Schadensbilanz Flut 2013 Juni-Hochwasser auch in Regionen, die das jahrhundertelang nicht kannten

Das Juni-Hochwasser 2013 spülte Häuser, Straßen, Firmen, Felder mit Ernten und Landflächen weg. Milliardenschäden wurden gemeldet. Zehntausende Sachsen waren betroffen, ebenso viele halfen nach der Flut beim Aufräumen mit. 86 Prozent aller sächsischen Kommunen meldeten Schäden durch das Hochwasser. Ein Überblick.

von Kathrin König

Diverse Ortsteile von Zeithain aus der Luft
Das Luftbild zeigt mehrere Elbdörfer. Die Ortsteile von Zeithain standen 2013 unter Wasser. Auf einer Länge von 230 Kilometern mussten Deiche vorwiegend an Elbe und Mulde nach der Flut sofort repariert werden. Bildrechte: Sven Böttger

Ab Ende Mai 2013 treten Bäche und Flüsse in acht Bundesländern über die Ufer. Weite Teile Ost- und Süddeutschlands werden dadurch überflutet. Die höchste Schadenslast vermeldet laut Versicherungswirtschaft das Bundesland Sachsen. Auslöser ist Ende Mai 2013 heftiger Dauerregen, der tagelang anhält und auf durchnässte Böden nach einem schon sehr feuchten Frühjahr trifft. In Dresden wird sogar ein Minitornado über dem Lockwitzgrund registriert. Kleine Bäche wie der Marienbach in Marbach, der Pleißebach in Chemnitz oder die Zwönitz werden zu reißenden Strömen. Mulde und Elbe schwellen zu braunen, reißenden Flüssen an. Denn: "Es sind auch viele kleine Bachläufe und Flüsse, die in bisher ungeahntem Maß über die Ufer treten. Durch Deichbrüche werden Regionen überflutet, in denen es seit Jahrzehnten, zum Teil seit Jahrhunderten kein Hochwasser gab", erinnert sich der ehemalige Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland.

Katastrophenalarm und Land unter

Viele Flüsse erreichen historische Pegelmarken. Allein in Sachsen brechen 40 Deiche, die Talsperre Pirk läuft über, die Innenstädte von Grimma, Döbeln und Waldheim werden komplett überschwemmt, ebenso Dörfer rings um Riesa. Viele Innenstädte an der Elbe und Mulde stehen teilweise unter Wasser, Stadtteile von Pirna, Chemnitz und Dresden müssen evakuiert werden. Meißen meldet Land unter, Schulen und Krankenhäuser schließen, zehntausende Einwohner sind auf Hilfe der Kommunen angewiesen. In vielen Gemeinden fallen Strom, Internet und Telefone aus, Busse und Bahnen fahren tagelang nicht. Landwirte beklagen auf einer Fläche von 33.000 Hektar Ernteschäden oder Totalausfälle für das Jahr 2013. Die Tourismuswirtschaft muss Einbrüche bei Übernachtungsbuchungen mitten im Hochsommer hinnehmen.

Nach Angaben der Sächsischen Landesregierung melden 378 von insgesamt 438 sächsischen Kommunen Schäden als Folge des Juni-Hochwassers 2013. Dabei ist die regionale Last unterschiedlich hoch verteilt. Die meisten Schäden müssen die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Leipzig, Mittelsachen und Meißen verkraften. Der Gesamtschaden wird auf 1,8 Milliarden Euro beziffert. Später muss die Landesregierung die Summe nach oben korrigieren, auf mehr als 2,4 Milliarden Euro für Sachsen.

Schäden verheerend, aber geringer als 2002

Obwohl das Juni-Hochwasser 2013 gravierende Schäden in den Hochwassergebieten hinterlässt, erreicht es nicht die Schadenssummen und Ausmaße des August-Hochwassers 2002, urteilt das Sächsische Umweltministerium in seiner Schadensbilanz. Darin heißt es: "Die im Vergleich zum Hochwasser im August 2002 verbesserten Hochwasservorhersagen und Warnungen ermöglichten es den betroffenen, ihr Hab und Gut rechtzeitig in Sicherheit zu bringen." Zudem hätten die Hochwasserschutzmaßnahmen die nach 2002 ergriffen worden waren, dazu beigetragen, dass die Schäden 2013 deutlich unter denen von 2002 lagen, urteilt Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt. Seinen Angaben zufolge hat Sachsen seit 2002 mehr als 2,6 Milliarden Euro in Hochwasserschadenbeseitigung und vorbeugenden Hochwasserschutz gesteckt.

Vergleich Schäden Hochwasser 2013 und 2002 in Sachsen
Schaden 2013 2002
Todesopfer 1 21
Verletzte 21 110
Summe gemeldeter Schäden 2,4 Mrd. Euro 8,63 Mrd. Euro
Anzahl beschädigter o. zerstörter Wohngebäude 13.000 25.652

Quelle: Schadensbilanz des Sächsischen Umweltministeriums

Frühwarnsystem für Sachsen

Eine Folge der verheerenden Hochwasser sind Frühwarnsysteme für Bürger in 16 Regionen Sachsen. Seit März 2018 will man von Dresden aus rechtzeitig vor Hochwasser durch plötzlichen, örtlich begrenzten Starkregen warnen. Auf der Homepage des Landeshochwasserzentrums (LHWZ) werden Prognosen alle drei Stunden aktualisiert. Eine App ist für 2019 geplant.

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 04.06.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2018, 10:21 Uhr

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