Bundeskanzlerin am Freitag in Sachsen Besuch einer polarisierten Stadt: Merkel kommt nach Chemnitz

Ende August starb ein Chemnitzer bei einer Messerattacke. Die Hintergründe werden noch ermittelt. Doch der Tod des 35-Jährigen wurde sofort von Rechten instrumentalisiert. Seitdem kommt Chemnitz nicht zur Ruhe. Erstmals seit den Ereignissen besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel die drittgtößte Stadt in Sachsen. Die Oberbürgermeisterin und viele Bewohner hätten sich so einen Besuch gleich nach den Ausschreitungen gewünscht.

Blumen und Kerzen liegen auf einem Weg in der Chemnitzer Innenstadt.
Bildrechte: dpa

Erstmals nach dem Tod des Chemnitzers Daniel H. Ende August und den heftigen Auseinandersetzungen in der Stadt besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag Chemnitz. Sie wird unter anderem Vertreter der Stadt bei einem nichtöffentlichen Termin treffen und ist zu einem zweistündigen Leserforum mit 120 Gästen der Zeitung "Freie Presse" eingeladen. Die Veranstaltung überträgt der MDR im Livestream ab 15:30 Uhr. Die rechtsextreme Bürgerinitiative "Pro Chemnitz" will am späten Nachmittag gegen den Besuch der Kanzlerin demonstrieren. Beobachter schließen weitere Kundgebungen und Proteste gegen die rechte Gruppierung nicht aus.

Der Terminplan der Kanzlerin in Chemnitz Der Terminplan der Kanzlerin in Chemnitz
Am Freitag um 13 Uhr besucht Angela Merkel die Basketballer des "BV Chemnitz 99" (NINERS).

Danach ist ein Gespräch mit Stadtvertretern geplant, das hinter geschlossenen Türen stattfinden soll.

Von 16 bis etwa 18 Uhr laufen die Bürgergespräche in der Richard-Hartmann-Halle, die die Zeitung "Freie Presse" organisert. Es steht unter dem Motto: "Leser fragen die Kanzlerin". Einlass ist von 14 bis 14.30 Uhr.

Oberbürgermeisterin enttäuscht über Merkel

Vor dem Besuch der Bundeskanzlerin hatte sich die Oberbürgermeisterin von Chemnitz, Barbara Ludwig (SPD) im Gespräch mit MDR SACHSEN enttäuscht über Merkel geäußert. "Ich hatte die Kanzlerin Anfang September eingeladen, also unmittelbar nach den schlimmen Ereignissen, als das Erlebnis der Trauer noch sehr frisch und noch sehr authentisch war." Ludwig wollte mit Merkel und vielen Menschen bei einem Bürgerdialog über das Thema Flüchtlinge diskutieren. Die Kanzlerin hätte ihrer Meinung nach mit dazu beitragen können, die Ereignisse in Chemnitz aufzuarbeiten. Sie hätte, "sich vielleicht mal einen ganzen Tag Zeit nehmen sollen für diese Stadt und mit den Bürgern ins Gespräch kommen sollen. Das ist jetzt zu spät", sagte Ludwig. Ein konkretes Datum für den Besuch sei im September nicht vereinbart worden.
Zum Besuch der Kanzlerin bei der Regionalzeitung sagte Ludwig, das sei nicht das Format, zu dem sie die Kanzlerin geladen habe. Sie hofft, dass Angela Merkel während des zweistündigen Leserforums am Freitag möglichst viele Fragen, Wünsche und Ängste der Bürger annehmen werde.

Chemnitzer meiden Innenstadt

Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte die Ereignisse in Chemnitz als "Bewährungsprobe" für Sachsen bezeichnet. Einwohner der Stadt beurteilen die Stimmung als verändert und aufgekratzt. Viele fühlen sich nicht mehr sicher. "Man kann nur darauf hoffen, dass sich die Sache im Laufe der Zeit wieder normalisiert. Aber die Lösung kann doch nicht sein, dass an jeder Ecke ein Streifenwagen steht. Was hätten wir denn da für ein Lebensgefühl", fragt sich der Chemnitzer Matthias Meier. Seine Ehefrau geht nicht mehr allein in die Innenstadt, auch die Enkel würden von der Tochter begleitet. Den Kanzlerin-Besuch in ihrer Heimatstadt sehen die Meiers nicht mehr als Zeichen, denn: "Merkel kommt zu spät."

