Bundesverkehrswegeplan Sachsen bleibt Autoland - wenig Ausbau von Schienenwegen

Der Bund will in den nächsten 15 Jahren Verkehrsprojekte in Sachsen mit 1,07 Milliarden Euro fördern. Das geht aus dem aktuellen Entwurf des Bundesverkehrswegeplans hervor. Das Geld fließt bis 2030 in den Aus- und Neubau von Autobahnen, Bundesstraßen und Bahnstrecken. Drei Viertel davon sind für neue Vorhaben vorgesehen.

Eisenbahn Chemnitz-Leipzig bleibt ohne Strom

Sachsen bleibt offenbar weiterhin ein klassisches Autoland. So hatte der Freistaat insgesamt 72 Infrastrukturprojekte im Straßenbau, aber lediglich elf für die Schiene vorgeschlagen. Beim Straßenbau sind laut Wirtschaftsminister Martin Dulig alle für den Freistaat wichtigen Vorhaben enthalten. Unzufrieden ist Dulig mit der Berücksichtigung der Schienenprojekte. "Damit können und werden wir uns nicht zufriedengeben."

Dulig kritisierte, dass die Eisenbahnstrecke Chemnitz-Leipzig überhaupt nicht berücksichtigt ist. Experten hatten das allerdings erwartet. Die bisher eingleisige und nicht elektrifizierte Bahnstrecke soll nach dem Willen der Region und des Freistaates modernisiert werden. Damit hatte sich Chemnitz einen Wiederanschluss ans Fernbahnbahnnetz erhofft, beispielsweise durch Verlängerung von Intercitys aus Richtung Köln. Allerdings hat die Strecke nur regionale Bedeutung, Güterverkehr gibt es gar keinen. Auch zu Zeiten der Deutschen Reichsbahn rollten nur vereinzelt Schnellzüge über die Gleise zwischen dem damaligen Karl-Marx-Stadt und Leipzig. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig kritisierte die Entscheidung, den Ausbau der Bahnstrecke nach Leipzig nicht in den vordringlichen Bedarf aufzunehmen. Es sei "ein enormer Rückschlag und absolut nicht hinnehmbar". Ihre Region wäre damit weiterhin der einzige Ballungsraum mit rund 1,6 Millionen Einwohnern ohne einen Fernbahnanschluss.

Ausgewählte Schienenprojekte im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030
Strecke Vorhaben
Dresden - Berlin Fertigstellung des Ausbaus für 160 Stundenkilometer
Dresden - Leipzig Ausbau des fehlenden Abschnittes Coswig - Riesa
Weimar - Gößnitz - Glauchau Elektrifizierung und Ausbau Weimar - Gößnitz
Nürnberg - Hof Elektrifizierung und damit Voraussetzung für durchgehenden Fernverkehr nach Südwestdeutschland
Regensburg - Hof Elektrifizierung und damit Voraussetzung für durchgehenden Fernverkehr nach München
Bahnknoten Leipzig und Dresden Fertigstellung moderner Infrastrukturen
Hoyerswerda - Horka - Grenze zu Polen Ausbau der Güterzugmagistrale Richtung Polen
Berlin - Cottbus - Görlitz Ausbau für höhrere Geschwindigkeiten zwischen Lübbenau und Görlitz
Nürnberg - Erfurt Neubaustrecke mit kürzeren Fahrzeiten Leipzig - Nürnberg - München
Umsetzung unklar: Dresden - Prag Neubaustrecke zwischen Heidenau und Prag durch das Erzgebirge
Umsetzung unklar: Dresden - Görlitz Elektrifizierung der Ostmagistrale von Dresden-Klotzsche bis zur polnischen Grenze hinter Görlitz
Umsetzung unklar: Cottbus - Görlitz Elektrifizierung der Strecke

Oberleitungen in Bayern und Thüringen für Sachsen-Verbindungen

Eine Chance für Fernverkehr könnte sich aus Chemnitzer Sicht aber durch Ausbauvorhaben in Bayern ergeben. Dort sollen die Bahnstrecken zwischen Hof und Regensburg sowie zwischen Hof und Nürnberg elektrifiziert werden. Setzt die Bahn ihr bis 2030 geplantes Intercity-Netz um, könnten wieder Fernzüge von Dresden über Chemnitz nach München beziehungsweise nach Nürnberg und Stuttgart fahren. Bisher ist die Strecke von Sachsen aus lediglich bis Hof elektrifiziert. Geplant ist ferner die Elektrifizierung der Mitte-Deutschland-Linie bis Gößnitz. Damit könnte - rein theoretisch - auch auf dieser Traditionsstrecke die alten Direktverbindungen Chemnitz-Aachen wiederbelebt werden.

