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Wie regional is(s)t Sachsen? Regionalität liegt im Trend, ist den Sachsen aber zu teuer

"Aus der Region" - das liest man immer häufiger beim Einkauf. Regionalität ist bei Lebensmitteln ein Thema. Das sächsische Landwirtschaftsministerium hat deshalb Verbraucher und Erzeuger dazu befragt. Kaufen die Sachsen regional? Und wenn ja, was?

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Regionalität liegt im Trend und wird auch beim Kauf von Lebensmitteln immer wichtiger. Das geht aus der aktuellen Verbraucher- und Marktstudie "Wie regional is(s)t Sachsen?" hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Danach würden 51 Prozent aller befragten Haushalte mehr Geld für Lebensmittel aus ihrer Region ausgeben. Im Jahr 2008 waren es noch 42 Prozent. Mit regionalen Lebensmitteln verbinden Verbraucher insbesondere kurze Transportwege, Frische, Unterstützung der ansässigen Landwirtschaft und saisonale Lebensmittel.

Auch emotionale Aspekte spielen bei der Regionalität eine Rolle. Regionale Lebensmittel werden vor allem mit Nähe, Heimat, Verbundenheit und Tradition assoziiert. Insgesamt stimmen die Befragten aus Sachsen diesen emotionalen Kriterien etwas häufiger zu als dies bundesweit der Fall ist. Die ökologische Erzeugung der Lebensmittel spielt für sächsische Verbraucher eine geringe Rolle. Insbesondere drei Gründe verhindern zurzeit, dass sie Bio-Lebensmittel einkaufen: die höheren Preise, fehlende Regionalität und eine geringe Verfügbarkeit.

Was ist eigentlich Regionalität? Die Definition von Regionalität ist subjektiv und situativ. Die Ergebnisse der Verbraucherbefragung belegen das. Die einen denken bei regional an einen Umkreis um den Ort, in dem sie leben, andere an das Bundesland oder einen bestimmten Landstrich. Einmal wird Region großzügig mit Deutschland übersetzt, ein anderes Mal ganz eng mit dem eigenen Wohnort.

Entsprechend flexibel handhaben insbesondere die Handelsunternehmen die Ausgestaltung
ihrer regionalen Sortimente. Sie werben wahlweise mit einem Landstrich, dem Bundesland,
benachbarten Bundesländern oder auch Deutschland.

So kauft der Sachse ein

Lediglich 30 Prozent der sächsischen Verbraucher entscheiden sich beim Einkauf bewusst für ein Lebensmittel und achten gezielt auf die regionale Herkunft. Der Fokus der meisten Verbraucher liegt eher auf dem Preis als auf Regionalität oder Saisonalität.

  • Die meisten Sachsen kaufen Lebensmittel im SB-Warenhaus, z.B. bei Real oder Kaufland.
  • Supermärkte wie Edeka und Rewe werden in Sachsen weniger für den Lebensmitteleinkauf genutzt als bundesweit.
  • Am häufigsten kaufen Sachsen Lebensmittel bei Kaufland ein. Bundesweit liegt Aldi vorn.
  • 54 Prozent der Sachsen kaufen weder in Bio-Supermärkten noch bei der Direktvermarktung.
  • Geschmack, Saisonalität, Aktionsware und Preis sind Top-Entscheidungskriterien beim Einkauf von Lebensmitteln. Regionalität liegt erst auf Platz fünf.
  • Sächsische Verbraucher orientieren sich wenig an Siegeln, die ökologische Erzeugung spielt eine geringe Rolle.

Brot und Eier führen regionale Einkaufsliste an

Die sächsische Top 5 unterschiedet sich kaum von der bundesweiten Einkaufsliste regionaler Lebensmittel. Ein großer Unterschied zwischen Deutschland und Sachsen besteht allerdings beim Einkauf von Nudeln. Wesentlich mehr sächsische Verbraucher kaufen immer oder oft regionale Teigwaren. Der Anteil liegt bei 39 Prozent, während er deutschlandweit nur bei 22 Prozent liegt. Dies wird laut Studie in erster Linie der Marktbedeutung des sächsischen Unternehmens "Teigwaren Riesa" zugeschrieben.

Top 5 der Einkäufe regionaler Lebensmittel

  1. Brot und Backwaren
  2. Eier
  3. Kartoffeln
  4. Gemüse
  5. Milch


Allgemein gilt, dass Regionalität bei unverarbeiteten und kaum verarbeiteten Lebensmitteln eine größere Rolle spielt als bei stark verarbeiteten wie Konserven, Speiseöl oder Tiefkühlkost.

