Ein Wolf durchstreift sein winterliches Gehege.
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Aktuelles Wolfsmonitoring 2017/2018 Der Wolf breitet sich auch im Nordwesten von Sachsen aus

Mehr als 150 Jahre lang war Sachsen wolfsfreie Zone. Das Wildtier galt lange Zeit als ausgerottet. Doch seit fast zwei Jahrzehnten erobert sich der Wolf nach und nach seinen Lebensraum im Freistaat zurück: Die Population der Wölfe nimmt konstant zu - das zeigen auch regelmäßige Untersuchungen. Wie es um den Wolf im Freistaat steht, hat nun das Lupus-Institut in seinem jährlichen Bericht bekannt gegeben.

Ein Wolf durchstreift sein winterliches Gehege.
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In Sachsen gibt es immer mehr Wölfe. Das hat das aktuelle Monitoring des Lupus-Instituts ergeben. Demnach lebten im Zeitraum zwischen 1. Mai 2017 und 30. April dieses Jahres 18 Rudel. Das sind vier Wolfsrudel mehr als im Monitoringjahr 2016/2017. Die Zahl der Wolfspaare verringerte sich den Angaben zufolge von fünf auf vier Paare. Mit dem aktuellen Monitoring korrigierte das Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" die ersten Zahlen aus dem Wolfsbericht 2017/2018. Im August waren bei ersten Auswertungen 17 Wolfsrudel und vier Paare im Freistaat festgestellt worden. Da die Auswertung der Genetikergebnisse allerdings noch nicht abgeschlossen war, hat sich die Anzahl der Rudel den Angaben zufolge nochmals verändert.

Dem Bericht zufolge gibt es mittlerweile 22 Wolfsterritorien - die meisten davon in der Oberlausitz (16): Die erstrecken sich von der Königsbrücker Heide über Niesky und Cunewalde bis nach Daubitz und Biehain. Neu dazugekommen sei hier ein Wolfsareal in Großhennersdorf. Demnach ist - mit kleinen Ausnahmen - nahezu der gesamte Bereich östlich von Bischofswerda Wolfsgebiet.

Wolfsvorkommen in Sachsen (Stand Oktober 2018).
Wolfsvorkommen in Sachsen (Stand Oktober 2018) Bildrechte: LUPUS

Sechs weitere Territorien konnte das Wolfsbüro südöstlich von Dresden, bei Stolpen/Hohnstein, und im Norden Sachsens, in den Gebieten Raschütz, Gohrischheide, Dahlener Heide, Dübener Heide und Delitzsch ausmachen.

Sieben weitere Wolfsgebiete reichten von Tschechien, Polen oder Südbrandenburg in den Freistaat hinein und hätten nur einen kleinen Teil ihres Gebietes in Sachsen.

Seit 2000 ist die Zahl der Wolfspaare und –rudel im Freistaat stetig gewachsen. Während zu Beginn des Monitorings lediglich ein Rudel in Sachsen nachgewiesen wurde, hat sich der Wolf mit 18 Rudeln und vier Paaren mittlerweile etabliert. Das zeigt auch der Nachwuchs: Das Lupus-Institut geht von mindestens 68 Welpen in Sachsen aus.

Wolfspopulation in Sachsen (Auszug)
Monitoringjahr Rudel Paare Territoriale Einzeltiere
2017/2018 18 4 0
2016/2017 14 4 0
2015/2016 15 4 1
2014/2015 10 5 1
2013/2014 10 2 0
2000-2002 1 0 0

Quelle: Wolfsmonitoring (Stand Oktober 2018)

Mehr Wölfe, mehr Schäden - ein Trugschluss?

Immer wieder werden Schafe und andere Nutztiere gerissen. Bis Oktober 2018 wurden dem Wolfsmanagement in Sachsen rund 100 Schadensfälle gemeldet. In etwa der Hälfte der Fälle war der Wolf tatsächlich Verursacher des Schadens – oder er konnte zumindest nicht ausgeschlossen werden. Die Bilanz: 145 tote, 16 vermisste und 34 verletzte Tiere. Vor allem Schafe und Ziegen (170) wurden gerissen, aber auch einige Wildtiere (18), sowie ein Rind, ein Hund und zwei Kaninchen. Allerdings seien noch 18 Fälle in Bearbeitung, hieß es in dem Bericht.