Wenig Chancen auf Umsetzung haben die Elektrifizierung der Verbindung Dresden-Görlitz sowie der Bau einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Dresden-Prag durch das Erzgebirge. Sie sind noch nicht abschließend bewertet, da noch konkrete Planungen fehlen. Dulig ist sich trotzdem sicher: "Der Bund schiebt Sachsen aufs Abstellgleis."

29 Straßenprojekte im vorrangigen Bedarf

Besser sieht es beim Straßenbau aus: 29 Straßenbauprojekte haben eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, realisiert zu werden, für sechs weitere kann geplant werden. 13 Vorhaben fanden hingegen keine Berücksichtigung. Die Autobahn 4 zwischen Dresden und Nossen erhält auf absehbare Zeit keine zwei zusätzlichen Fahrspuren. Keine Unterstützung vom Bund wird es auch für einen Ausbau der A72 zwischen Chemnitz-Süd und Zwickau-Ost geben. Auch dagegen will sich die Chemnitzer Rathauschefin Ludwig einsetzen und verweist auf das Beteiligungsverfahren der Bürger, das am Montag beginnt und sechs Wochen dauert.

Ausgewählte Straßenbauprojekte

  • A72 - Fertigstellung zwischen Borna und Leipzig mit Anschluss an A38
  • B2 - Ortsumgehungen von Groitzsch, Hohenossig, Wellaune und Bad Düben
  • B6 - Ortsumgehung von Dresden-Cossebaude und schneller Anschluss der Region Meißen an A4
  • B95 - grundlegender Ausbau der überlasteten Bundesstraße zwischen Chemnitz und Annaberg-Buchholz
  • B169 - Verbindung von A14/Döbeln-Nord über Riesa und Grimma in Richtung A13
  • B172 - neue Ortsumgehung für Pirna
  • B173 - Ortsumgehung Oederan
  • B174 - Bauvorhaben bei Reitzenhain und sowie Ortsumgehung Großolbersdorf/Hohndorf
  • B180 - Ortsumgehung Oberlungwitz
  • B183 - Ortsumgehung Bad Düben
  • B186 - Verlegung der Bundesstraße bei Markranstädt
  • B87n - Planung für Fernstraße Leipzig - Torgau im weiteren Bedarf

Der Bundesverkehrswegeplan wird vom Bundeskabinett beschlossen. Er enthält alle vom Bund beabsichtigten Investitionsprojekte für Straßen, Schienen und Wasserstraßen, ist aber kein festgeschriebener Finanzierungsplan

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2016, 11:27 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

11 Kommentare

18.03.2016 18:22 Gernot Heinrich 11

Oberlausitz am A.... der Welt
Seit 25 Jahren kämpfen engagierte Bürger um einen Anschluss an die A4. Die wichtige Nord - Süd Trasse, ohne Querung eines Mittelgebirges ( Ostee - Balkan )
scheint keinen zu interesseren. Hier gäbe es eine aktive Balkanroute. Die Oberlausitz ist wirschaftlich abgeschrieben. Die Existenz von einem grossflächigem Altersheim ist vorprogrammiert und scheinbar auch politisch so gewollt.
Wie lange solles noch dauern, bis die Versprechen der regierenden Politiker, eingelöst werden? Es werden immer neue Hinernisse aufgebaut, bis der letzte hier lebende Mensch in Richtung Westen abgewandert ist!

