21.09.2019 | 12:25 Uhr Gewerkschaft bereitet Gesetzentwurf für Bildungsurlaub vor

Die Welt dreht sich weiter und niemand will dabei abgehängt werden. Lebenslanges Lernen kommt immer mehr in Mode - vor allem bei der beruflichen Qualifizierung. Bezahlten Bildungsurlaub gibt es in Sachsen dennoch nicht. Das könnte sich mit der neuen Koalition ändern.

Fünf Männer in orangefarbenen Anzügen und Bauhelm stehen auf einem Waggon.
Nicht nur im Büro und am Computer: Fort- und Weiterbildung gibt es auch für Lokführer und alle anderen Berufsgruppen. Hier lernen Männer in Aschersleben, wie sie künftig einen Zug steuern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Interesse der Sachsen an beruflicher Weiterbildung wächst. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums ist der Anteil der Beschäftigten, die sich beruflich weiterbilden, noch so nie so hoch gewesen. Demnach stieg die Weiterbildungsquote im vergangenen Jahr auf 41 Prozent. Zum Vergleich: In Ostdeutschland insgesamt lag die Quote bei 40 Prozent, in Westdeutschland bei 36 Prozent. Dabei war die Weiterbildungsquote bei den Frauen mit 46 Prozent höher als die der Männer mit 37 Prozent.

Sachsen neben Bayern einziges Land ohne Bildungsurlaub

Eine Dozentin leitet eine Weiterbildung.
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Einen gesetzlich geregelten Anspruch auf bezahlten Bildungsurlaub gibt es jedoch noch immer nicht. Neben Bayern ist Sachsen das einzige Bundesland, in dem es noch keine derartige Regelung gibt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Sachsen will für jeden Berufstätigen fünf bezahlte Arbeitstage für berufliche, kulturelle, sportliche, politische oder soziale Weiterbildung durchsetzen und hat dazu einen Gesetzentwurf erarbeitet. Dieser soll in den nächsten Wochen öffentlich vorgestellt werden.

DGB hofft, dass Sachsens neue Regierung Vorschläge aufnimmt

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Anne Neudorf hofft, dass sich möglichst viel davon in einem späteren Koalitionsvertrag wiederfindet. "Sollte das nicht so werden, müssen wir über weitere Maßnahmen nachdenken", sagte sie. Zuletzt waren die Grünen mit dem Entwurf eines Bildungsfreistellungsgesetzes im Landtag gescheitert. Ob das Thema bei den Sondierungsgesprächen für eine Koalition mit CDU und SPD wieder auf den Tisch kommt, kann Fraktionspressesprecher Andreas Jahnel-Bastet nicht mit Bestimmtheit sagen. "Wir werden es im Blick behalten", versicherte er.

CDU hatte sich bislang immer gegen Bildungsurlaub gewehrt

Eine Frau und ein Mann sitzen an Computern. Zwischen ihnen steht ein Coach, der sich zu der Frau vorbeugt und etwas auf ihrer Tastatur tippt.
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Die CDU hatte sich bislang immer gegen ein solches Gesetz gewehrt: Arbeitslose oder Selbstständige könnten von einer bezahlten Bildungsfreistellung nicht profitieren, hieß es. Auch aus Sicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden ist ein solches Gesetz überflüssig. "Jeder Unternehmer wird Mitarbeiter, die sich weiterbilden wollen, schon aus eigenem Interesse unterstützen", sagte Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann. Eine staatliche Regelung werde nicht gebraucht.

Jeder zweite Betrieb hat Beschäftigten Weiterbildung ermöglicht

"Seminare" steht auf em Rücken eines Ordners
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Laut Wirtschaftsministerium hat tatsächlich mehr als jeder zweite Betrieb (55 Prozent) seinen Beschäftigten durch Kostenübernahme oder Freistellung von der Arbeit eine Fort- und Weiterbildung ermöglicht. Deutschlandweit waren es 54 Prozent. Zudem unterstützt der Freistaat mit sogenannten Weiterbildungsschecks Teilnehmer von Weiterbildungskursen oder Schulungen, indem er bis zu 80 Prozent der Kosten übernimmt. Auch Betriebe mit weniger als 250 Beschäftigten sowie Selbstständige können gefördert werden.

Knapp eine halbe Million nutzen Portal "bildungsmarkt-sachsen.de"

Wie hoch das Interesse an beruflicher Weiterbildung ist, zeigen auch die Nutzerzahlen des Internet-Portals "bildungsmarkt-sachsen.de", das 2007 vom Wirtschaftsministerium eingerichtet wurde. Dessen Angaben zufolge stieg die Zahl der Nutzer in den vergangenen fünf Jahren von fast 382 000 auf etwa 493 500. Vor allem in großen Betrieben ist Weiterbildung offensichtlich gut möglich. Der Chiphersteller Infineon in Dresden biete zwar keinen "offiziellen" Bildungsurlaub an, hieß es dort. Allerdings unterstütze das Unternehmen seine Arbeitnehmer etwa mit bezahlter Freistellung, Büchergeld oder unkomplizierter Arbeitszeitverlagerung, sagte Unternehmenssprecher Christoph Schumacher. "Voraussetzung ist jedoch, dass die Weiterbildung für Infineon einen Mehrwert bietet."

Volkshochschule Dresden 37.200 Kursbuchungen

An der Volkshochschule in Dresden wurden laut Sprecherin Regina Molke 2018 die 3250 Kurse der Erwachsenenbildung etwa 37 200 Mal gebucht. Dabei reicht das Spektrum von Sprachkursen über Computerkurse bis hin zu Kursen zur Persönlichkeitsbildung.

Eingang zu einer Volkshochschule.
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Quelle: MDR/dpa/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN -Das Sachsenradio | 21.09.2019 | 16:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2019, 12:24 Uhr

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