Ein Junge schreibt im Klassenzimmer an die Tafel.
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20.06.2019 | 12:46 Uhr Genug Unterschriften für Volksantrag für Gemeinschaftsschule in Sachsen

Ein Junge schreibt im Klassenzimmer an die Tafel.
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Das Bündnis "Gemeinschaftsschule in Sachsen - Länger gemeinsam Lernen" hat ausreichend Unterschriften für einen Volksantrag gesammelt. Wie die Initiative erklärte, liegen 41.353 Unterschriften vor. Damit ist das nötige Quorum von 40.000 Stimmberechtigten erreicht. Bis zum 17. Juli wird weiter gesammelt. "Um auf der sicheren Seite zu sein, kann ein Puffer bei der Übergabe an den Landtagspräsidenten nicht schaden", sagte Koordinator Burkhard Naumann am Donnerstag in Dresden. Die Übergabe findet voraussichtlich Mitte August statt.

Was ist eine Gemeinschaftsschule? In einer Gemeinschaftsschule können die Kinder von Klasse 1 bis Klasse 12 gemeinsam lernen - über die Klasse 4 hinaus. Damit enfällt eine Bildungsempfehlung für Gymnasium oder Oberschule. Die Gemeinschaftsschule besteht aus der Primarstufe (Klasse 1 bis 4), der Sekundarstufe I (Klasse 5 bis 10) und der Sekundarstufe II (Klasse 11 und 12 bzw.13). Die Schülerinnen und Schüler können den Hauptschulabschluss, den qualifizierenden Hauptschulabschluss, den Realschulabschluss sowie das Abitur erwerben.

Das Bündnis will die Gemeinschaftsschule als "Optionales Modell" ins Schulgesetz einfügen. Damit wären sie keine Pflicht, sondern eine zusätzliche Möglichkeit für Schulen oder Schulträger. Die Schulen sollen selbst bestimmen, ob sie nach diesem Konzept unterrichten möchten. Dabei soll auch der Wille der Eltern berücksichtigt werden.

Das Bündnis will per Volksantrag Änderungen des sächsischen Schulgesetzes sowie des Gesetzes über die Schulen in freier Trägerschaft erreichen. Die Gemeinschaftsschule soll als zusätzliche Schulart in Sachsen ermöglicht werden. Seit September wurden Unterschriften gesammelt.

CDU lehnt Gemeinschaftsschule ab, Linke, Grüne, SPD und AfD sind dafür

Linken-Fraktionsvorsitzender Rico Gebhardt sprach von einem "historischen Erfolg". "Zum ersten Mal nach 15 Jahren gibt es in Sachsen eine erfolgreiche Gesetzgebungsinitiative aus der Bevölkerung." Er erwarte, dass die CDU die anstehende Debatte sachlich führe und den Wunsch vieler Menschen im Freistaat für eine Gemeinschaftsschule respektiere.

Sachsens SPD-Chef und Wirtschaftsminister Martin Dulig sprach von einem klugen Gesetzentwurf. "Die Entscheidung für eine Schullaufbahn im Alter von zehn Jahren treffen zu müssen, ist einfach viel zu früh."

Ähnlich äußerte sich Wolfram Günther von den sächsischen Grünen: Es brauche die Gemeinschaftsschule, "damit mit der Wahl der Schulart nicht zu früh über komplette Lebenswege entschieden wird". Auch könnten mit dem Modell Schulstandorte in ländlichen Regionen erhalten werden.

Die AfD-Sachsen begrüßt das Ergebnis der Unterschriftensammlung. Landtagsfraktionssprecher Andreas Harlaß verwies auf das Wahlprogramm seiner Partei, dort sei das längere gemeinsame Lernen bis Klasse 8 als politisches Ziel fest verankert.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagstagsfraktion, Lothar Bienst, sieht die Einführung von Gemeinschaftsschulen dagegen kritisch. Bundesländer, die diesen Weg gegangen seien, hätten starke Leistungseinbrüche verzeichnet. Bienst kündigte an, seine Fraktion werde sich mit den Sorgen der Unterzeichner auseinandersetzen und wolle "Argumente deutlich machen, die für das gegliederte Schulsystem mit Grundschulen, einer starken Oberschule und leistungsorientierten Gymnasien sprechen".