Brot und Brötchen
Brot steht in Sachsen am häufigsten auf der regionalen Einkaufsliste. Bildrechte: colourbox.com

Verbraucher wünschen sich mehr regionales Obst und Gemüse

Die meisten Verbraucher wünschen sich ein größeres Angebot an regionalem Obst und Gemüse. Allerdings stehen dem Wunsch die Strukturen der sächsischen Landwirtschaft entgegen, die auf Ackerbau und Viehhaltung ausgelegt sind, heißt es in der Studie. Die Verbraucher in Sachsen, aber auch in den anderen Bundesländern, wünschen sich zudem eine bessere Kennzeichnung regionaler Lebensmittel, vor allem mehr Informationen am Verkaufsort selbst.

Die Studie zeigt, dass sich sächsische Verbraucher mehr regionale Lebensmittel wünschen. Die Herausforderung ist daher, regionale Vertriebsstrategien zu entwickeln, die das Angebot erhöhen.

Thomas Schmidt, Landwirtschaftsminister Sachsen

Direktvermarkter blicken positiv in die Zukunft

Die Zahl der Käufer in der Direktvermarktung ist über die Jahre zurückgegangen. Zum einen müssen die Kunden häufig längere Anfahrtszeiten einplanen. Zum anderen wird der Lebensmitteleinzelhandel bei regionalen Produkten seit Jahren verstärkt ein Konkurrent. Die größten Probleme, die Direktvermarkter in der Befragung genannt haben, sind fehlende Kundschaft, mangelnde Kaufkraft, der Preiswettbewerb und die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Kunden.

Trotzdem geht die Mehrheit der Befragten davon aus, während der kommenden drei Jahre in der Direktvermarktung den Umsatz steigern zu können. Stammkäufer sind vor allem ältere Gutverdiener, deren Kinder bereits aus dem Haus sind. Da diese Zielgruppe weiter wächst, plant jeder zweite Betrieb plant den Ausbau seiner Aktivitäten. Fast alle haben dabei ihren Hofladen im Blick. Am zweithäufigsten wird der Aus- bzw. Aufbau von Lieferbeziehungen in Richtung Gastronomie genannt. Von staatlicher Seite erhoffen sich Direktvermarkter mehr Förderung.

Bäcker und Fleischer arbeiten meist mit regionalen Rohstoffen

Auch das Ernährungshandwerk kann grundsätzlich vom demografischen Wandel in Deutschland profitieren. Dessen Käuferschaft ist denen der Direktvermarkter sehr ähnlich, schließt jedoch noch stärker ältere Haushalte ein. Zusätzliches Potenzial besteht vor allem dann, wenn es keine Supermärkte um den eigenen Wohnort gibt.

Supermarkt
Woher kommt das Schnitzel? Wer bei Sachsens Fleischern einkauft, bekommt meist Ware aus Sachsen. Bildrechte: Colourbox

Regionalität spielt dabei eine große Rolle: Fast 90 Prozent der Bäcker kaufen ihre Rohstoffe zumindest teilweise in Sachsen. Nur jeder Zehnte nutzt für seine Produkte ausschließlich Rohstoffe aus Sachsen. Mehl kommt bei sächsischen Bäckern ausschließlich aus dem Freistaat, bei Molkereiprodukten und Eiern sind es mehr als 80 Prozent. Für die kommenden drei Jahre erwarten 44 Prozent der Betriebe steigende Umsätze. 18 Prozent der sächsischen Bäcker nehmen an, dass sich ihr Umsatz in den nächsten drei Jahren rückläufig entwickeln wird.

Auch die meisten Fleischereien in Sachsen beziehen ihre "Rohstoffe" regional. Alle Befragten kaufen Schlachttiere, Fleisch bzw. Fleischwaren zumindest teilweise in Sachsen. Sie sind sich einig, dass Regionalität ein Vorteil bei der Vermarktung ist, auch wenn nur ein Teil mit der Regionalität ihrer Produkte gezielt wirbt. Fleischer in Sachsen sind eher skeptisch, was ihre Zukunft betrifft. Nur wenige planen in den nächsten Jahren den Ausbau ihres Betriebes.

Sowohl Bäcker, Fleischer als auch Direktvermarkter wünschen sich der Umfrage zufolge Bürokratieabbau und mehr Investitionsförderung.

Hintergrundinformationen zur Studie Die Verbraucher- und Marktstudie "Wie regional is(s)t Sachsen?" wurde im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH von Dezember 2017 bis August 2018 erstellt.

Befragt wurden unter anderem 2.001 Verbraucher mittels eines Online-Fragebogens. Darüberhinaus werteten die Forscher das Einkaufsverhalten von 30.000 Haushalten aus. Auch Lebensmittelerzeuger aus Sachsen wurden befragt. Die Forscher konnten 80 Antworten von Landwirtschaftsbetrieben, 45 von Bäckern und 24 Fleischern für ihre Erhebung nutzen.

