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Rentner, Alleinerziehende, Familien Wer hat es in Sachsen am schwersten, eine bezahlbare Wohnung zu finden?

Bezahlbare Wohnungen sind auch im Freistaat Mangelware. Aber wie viel können die Sachsen - Single oder Familie - eigentlich für eine Wohnung zahlen? Und wie hoch sind die Mieten tatsächlich? Das wurde jetzt in einer Studie der Wohnungsgenossenschaften untersucht.

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Rentner, kinderreiche Familien und Alleinerziehende haben in Sachsen deutlich mehr Probleme, bezahlbaren Wohnraum zu finden als andere Bevölkerungsgruppen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Verbandes der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften. Referent Sven Winkler sagte MDR SACHSEN, mit steigender Kinderzahl stiegen auch die Probleme bei der Wohnungssuche. Nach Ansicht des Verbandes sind weniger die aktuellen Miethöhen in Sachsen das Problem als vielmehr die vergleichsweise niedrigen Einkommen.

Was ist bezahlbares Wohnen? Die Untersuchung der Wohnungsgenossenschaften hat gezeigt, dass für einen Großteil der Bevölkerung eine Nettokaltmiete von 6,50 Euro pro Quadratmeter die absolute Obergrenze ist. Für den Neubau muss der Begriff bezahlbar anders definiert werden: Die infolge der Baukosten erforderliche Miete von mehr als zehn Euro pro Quadratmeter ist nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung finanzierbar – sowohl in den Ballungszentren als auch im ländlichen Raum. Deshalb ist der Studie zufolge ein Mietniveau von rund acht Euro anzustreben. Die durchschnittliche Kaltmiete lag zum 31. Dezember 2017 bei den sächsischen Wohnungsgenossenschaften bei 4,82 Euro pro Quadratmeter.

Alleinstehende Rentner haben es am schwersten

Am schwierigsten ist die Wohnsituation in Sachsen laut Studie für alleinstehende Rentner. Ihre maximal bezahlbare Kaltmiete liegt bei 3,88 Euro pro Quadratmeter. Deshalb gelten alleinstehende Rentner auch als armutsgefährdet. Knapp 19 Prozent der sächsischen Bevölkerung sind derzeit alleinstehende Rentner. Und die Zahl wird in Zukunft noch steigen: 422 von 1.000 Sachsen sind derzeit mindestens 65 Jahre alt. Bis 2030 sollen es bereits 587 von 1.000 sein. Damit hätten noch mehr Menschen Probleme, bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Solange Rentner als Paare zusammenleben, sieht die Situation besser aus: Dann können sie eine Miete von bis zu 7,23 Euro pro Quadratmeter finanzieren. Stirbt ein Partner oder wird er zum Pflegefall, rutschen sie in die Armutsgefährdung. Insgesamt wird der Anteil der Armutsgefährdeten in Sachsen auf etwa 20 Prozent geschätzt. Folglich hat jeder fünfte Haushalt in Sachsen Schwierigkeiten, aufgrund seines Einkommens eine Wohnung anzumieten beziehungsweise ist aufgrund seines Einkommens auf bestimmte Vermieter oder Regionen beschränkt.

Niedriges Rentenniveau verschlimmert Situation

Ein weiteres Problem sind die zum Teil niedrigen Renten in Sachsen: Aufgrund des Wegfalls ganzer Industriezweige nach der Wende waren zahlreiche Menschen von zumindest temporärer Arbeitslosigkeit betroffen. Die Folge sind gebrochene Erwerbsbiografien, die dazu führen, dass bis zum Eintritt ins Rentenalter weniger Rentenpunkte gesammelt werden konnten.

Auch die Entwicklung des Rentenniveaus verschärft die Situation: Aktuell ist es so, dass ein Rentner, der 45 Arbeitsjahre nachweisen kann, im Jahre 2031 vor Abzug der Steuern noch ein Einkommen von 44,6 Prozent des Einkommens eines durchschnittlichen Arbeitnehmers haben wird. Der Sozialbeirat der Bundesregierung hat für das Jahr 2060 Rentenniveaus von nur noch 36 bis 43 Prozent vorhergesagt.

Übrigens …
Die Zahl der Menschen, die in Teilzeit arbeiten, hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Das führt bei diesen Menschen zwangsläufig auch zu niedrigen Renteneinkünften in der Zukunft.