Was ist ein Volksantrag? Das Volk kann in Sachsen Gesetze auf den Weg bringen. Einen Volksantrag müssen mindestens 40.000 Stimmberechtigte unterstützen. Nur eine Unterschriftensammlung reicht allerdings nicht: Dem Volksantrag muss ein Gesetzentwurf zugrunde liegen. Beides wird dem Landtagspräsidenten übergeben. Erklärt er den Volksantrag für zulässig, wird er im Landtag behandelt, in zuständigen Ausschüssen beraten und zur Abstimmung gestellt. Nimmt das Plenum den Volksantrag an, wird das Gesetz verkündet und tritt in Kraft.

Quelle: MDR/jr/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.06.2019 | 13:00 Uhr in den Nachrichten

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7 Kommentare

21.06.2019 11:20 Hani 7

Die Ostdeutschen hatten ein gutes und erfolgreiches Bildungssystem, einheitliche Lehrpläne, Schulbücher und vergleichbare Prüfungen. Die polytechnische und naturwissenschaftliche Bildung waren vorbildlich. - Die technologischen Ressourcen u. das Wirtschaftssystem waren bekanntlich die Hemmfaktoren. Die Facharbeiter aus der DDR waren begehrt und der Westen hat davon über Jahre PROFITIERT. - Wenigstens sollten alle Ostdeutschen Länder sollten dieses einheitliche Bildungssystem wieder einführen: 8-4 (2) - 4 (Studium), auch das Leistungsprinzip und nicht "wie hätte ich es gerne" und "jeder macht wie er will" - Und nach einer Einführungszeit - machen wir eine PISA -Studie ...
Stattdessen haben "Westideologen" das Kommando in den Institutionenübernommen und die DDR-Ressourcen okkupiert. Quo vadis.

21.06.2019 08:38 Lina Frank 6

Gemeinschaftsschulen/Gesamtschulen von der1. bis zur 12. Klasse sollten in GANZ Deutschland eingeführt werden und alle anderen Schulformen Hauptschule, Realschule, Förderschule konsequent abschaffen und das Gymnasium sollte als eine Wahloption für sehr leistungsstarke Schüler erhalten bleiben. So ist es in den meisten Ländern der Welt!
Für viele10jährige Kinder und deren Elternsortiert zu werden und Schul-und Klassenverband zu wechseln ist eine enorme Belastung. Für "Förderschüler" sollen innerhalb einer Regelschule Förderklassen oder Integrstionsklassen angeboten werden.

20.06.2019 23:39 Willy 5

Ich finde den Vorschlag großartig. Die Entscheidung pro oder contra Gymnasium in so jungen Jahren und die Trennung der Schüler in elitäre Gymnasiasten und übrig gebliebene Oberschüler ist ein Westmodell und schreit nach Alternativen. So können Kinder aus allen sozialen Schichten und mit unterschiedlichen Zielabschlüssen gemeinsam lernen und partizipieren voneinander. Ich sehe nur Vorteile in dem Schulmodell, die Bedenken der CDU sind mir egal. Pisa hin oder her, die Leistungen werden dennoch gut ausreichen, um später einen guten Job zu machen.

20.06.2019 15:35 Dietmar Scheffler 4

Ein sehr vernünftiges Projekt und die Sachsen können damit zukunftsweisend umgehen, die Ängste der CDU sind überflüssig, sie sollten mal modern Denken und eine GRUPPE fehlt wieder! !! Warum?

20.06.2019 14:00 Taddäus Punkt 3

@ mdr: Sorry und Danke.

20.06.2019 13:28 Taddäus Punkt 2

Nur mal so als Hinweis: Auch im Wahlprogramm der sächsischen AfD ist das längere gemeinsame Lernen bis Klassenstufe acht enthalten.

Also ihr sächsischen Eltern: Wählt im September weise.

[Lieber Taddäus Punkt, danke für Ihren Beitrag. Wir möchten Sie an einen Punkt unsere Netiquette erinnern: Wahl- und Parteienwerbung aller Art sind hier nicht erwünscht.
https://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

20.06.2019 13:16 J.Heder 1

Das ist eine sehr gute Idee welche da verfolgt wird. Dies erinnert in vielen Zügen an die polytechnischen Oberschulen der DDR. Einige skandinavische Länder; z. B. Finnland haben dieses System schon lange übernommen und sollen damit sehr zufrieden und erfolgreich sein. Ich persönlich könnte mir eine Unterstützung dieses Projektes sehr gut vorstellen.
Kein Wunder das die CDU dagegen ist, es ist etwas aus der DDR-Zeit und würde das aktuelle, angestaubte Schulsystem modernisieren helfen. Es könnte evtl auch das Problem des Lehrermangel entschärfen helfen.

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