Ein Lehrer an der Tafel in einer Klasse.
Sachsens Bildungspolitiker haben gerechnet und mit Zahlen gezirkelt für ihr Lehrerpaket, um Lehrermangel und schlechtes Image der Lehrkräfte zu beseitigen. Bildrechte: Colourbox.de

Kabinettsentscheid Sachsens Lehrer werden verbeamtet und teilweise höhergruppiert

Das Lehrerpaket für Sachsen verfolgt zwei Ziele. Einerseits soll es helfen, junge Leute für den Lehrerberuf zu interessieren und sie nach dem Referendariat im Land zu halten. Andererseits sollen auch die älteren Kollegen gewürdigt werden, die seit Jahren trotz Lehrermangel und Problemen das System Schule stärken und mit Schwung unterrichten. "Wir werden nicht alle Erwartungen vollends erfüllen können", sagte Kultusminister Christian Piwarz bei der Vorstellung des Programms - hier im Überblick.

Ein Lehrer an der Tafel in einer Klasse.
Sachsens Bildungspolitiker haben gerechnet und mit Zahlen gezirkelt für ihr Lehrerpaket, um Lehrermangel und schlechtes Image der Lehrkräfte zu beseitigen. Bildrechte: Colourbox.de

Verbeamtung und Lohnerhöhungen

Ab 1.1.2019 können alle Lehrer bis 42 Jahre und Referendare als Berufseinsteiger verbeamtet werden. Momentan sind von den 33.000 Lehrern in Sachsen 6.000 Lehrer unter 42 Jahren alt. Für sie gelte der Stichtag. "Es gibt keine Übergangsfristen", erklärte Kultusminister Christian Piwarz.
Das Verbeamtungsalter werde ab 2019 für den gesamten öffentlichen Dienst in Sachsen auf 42 Jahre herabgesenkt. Bislang galt für andere Berufsgruppen bei Polizei, Verwaltung und an Hochschulen die Altersgrenze für Verbeamtung von 47 Jahren.

Dass Sachsen verbeamtet, soll bis 2024 möglich sein. "Nach den ersten drei Jahren werden wir schauen, ob die Verbeamtung die Wirkung erzielt, die wir uns davon erhoffen. Dann muss politisch neu entschieden werden", sagte Kultusminister Piwarz. Das gesamte Lehrerpaket sei auf fünf Jahre angelegt. Bis 2024 verbeamtete Lehrer behalten ihren Status auch darüber hinaus.

Lehrer sollen höhergruppiert werden in die Entgeltstufe E 13. Das gilt auch für Grundschullehrer, die nach Worten von Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange "in den letzten Jahren ein bisschen übersehen" worden sind.
Es soll 20 Prozent Beförderungsstellen für nicht verbeamtete grundständig ausgebildeten Lehrkräfte an den weiterführenden Schulen geben. Das heißt, Lehrer können unter bestimmten Voraussetzungen in die Entgeltstufe 14 aufsteigen.

Etwa 4.000 Lehrer arbeiten zur Zeit in Sachsens Schulen, die ihren Abschluss nach DDR-Recht haben. Auch sie sollen künftig bessergestellt werden und gleiches Geld für gleiche Arbeit bekommen.

Geldanreize und Prämien

Künftig soll es Leistungsprämien für Lehrer geben. Dafür steht ein Budget von neun Millionen Euro pro Jahr bereit. Über die Prämie entscheiden Schulleiter und die Personalkonferenz.

Eine Rentnerin hält einen Geldbeutel mit verschiedenen Euroscheinen.
Wer als Lehrer statt Rente zu genießen, Personallücken füllt, soll dafür belohnt werden. Bildrechte: dpa

Ältere Lehrer sollen eine Bindungszulage bekommen, wenn sie über ihr Rentenalter hinaus noch im Schuldienst arbeiten. Momentan machen das 800 Fachkräfte. Künftig soll auch ein Programm für Seniorlehrkräfte starten. Dabei können Lehrer ab 63 Jahren auf Honorarbasis ihre Erfahrungen in den Schuldienst einbringen, ohne selbst vor einer Klasse zu unterrichten.

Die Koalition hat sich auch auf ein Teilzeitmodell geeinigt und nennt das "Flexiteilzeit". Dafür können Lehrer jetzt zwei Stunden mehr fürs gleiche Geld arbeiten und ab 2023/24 zwei Stunden weniger ohne Geldeinbußen.

Garantien für Referendare

Referendar am Overheadprojektor
Sachsen rechnet mit mindestens 2.000 Studienanfängern für die Lehrämter. Bildrechte: IMAGO/Michael Weber

Referendare werden auch verbeamtet. Sie sollen eine Einstiegsgarantie bekommen, wenn sie an Grund- und Förderschulen oder Oberschulen arbeiten. Diese Garantie gibt es nicht für die Schulart Gymnasium. Wissenschaftsministerin Stange versprach, dass Referendare zügig diese Zusagen bekommen, damit keine Wartezeiten entstünden, in denen sich die jungen Leute bisher oft in anderen Bundesländern bewarben, um nicht mit leeren Händen dazustehen.

Die Ausbildung soll für Referendare im ländlichen Raum gestärkt werden. Die Regierungskoalition einigte sich auf zwei zusätzliche Ausbildungsstätten in Ost- und Westsachsen. Wo genau diese Standorte sein sollen, sei noch nicht festgelegt. Am 1.8.2018 sollen sie jedoch für die Referendare öffnen. Die Grundschulausbildung an der TU in Chemnitz sei auch für die nächsten Jahre gesichert. Die Uni bekommt dauerhaft zusätzlich 29 Stellen.

Schüler und Unterricht

Lehrerin und Schüler mit Mikroskop
Ganz genau unter die Lupe genommen werden sollen die Lehrpläne in Sachsen. Wo kann entschlackt werden? Bildrechte: colourbox.com

Das Ganztagsangebot soll mit 13,5 Millionen Euro stärker unterstützt werden.
Die Unterrichtsbelastung für Sachsens Schüler soll um vier Prozent sinken, was etwa einer Schulstunde in der Woche entspricht. Neue Lerninhalte zu digitalen Medien und politischer Bildung sollen in die Lehrpläne kommen, anderes gelte es zu überprüfen. "Deshalb müssen wir uns die Lehrpläne genau ansehen", meinte Kultusminister Piwarz.

Außerdem sollen 20 weitere Schulpsychologen eingestellt werden. Ob sich dafür Bewerber in geeigneter Zahl fänden, sei noch offen. "Auch Psychologen scheinen rar zu sein", sagte Minister Christian Piwarz.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema auch im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 09.03.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2018, 12:05 Uhr