Besonderheit in ehemaligen Bergbauregionen Weite Teile Sachsens, vor allem die Lausitz, sind, beziehungsweise waren, vom Bergbau geprägt, der seit der Wiedervereinigung stark rückläufig ist. Bergarbeiter und zum Teil ihre Hinterbliebenen haben Anspruch auf sogenannte Knappschaftsrenten. Diese liegen im Durchschnitt oberhalb der regulären gesetzlichen Renten. Aufgrund des Einbruchs des Bergbaus geht die Zahl der Knappschaftsrentenempfänger stetig zurück. Somit verschlechtert sich auch die Versorgungsqualität der Menschen in diesen Regionen.

Alleinerziehende: Zeit für Kinder versus Geld für Miete

Auch Alleinerziehende haben in Sachsen große Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Ihre maximal finanzierbare Miete liegt zwischen 4,14 Euro bei niedrigem Teilzeiteinkommen und bei 4,82 Euro bei mittlerem Teilzeiteinkommen. Nur wenn Alleinerziehende in Vollzeit arbeiten, verbessert sich ihre Situation: Sie können dann eine Kaltmiete von bis zu 9,42 Euro pro Quadratmeter zahlen. Die Studie kommt damit zu dem Schluss, dass sich Alleinerziehende oft entscheiden müssen: Entweder sie haben Zeit für ihre Kinder oder sie können sich teurere Mieten leisten.

Familien: Je mehr Kinder, umso weniger Geld

Ein Ergebnis der Studie ist auch, dass es Familien schwer haben, angemessen große Wohnungen zu finden. Vor allem 4-Raum-Wohnungen und größere Wohnungen sind Mangelware. Bei den sächsischen Wohnungsgenossenschaften sind rund 87 Prozent aller Wohnungen 1-, 2- oder 3-Raum-Wohnungen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Familien in vielen Fällen nur in Neubauwohnungen noch entsprechend große Wohnungen finden. Allerdings sind die Mieten für Neubauwohnungen höher als für Bestandswohnungen. Die Studie kommt somit zu dem Ergebnis, dass die erforderlichen Mieten für kaum eine Familie finanzierbar sind.

Kinder als Armutsrisiko

Besonders erschreckend, so der Verband, hat sich die Situation für Familien dahingehend dargestellt, dass die maximal finanzierbaren Mieten mit zunehmender Kinderzahl abnehmen. Während die maximal zahlbare Miete bei Familien mit niedrigem Teilzeit- oder Vollzeiteinkommen mit einem Kind noch bei 8,77 Euro pro Quadratmeter liegt, liegt sie bei drei Kindern nur noch bei 7,74 Euro pro Quadratmeter. Folglich müssen Kinder noch immer als Armutsrisiko angesehen werden. Besonders Familien mit mehreren Kindern haben große Schwierigkeiten, eine bezahlbare Wohnung zu finden.

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36 Kommentare

07.03.2019 16:08 Wolfgang Friedrich 36

30 Jahre nach der Wende erlauben die wirtschaftlichen Verhältnisse offenkundig keine befriedigenden Verhältnisse am Wohnungsmarkt. Sicher ist es richtig, dass viele Sachsen von Kaltmieten 4,14 und 4,82 Euro p. m2 überfordert sind. Aber sind die Vermieter allesamt gewissenlose, gierige Schurken, die jenseits von Bau und Erhaltungserfordernissen stinkreich sind? Wer aufmerksam durch Sachsens Städte geht, sieht mit Entsetzen, wie der Aufbruchstimmung der Nachwendezeit vielerorts Verfall nachfolgt. Das Ausspielen von Mietern und Vermietern ist das eigentliche Schurkenstück. Wir erzielen im voll sanierten Haus 4,00 Euro p. m2 kalt. Das Finanzamt wirft uns mangelndes Einnahmeinteresse vor, anstatt schamvoll einzugestehen dass Demokraten in den letzten 30 Jahren weniger erfolgreich waren als belastete Politiker nach 1945 in Alt-BRD. Dort wurden ein Wirtschaftswunder organisiert, von wir nach 30 Jahren träumen dürfen. Unter solchen Umständen hätten Südkorea, Singapur ... auch nichts erreicht.