18.03.2016 11:19 Oberlausitzer 10

@Pelhauns: Sorry, das war übertriebene Ironie von mir. Ich dachte, dass das auch alle so verstehen. Ich bin natürlich für eine Beibehaltung des Personenverkehrs auf ALLEN Bahnstrecken. An den Knotenpunkten ergänzt durch Busverkehr, um die gesamte Fläche abzudecken (natürlich die Abfahrtszeiten an die Bahnzeiten angepasst). Und natürlich weiß ich, dass Busverkehr statt Bahnverkehr einen riesigen Zeitverlust nach sich zieht, verbunden mit folgendem Umstieg der Fahrgäste auf den PKW. Zu Lasten der Umwelt. Aber wissen das auch die Verkehrsminister Dobrindt und Dulig? Sind die überhaupt schon mal mit dem ÖPNV unterwegs gewesen?

17.03.2016 22:13 Niederschlesien NY 9

Wenn der Staat die Personenzüge Hoyerswerda - Görlitz nicht zahlen kann / nicht zahlen will, hier ein Lösungsansatz für geringere Kosten: Die Züge auf der neu sanierten Strecke von Hoyerswerda über Niesky bis nach Horka fahren lassen. Es können Dieseltriebwagen oder Elektrotriebwagen sein, dank der neuen Oberleitung. In Horka dann Takt-Anschluss an die ODEG-Züge Cottbus - Görlitz. So spart man sich den Doppelverkehr für die Reststrecke nach Görlitz. In Horka besteht direkt am Bahnhof ein Bus-Anschluss in die umliegenden Orte und nach Rothenburg. Dieser ist auf die Bahn abgestimmt. Notwendige Investition: In Horka müsste der obere Bahnsteig wieder aufgebaut werden. Dieser wurde vor ein paar Jahren leider vorsorglich abgerissen. Man spart auf der ODEG-Linie Hoyerswerda - Görlitz die Kosten für den Abschnitt Horka - Görlitz. Diese Funktion übernehmen dann die Züge Cottbus - Görlitz, die ja heute schon in Horka abfahren. Der heutige Ersatz-Bus ist für die lange Gesamtstrecke keine Lösung.

17.03.2016 20:35 Pelhauns R. 8

@4 - Oberlausitzer: Sie meinen, zwischen den Städten Hoyerswerda, Niesky und Görlitz gibt es nur ein Verkehrsbedürfnis von 5 Personen pro Tag? Dann sollten wir aber schnell alle Straßen in der Region stillegen und abreißen. Sie werden ja anscheinend nicht gebraucht und verursachen somit nur unnötige Kosten (/ Ironie aus). Der Personenzug fuhr bis zum Start des Bahn-Umbaus von Hoyerswerda nach Görlitz. Sind Sie schon mal mit dem ODEG-Ersatzbus auf dieser Linie gefahren? Das sind Fahrzeiten jenseits von Gut und Böse. Und selbst da fahren pro Tour mehr als 5 Leute mit. Ein ordentliches SPNV-Grundangebot dient zur Standort-Sicherung, gerade dort. Auf der modernisierten Bahnstrecke können viel attraktivere Fahrzeiten für die Personenzüge angeboten werden als vorher. In der Planung, die aktuell noch vorliegt, sollen auch die Bahnsteige attraktiver werden. Nur stehen das alles auf der Kippe wegen Mittel-Kürzung. Bahnstrecke nagelneu, aber kein Personenverkehr mehr? Das wäre ganz schön blöd.

17.03.2016 20:27 Nachtzugreisender 7

Im Bundesverkehrswegeplan steht: "B95 - grundlegender Ausbau der überlasteten Bundesstraße zwischen Chemnitz und Annaberg-Buchholz", gleichzeitig soll der Bahnverkehr zwischen Chemnitz und Annaberg-Buchholz eingestellt werden. Warum wird die vorhandene, gute Infrastruktur der Erzgebirgsbahn nicht genutz? Dei Bahn ist da, die Züge rollen, die Bahn ist gut. Ich verstehe nicht, warum nun Steuergelder für den Straßenbau ausgegeben werden sollen. Es heißt doch immer: "Mehr Verkehr auf die Schiene!".