Quelle: MDR/kk/mw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.11.2018 | ab 5:30 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 16.11.2018 | 19 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 16. November 2018, 12:04 Uhr

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140 Kommentare

18.11.2018 08:13 mare nostrum 140

Zum Mitmeißeln für Foristen, die es (eigentlich nicht) wissen wollen:

Ich bin der Meinung, dass die Lehren des Holocaust durch die Wiederholung politischer Teilnahmslosigkeit, Flüchtlingsabwehr und Feigheit annulliert werden und dass Deutschland aus der Geschichte nicht nur lernen, sondern auch handeln muss.

Unter diesem Aspekt halte ich die Flüchtlingspolitik von Frau Merkel für richtig. Auch wenn die obszön leuchtende Menschenverachtung den Alltag der Mehrheitsgesellschaft gekapert hat und sich ein gewisser Prozentsatz unter Pegida- und AfD-Flaggen längst zum Teil des brutalen Spektakels hat machen lassen – ohne mich.

Was unter Menschen zählt, ist die Menschlichkeit; dazu gehören kleine und größere Gesten im Alltag ...

17.11.2018 18:27 DER Beobachter @ werner 118 etc. 1 139

Habe auch keinen Zugang zu Foren, wo man sich als Leser extra anmelden müsste oder so. Reichen schon die Infos, die man aus frei zugängl. Foren bekommt + dahin verlinkte Texte. Zu Ch. gabs da z.B. einen freien Hashtag, auf dem von Personen verschied. Spektren von linksextrem bis rechtsextrem einschl. die Polizei Sa. schrieben und verlinkten. Auf dem war die reine, zuverl. Sachinformation eines besonderen Schutzes fremder Händler durch Polizei zu entnehmen, ebenso wie die Talmudfälschung, die eindeutig Juden per se als deklassieren sollte, übrigens eine uralte Fälschung. Die war aber nicht offensichtl., sondern erst, als man den Herrn anklickte, der zunächst "nur" als Islam-CDU-Merkel-EU-Links-"Kritiker" daherkam. Dass ein erheblicher Teil der Mitläufer nicht nur von Pro Chemnitz antisemit. Theorien im Sprachduktus der 20er/30er pflegt bzw. aufsitzt und dafür Beifall findet, ebenda und gestern auf der Kundgebung sogar im Fernsehen für alle Deutschen kundgetan.

17.11.2018 18:20 DER Beobachter @ Werner 118 etc. 2 138

TE und Broder habe ich auch nicht per se als antisemitisch bezeichnet, allerdings ist es bedenklich, wenn diese besonders gern von Leuten zitiert werden, welche eben nicht nur EU-CDU-links-Merkel-Islam-..."kritisch" sind, sondern eben auch Rassenantisemitismus pflegen. Mit Tichy und Broder habe ich aufgrund ihres populistischen Tunnelblicks durchaus Probleme. Eindeutig gibt es bei dem Interview selbst Ungereimtheiten, die entweder auf das Paar zurückzuführen sind, oder das Interview selbst ist erlogen. Bereits heute wieder bei TE eine herausgehobene (!) eindeutige Falschaussage, dass der Rat zur Rechtschreibung sich dem genderwahn unterwerfen würde. Das tut dieser gerade mit seiner jüngsten Verlautbarung nicht!

17.11.2018 17:46 Fakt 137

>>Frank, #130:
"@ 112: Aus meinem Beitrag geht eindeutig hervor, dass ich mich auf den Beitrag zu 69 bezogen habe. Man muss schon richtig lesen und verstehen was man gelesen hat."<<

Das geht eben nicht eindeutig daraus hervor; man könnte es beispielsweise dazuschreiben, auf welchen Beitrag man sich bezieht. Mna muss schon richtig schreiben können, damit andere es verstehen.