07.03.2019 09:28 Hempel U. Sofa 35

"Kinder als Armutsrisiko"
das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
"Der Kapitalismus tötet seine Kinder" steht irgendwie doch mit dabei.
An alle gewählten Volksvertreter denkt mal über folgende Frage nach:
"Was haben wir und unsere Vorgänger falsch gemacht das es soweit kam?"
und bitte zieht mal Schlüsse daraus. Benutzt das Gehirn mal nicht zu eurem Vorteil sondern zum Vorteil eurer Wähler denn dafür bekommt Ihr eure Geld,Pensionen und die 1000 anderen Vorzüge!!!

06.03.2019 09:34 Wolpertinger 34

@05.03.2019 21:27 Walter
"Genuss muss auch sein."
Es sei Ihnen gegönnt =).

06.03.2019 09:06 mare nostrum 33

@ 19

Wer sind diese "illegalen Einwanderer"? -

Sollten Sie auf Flüchtlinge (und im weiteren Sinne Minderheiten aus anderen EU-Staaten) Bezug nehmen, dann muss gesagt werden, dass diese Bevölkerungsgruppen den Wohnungsmarkt unfreiwillig BELEBT haben, denn nunmehr können selbst Schrott-Immobilien zu erpresserischen Preise an den Mieter gebracht werden.

Die deutschen Vermieter, der womöglich offiziell einen auf Ausländerfeind machen, freut's ...

Geld stinkt leider nicht.

06.03.2019 00:26 DER Beobachter 32

Angesichts der realen Wohn-, Miet-, Lohn- und Rentenentwicklungen hier in DD und Sachsen vermisse ich denn doch glaubwürdige und realistische Statements der Parteien und "Bürgerbewegungen" einschließlich der AfD.

06.03.2019 00:19 DER Beobachter zu Atze 17 31

Zumindest meine Mutter, Mitte 80, geistig völlig fit und politisch interessiert, hat sehr deutliche Worte für die Demos der jüngeren Pegid-AfD-Rentner... ;)

06.03.2019 00:14 DER Beobachter zu Zeitgeist 16 30

Unterm Strich Ihres sehr guten, treffenden Statements ist also "die Dame und ihre weltweite Einladung" mindestens nicht allein verantwortlich für die Wohn- und Mietentwicklung der letzten Jahre...

06.03.2019 00:05 DER Beobachter @ Emil 21 und Corinna 19 29

Möglich, dass die Ausländerzuwanderung das Wohnungsproblem verschärft oder ihm den Rest gegeben habe. Ich zweifle in DD an dieser Deutung. Sie deuten ja selbst in Ihrer Formulierung an, dass das Problem auch ohne diese Ausländerzuwanderung bestanden hat. In der Tat zeichnet es sich schon länger ab. Da, wo ich in DD wohne, gibt es kaum die von Ihnen angedeutete Zuwanderung "prekärer" Ausländer. Trotzdem steigen die Mieten und Neugrundstückspreise v.a. für Neumieter und -käufer, sogar stärker als in den prekären Dresdner Vierteln, wo die an allem schuldigen Ausländer angesiedelt werden. Ich lebe zum Glück in einer Genossenschaftswohnung, wo die Preise etwas moderater gestiegen und die Hausmeister- und Verwaltungsbetreuung etwas moderater gesunken sind als bei den von der Vonovia bzw. Privatvermietern übernommenen Grundstücken direkt nebenan...

05.03.2019 23:43 DER Beobachter zu Almaviva 28

Helmut wusste schon, warum er ausgerechnet in hier Dresden, aber nicht in Berlin, Leipzig oder sonst im Osten auftreten und Leuchttürme versprechen konnte. Das sagen auch seine damaligen Weggefährten mehr oder weniger deutlich. In keinem anderen ostdeutschen Land hinken die Lohn- und damit Rentenentwicklungen so sehr den wirtschaftlichen Entwicklungen hinterher wie hier in Sachsen... ;) ;(

05.03.2019 23:22 DER Beobachter @ Ein schon länger... 22 27

Subventionierungen und Wohnungsmarktentwicklungen sind eher kommunal und landesspezifisch bedingt. In Sachsen und Dresden spielt und spielte die SPD seit mittlerweile 25 Jahren eine untergeordnete Rolle... Wohnungs-Neu- und Ausbau hier in DD lohnt sich aufgrund des Bedarfs durchaus. Deswegen wird alles zugebaut und steigen Mieten zu oft in einer Weise, die den Mieterschutz auf den Plan ruft...

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