgestellt. Es gibt potenzielle Interessenten, die den Standort Leipzig kaufen wollen." Bildrechte: dpa
Martin Dulig
Martin Dulig | Wirtschaftsminister Sachsen "Wir freuen uns über die  Entscheidung von Siemens, den Standort Görlitz zu erhalten. Es ist zwar auch weiterhin mit Strukturumbrüchen zu rechnen, […] vielleicht auch mit Arbeitsplatzabbau, aber in einer anderen Größenordnung, so dass wir uns grundsätzlich heute freuen können. Ich denke auch, dass die Perspektive für Leipzig  gut ist, denn Leipzig ist gut aufgestellt. Es gibt potenzielle Interessenten, die den Standort Leipzig kaufen wollen." Bildrechte: dpa
Siegfried Deinege, Oberbürgermeister von Görlitz.
Siegfried Deinege | Oberbürgermeister Görlitz "Diese sehr gute Nachricht ist natürlich hervorragend für alle Siemensianer und ihre Familien, aber auch für die Stadt, die mit dieser Firma sehr eng verbunden ist. [...] Dass die Kirchen, dass Händler, dass alle in unserer Stadt Flagge gezeigt haben und sich damit auseinandergesetzt haben, das hat schon beeindruckt. Wir sind deutschlandweit in den Medien erschienen als Stadt, als Gemeinschaft, als selbstbewusste Bürger, dazu die Siemensianer als kreative Köpfe, die durchaus wissen, was sie können." Bildrechte: dpa
Stephan Kühn
Stephan Kühn | sächsischer Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen "Das ist eine wirklich gute Nachricht für die Stadt Görlitz wie auch die gesamte Region. Breit getragener Protest und eine beharrliche sachliche Argumentation gegenüber dem Siemensvorstand haben hier etwas erreicht, was nicht häufig bei angekündigten Schließungen eintritt: Anstelle der Werksschließung wird in die Kompetenzen des Standortes investiert." Bildrechte: Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen
Der Görlitzer Linke-Landtagsabgeordnete  Mirko Schultze.
Mirko Schultze | Linke-Landtagsabgeordneter aus Görlitz Dass die Schließungspläne für das Görlitzer Siemens-Werk jetzt vom Tisch sind, ist ein gutes Signal für die Oberlausitz. Trotzdem müssen wir weiter für den Erhalt jedes Arbeitsplatzes in der Region kämpfen. Auch steht noch nicht fest, wie viele Jobs noch gestrichen werden. Zum Feiern ist es eindeutig zu früh. Jetzt, wo Görlitz gerettet scheint, dürfen wir auf gar keinen Fall unsere Solidarität mit den Beschäftigten in anderen Werken fallen lassen. Schließlich standen Siemensianer aus ganz Deutschland mit uns auf der Straße, als das Görlitzer Werk geschlossen werden sollte." Bildrechte: Mirko Schultze
Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz stellt am 25.04.2016 in Berlin die Kampagne "Du siehst mich" des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Berlin und Wittenberg 2017 vor.
Markus Dröge | Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz "Ich freue mich mit denen, die sich für den Erhalt des Werkes engagiert haben, und dass es gelungen ist, Arbeitsplätze zu retten. Es ist dennoch schmerzlich, dass Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren werden. Ich hoffe, dass sozialverträgliche Lösungen gefunden werden und dass es gelingt, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten." Bildrechte: dpa
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Quelle: MDR/vis

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.05.2018 | 11:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 08.05.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2018, 08:39 Uhr

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2 Kommentare

09.05.2018 09:13 André Neubert 2

Verkauf von Leipzig mit unbefristeten Vertrag bei Siemens und als Verpflichtenden Auftraggeber, kann das eine Vernünftige Zukunft werden.

08.05.2018 14:24 jackblack 1

Endlich mal eine GUTE Nachricht, gerade in Görlitz gibt es kaum Alternativen.

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