17.11.2018 17:42 winfried an (126)mare nostrum 136

Bereits 2x verfasst und versendet, bin aber nicht sicher ... also noch mal.

Vorab ... Mein (116)Beitrag gibt MEINE Eindrücke wider.

>>Jetzt sollten Sie den Foristen mal im Detail erklären, woraus das "üppige Sozialnetz" für "Kopftücher" in Italien besteht!<<
Das kann ich nicht ... aber
es muss einen Grund geben warum die Grenze I --> F bei Ventimiglia und I --> A am Brenner z.T. von Militär geschützt wird.

>>(Ist Ihnen vom Wohnmobil aus aufgefallen, dass gerade in Albanien ALLE Religionsgemeinschaften friedlich zusammenleben?)<<
Ich war nicht in Albanien. Meine Eindrücke in Kroatien und in Serbien mit seinem Kosovo haben mir genug vom "friedlichen Zusammenleben" zwischen christlicher und muslimischer Bevölkerungsgruppe gezeigt. Danach musste nicht mehr nach Albanien mit "seiner Blutrache", so ein DE-Bundesgrenzschützer der erst kürzlich in Tirana zur dortigen Polizeiausbildung war.

17.11.2018 17:06 Nelly 135

@ mare nostrum: Ihre Kommentare strotzen vor Unsachlichkeiten, oberlehrerhaften Anmaßungen und arroganter Rechthaberei. Was wollen Sie damit erreichen?
Man kann Meinungen austauschen, aber nicht in dem Stil den Sie pflegen. Haben Sie schon etwas von Anstand, Takt und Bildung gehört? Auf Augenhöhe miteinander kommunizieren ist für Sie ein Fremdwort. Einfach unmöglich wie Sie sich aufführen. Sie machen selbst "Mediator" Konkurrenz.

17.11.2018 16:52 Sebastian 134

@ mare nostrum 125:

Und was sagt uns die Einschätzung der Händler? Rein gar nichts. Nur das Geld da ist. Aber es geht nicht daraus hervor, ob vielleicht die oberen zwei Drittel das Geld des unteren einen Drittels gut gelaunt mit vollen Händen ausgeben. Und es geht daraus auch nicht hervor, dass der ganze „Boom“ mit der Enteignung der Sparer finanziert wird.

Ach so, und ich war schon in der Welt unterwegs, mit dem bisschen Geld, was ich über die Währungsunion retten konnte. Ich habe da nirgends so viel Unzufriedenheit gesehen, wie in Ostdeutschland – auch nicht in den abgelegeneren Gebieten. Womit sich wieder der Kreis schließt, dass das Gejammer triftige Gründe haben muss.

17.11.2018 16:50 Sebastian 133

@ mare nostrum 124:

Da haben wohl die Deutschen und besonders die Sachsen ein Jammer-Gen in sich? Wenn man sich etwas mit Genetik beschäftigt, weiß man aber, dass das so nicht sein kann. Also bleibt als Erklärung eigentlich nur, dass das Gejammer handfeste Gründe haben muss.

Ich frage Sie, ist es Elend, wenn man 1990 enteignet wurde, ab 1990 sieben verschiedene Berufsrichtungen aus gesetzlichen und sozioökonomischen Gründen nicht einschlagen konnte, Partner jahrelang aus ökonomischen Gründen nicht zusammenziehen konnten, die Partnerin deshalb das Kind abgetrieben hat, man Wocheneinkäufe für 5 EUR tätigen musste, Schnürsenkel wieder annähen musste, im Winter bei 12 Grad in der Wohnung sitzen musste, die letzte Lohnerhöhung 23 Jahre her ist, man entlassen wurde, weil man Unterhaltszahler ist, etc. etc. etc. etc. etc.

17.11.2018 15:21 mare nostrum 132

Pardon, mein letzter Beitrag bezieht sich auf Nr. 128.

Nichts für ungut!

m.n.

17.11.2018 15:19 mare nostrum 131

@ 130

s. 110! +

Arbeitet der Herr nebenberuflich auch noch bei der Stiftung Warentest?

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