17.03.2016 19:42 Elbentalste 6

Man hat den Eindruck, die verantwortlichen Bundespolitiker wollen sich schon mal einen Platz in der Automobil-Branche sichern. Für den Fall, dass sie irgendwann einen neuen Job brauchen. Deshalb der stiefmütterliche Umgang mit dem Bahnverkehr. Es ist ja nichts neues. Schauen Sie sich mal an, wo heute z.B. ehemalige Verkehrsminister arbeiten. Einer ist hinterher sogar Präsident beim Automobilindustrie-Verband geworden. Tja, Zufälle gibt es. Noch Fragen?!

17.03.2016 19:41 GEWY38 5

Ja @3 alles was Arbeit macht unterliegt in diesem Land dem Trennungswahnsinn, und eigenartig, alles hat etwas mit der Daseinsvorsorge zu tun. Die globale Welt ist Spitze, dient den "Heuschrecken" das große Geld zu machen. Für den normale Bürger gilt Kleinstaaterei, ihm werden 16 Landesfürsten vor die Nase gesetzt. Damit hat er sich abzufinden. Ob Bildung(die ganze Palette vom Kindergarten bis zur Hochschule), Polizei (egal ob Grenze, Bereitschaft, Schutz) Regionalverkehr usw., es wir gesplittet. Jeder macht was er will, keiner macht was er soll, alle machen mit. Der Staatsbetrieb Bahn, wie von Ihnen beschrieben. ist das traurige Vorbild. Einen Vorteil hat das ganze System. Wenn etwas nicht klappt es ist immer der andere Schuld. Aber auch das ist Spitze. Und wenn nach 25 Jahren viele den Kanal voll haben von "Oberlehrern" und Schaumschlägern und das Kreuz an der falschen Stelle machen sind die Flüchtlinge schuld. Weiter so.

17.03.2016 19:36 Oberlausitzer 4

@Ruhländer: Die Bahnstrecke (Leipzig-)Hoyerswerda-Horka-poln.Grenze (nicht Görlitz) wird für 420Mill. Euro ausgebaut, um günstig polnische Steinkohle nach Deutschland zu holen und diese nicht über wichtige Hauptstrecken (Görlitz-Dresden-Leipzig) transportieren zu müssen. Bei 5 Reisenden/Tag zwischen Hoyerswerda und Görlitz ist die Einstellung des Personenverkehrs eine logische Folge.

17.03.2016 18:10 AufmerksamerBeobachter 3

@#2: Volle Zustimmung, die Handlungsabfolgen der Bahn sind inkonsistent und unlogisch. Der Grund ist dieser Trennungsschwachsinn (DB Netz, DB Cargo, DB Regio, Laender / Verkehrsverbuende / Laendergrenzen,etc). Die handeln alle unkoordiniert und bekommen dann noch politische Vorgaben wie gestern. In Chemnitz ist der Zug seit gut 10 Jahren abgefahren. Die Aussichten sind wirklich sehr schlecht - dennoch wurde der HBf erst eben fuer 100Millionen umgebaut und das gesamte Gleisvorfeld beidseitig erneuert. Versteht keiner mehr.

17.03.2016 15:56 Ruhländer 2

Die Bundespolitik fährt den Schienenverkehr komplett gegen die Wand. Nicht nur, dass wichtige Investitionen ausbleiben. Selbst dort, wo modernisiert wird, ist es eine Mogelpackung. Beispiel S-Bahn Dresden: Mit Millionen-Aufwand wird die Strecke nach Meißen modernisiert und für einen 15-Minuten-Takt ertüchtigt. Aber der Bund kürzt gleichzeitig die Regio-Mittel. Ergebnis ist, dass die S-Bahnen dort trotz Ausbau nur alle 30 Minuten fahren werden. Es fehlt das Geld, um die zusätzlichen Züge für den 15-Minuten-Takt zu bestellen. Da wird ja der ganze Strecken-Ausbau dann komplett sinnlos. Gleiches bei der Strecke Hoyerswerda - Horka - Görlitz. Die Strecke wird für 420 Millionen (!!) ertüchtigt und modernisiert. Danach sollen dann aber keine Personenzüge mehr fahren. Weil der Bund die Gelder dafür kürzt. 420 Mio ausgegeben und der Fahrgast hat nichts davon. Hoffentlich wird das noch geändert. Ansonsten: Ein Fall für das Schwarzbuch des Steuerzahler. Schilda lässt grüßen.