Wolfsrisse in Sachsen - Zahl der getöteten Tiere (Auszug)
  Schafe/Ziegen Wild Rinder Hunde Kaninchen Gesamt
2016 196 21 2   - - 219
2017 158  41 1 2 - 202
2018 (Stand 22. Okt.) 170 18  1 1 2 192

Quelle: Wolfsmonitoring (Stand Oktober 2018)

Dass die wachsende Wolfspopulation im direkten Verhältnis zu der Anzahl der Risse steht, ist nach Angaben des Kontaktbüros "Wolf in Sachsen" aber ein Trugschluss. In der Schadensstatistik heißt es: "Bisher ist kein direkter Zusammenhang zwischen der Anzahl der Rudel und der Häufigkeit von Nutztierrissen zu erkennen. Vielmehr ist entscheidend, ob ein ausreichender Schutz der Nutztiere vorhanden war. Oft konzentrieren sich Schäden in Gebieten, wo sich Wölfe neu etabliert haben. Im Laufe der Zeit sinkt die Anzahl der Übergriffe jedoch meist, wenn sich die Tierhalter auf die neue Situation eingestellt haben."  

Strenger Schutz bald Geschichte?

Dass sich der Wolf in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebreitet hat, liegt auch an strengen Gesetzen in der EU und in Deutschland: Die Tiere sind streng geschützt und unterliegen nicht dem Jagdrecht. Nur in seltenen Ausnahmen dürfen sie geschossen werden – beispielweise wenn sie verhaltensauffällig werden. In Sachsen hat das im vergangenen Jahr einen Wolf im Landkreis Görlitz ereilt. Er hatte sich immer wieder bewohnten Grundstücken genähert und Hunde angegriffen. Insgesamt zählte das Lupus-Institut zwischen dem 1. Mai 2017 und dem 30. April 2018 14 tote Wölfe im Freistaat: Der Großteil sei durch Verkehrsunfälle umgekommen (9), zwei Wölfe seien eines natürlichen Todes gestorben, in einem Fall ist die Todesursache unklar. In einem Fall ermittelt nun noch die Polizei: Im Landkreis Bautzen war eine Wölfin illegal getötet und in einem Tagebausee versenkt worden.

Wegen der zahlreichen Wolfsrisse haben die Umweltminister von Sachsen, Niedersachen und Brandenburg eine Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht. Im Oktober forderten sie klarere Regeln in Sachen Wolf: So soll der Bund unter anderem prüfen, wie weit sich Wölfe menschlichen Einrichtungen nähern dürfen. Auch wolfsfreie Zonen sollen diskutiert werden.

Wolfsmonitoring - so funktioniert's In Sachsen wird das Monitoring durch das Lupus-Institut für Wolfsmonitoring und –forschung in Deutschland durchgeführt bzw. koordiniert. Es arbeitet im Auftrag des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz und des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Finanziert wird das Monitoring mit Mitteln des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft.

Die Zahl der Rudel und Paare wird jedes Jahr wieder erhoben: ab dem 1. Mai bis 30. April des nächsten Jahres. Das entspricht dem biologischen Jahr der Wölfe.

Die Zählung in Sachsen kommt durch aktives und passives Monitoring zustande. Beim passiven Monitoring greifen die Forscher auf Hinweise aus der Bevölkerung zurück. Der Hauptteil der Hinweise wird jedoch aktiv durch verschiedene Methoden erhoben: So suchen die Forscher nach Hinweisen in der Natur, wie Kot oder Spuren. Auch sogenannte Fotofallen kommen zum Einsatz, ebenso wie genetische Untersuchungen.

Quelle: MDR/kp/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.10.2018 | 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2018, 15:44 Uhr

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