Aus den Ergebnissen werden Schlussfolgerungen zur künftigen Entwicklung regionaler Lebensmittel in Sachsen abgeleitet und Möglichkeiten der gezielten staatlichen Einwirkung genannt. Des Weiteren werden Handlungsempfehlungen für die Marktakteure abgeleitet.

Quelle: MDR/nj

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2018, 19:22 Uhr

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8 Kommentare

09.10.2018 21:43 part 8

Womit wir wieder einmal bei der Binnenkaufkraft wären, die sich ja angeblich seit 1990 so stark verändert haben soll, glaubt man den statistischen Ländes- und Bundesämtern. Leider sind zur Stagnation höhere Preise und Produktionskosten für viele Waren hinzu gekommen. Geiz-ist-geil-Menthalität oder ganz einfach Erperessungsversuche der Handelsketten tun ihr Übriges um nur noch die >>Kleinen<< kaputt zu sparen.

09.10.2018 14:50 W. Merseburger 7

Obiges Thema betrifft eigentlich jeden Menschen Und die wichtige oder auch wichtgste Frage benahe täglich ist, was wollen wir essen? Deswegen stören mich hier die ersten 6 Kommentare gewaltig wegen ihrer unangemessenen Bewertung. Den Sachsen zu sagen, kauft regionale Produkte ,auch wenn sie teurer sind, wird nicht funktionieren. Wer sich etwas Zeit nimmt und über einen längeren Zeitraum einkauft, merkt, dass fast jeder Markt bestimmte dem persönlichen Geschmack entsprechende gute Lebensmittel anbietet. Diese Produkte kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus Sachsen z.B Kartoffelsalat, TK Gemüse, Wein, Käse z.B. von der Müritz, Klöße und Kartoffelpuffer wie Bratwürste natürlich aus Thüringen , Spargel aus Brandenburg und Sachsen, Grünkohl nur Oldenburger oder ähnlicher Art, Hartweizenteigwaren nur aus Italien. Bioprodukte kaufen vor allem die besser finanziell dastehenden jungen Leute, andere können und wollen sich das nicht leisten.

09.10.2018 12:00 Udo Degen 6

Witz ist wie schöner Kaviar. Man sollte ihn nur in kleinen Bissen genießen und nicht fett aufgetragen wie schmierige Marmelade. In Sachsen gibt es keinen Kaviar.
Der Rest erklärt sich von selbst.
@ Klara Morgenrot
Marihuana is nich gut!Tu ma lieber die Möhrchen auf den Tisch!

08.10.2018 23:05 Klara Morgenrot 5

@3
Bei mir gedeihen auch Hanf-pflanzen. Werde Kaffe wegen Ihnen auch noch anbauen müssen, die Banane hängt aber bei mir immer noch zwischen den Cocusnuts.
Jeder zweiter Deutscher ist dank Biokultur übergewichtig, deshalb schmelzen auch die Pole und die Erderwärmung nimmt zu.
Herr Leufert, 1989 wäre Sie Demo machen, unter anderen wegen Bio-Obst. Wer lautstark demonstriert,ist hinter her immer angeschmiert...

08.10.2018 20:56 wwdd 4

In meinen letzten 20 oder 30 Jahre ist es sowieso nicht mehr wichtig, was ich esse. Hauptsache es bleibt noch etwas für das alter übrig, denn der Drops ist (fast) gelutscht.

08.10.2018 20:39 Mac Donald's muss schließen 3

Nummer 1:

Ich gebe Ihnen ja sooo recht !!!

Dann gibt es demnächst wohl Kaffee- und Kakaobohnen aus Sachsen und auch Bananen (!!!) sowie Ananas.

Gleichfalls werden A L L E undeutschen Restaurants geschlossen und die Ouzo-Pullen vernichtet.
Die Ayatollahs könnten und können das nicht besser.

08.10.2018 20:27 Leufert 2

Gerne würde ich mich viel gesünder ernähren,aber bei unseren Stundenlohn hier in Sachsen kann ich das vergessen.Um Bioläden muss ich einen Bogen schlagen.Leider muss der Mittelstand eher sterben als die Reichen.

08.10.2018 19:56 Klara Morgenrot 1

Damit machen die 70 Prozent der sächsischen Verbraucher die eigene Wirtschaft und ihr Land kaputt.Sind wohl alle bedeppert und fressen nur Gelumpe was sie nicht kennen.Schon der Herr Nostradamus vor unserer Zeit wusste, Produkte aus der Gegend essen in der man seine Zelte aufgeschlagen hat.

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