25.02.2020 | 15:30 Uhr Diskussionen um das neue Bergwerk in Pöhla

Im Luchsbachtal bei Pöhla will die Firma Saxony Minerals & Exploration AG (SME) ein neues Erzbergwerk betreiben. Die SME AG plant, Wolfram und weitere Bodenschätze abbauen und an Ort und Stelle auch gleich aufbereiten. Derzeit läuft der Testbetrieb, parallel werden die Planungen für ein komplett neues Bergwerk vorangetrieben. Das ruft nicht nur Befürworter, sondern auch Gegner auf den Plan.

Zwei Männer im Stollen, bei der Rohstofferkundung.
Das geplante Bergwerk würde Chemikalienlager, Kläranlagen, Zufahrts- und Umfahrungsstraßen umfassen und selbst eine Verlegung des Luchsbachs ist angedacht. Bildrechte: HZDR (Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf)

"Wir müssen uns wirklich wieder erden in Deutschland. Machen wir Bergbau nach hohem deutschen Umweltrecht oder wollen wir wirklich alles nur noch in Entwicklungsländern machen? Jeder will Telefon, Smartphone, Internet und dafür braucht man Rohstoffe."

Der für Planung, Technologie und Strategie zuständige SME-Vorstand Klaus Grund versuchte am Montagabend Bedenken gegen das geplante Bergwerk zu zerstreuen. Das Bergbauunternehmen nutzte die öffentlichen Ortschaftssitzung in der Mehrzweckhalle in Pöhla, um über das Vorhaben zu informieren.

Standort bestimmen die Rohstoffvorkommen

Bereits im Mai 2012 erhielt die SME vom Sächsischen Oberbergamt die Genehmigungen zur Rohstoffgewinnung und -erkundung im Westerzgebirge. Gegenwärtig läuft für das geplante Bergwerk in Pöhla ein vom Sächsischen Oberbergamt eingeleitetes Planfeststellungsverfahren. "Den Standort können wir uns nicht aussuchen", sagt Klaus Grund, "Wir müssen dahin gehen, wo die Rohstoffe sind." Laut ihm seien alle Vorgaben in der Planung erfüllt.

Naturschützer haben Bedenken

Uwe Kaettniß, Kreisvorsitzender der Grünen Erzgebirge und Mitglied des BUND, ist nicht grundsätzlich gegen das Bergwerk. Es müsse bloß auch gewisse Bedingungen erfüllen. Für ihn geht es vor allem um die große Flächeninanspruchnahme der geplanten Halde. "Es sollen 500.000 Quadratmeter bebaut werden oder mit Halde zugeschüttet werden. Die sind auf viele Jahrzehnte verloren als Lebensraum", sagt er.

Außerdem gehe es um eine Fläche, die nach der Wismut mit Steuergeldern renaturiert worden sei und auf der auch Arten leben, die auf der roten Liste ständen. "Man muss der Firma abverlangen, Alternativen zu entwickeln und zu prüfen", so Kaettniß. "Und das sehen wir nicht, dass das ernsthaft passiert."

Mit den jetzigen Unterlagen, die vorliegen, halten wir das Vorhaben für nicht genehmigungsfähig.

Uwe Kaettniß Kreisvorsitzender der Grünen Erzgebirge und Mitglied des BUND

Das Problem der Haldenplanung kann Klaus Grund nicht nachvollziehen. "Wir nehmen nicht die 27 geplanten Hektar mit einmal in Anspruch, sondern immer sukzessive in Scheiben von drei bis vier Hektar", sagt er. "Und wenn der nächste Abschnitt in Anspruch genommen wird, wird der vorhergehende schon wieder renaturiert."

Drei Männer vollziehen den symbolischen Spatenstich bei der Baufeldfreimachung für das neue Bergwerk in Pöhla.
Symbolischer Spatenstich bei der Baufeldfreimachung für das neue Bergwerk in Pöhla. Bildrechte: MDR/Mathias Schaefer

Bürger machen sich Sorgen um Zufahrtsstraßen

Die Bürger aus Pöhla machen sich vor allem Sorgen um die Belastungen während der Bauphase und die Zufahrtsstraßen. Diese seien zu eng, um mit einem Auto einen Lkw zu passieren. "Beim Bergbau gibt es sehr viele Bedenken", sagt ein Bürger. "Von den Zufahrten angefangen, Gewässer, die eventuell verschmutzt werden." Ein anderer Bürger hat prinzipiell nichts gegen das geplante Bergwerk. "Rohstoffe müssen gefördert werden", sagt er. "Und da müssen alle Beteiligten auch einen Kompromiss eingehen können."

Auch die Stadt Schwarzenberg, zu der Pöhla gehört, ist für ein Bergwerk. Doch der Straßenausbau und die eventuelle Verlegung von Wanderwegen müsse noch besprochen werden. Die Einhaltung von Rahmenbedingungen sei wichtig. "Bis hin zum Thema, kann das Besucherbergwerk in der Form, wie es jetzt betrieben wird, innerhalb einer Betriebsstätte überhaupt noch so betrieben werden?", so Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer. "Natürlich ist es schön, dass wieder ein neues Berggeschrey kommt. Aber die Bewohner haben ja auch eine Wismut-Zeit hinter sich."

Das Genehmigungsverfahren kann sich laut Aussage des Oberbergamts noch einige Jahre hinziehen. Die SME hofft aber laut Grund, bereits in diesem Jahr mit einem vorzeitigen Baubeginn unter Auflagen starten zu können. Welche Alternativen die Umweltschützer sehen, wollen sie am Dienstagabend erläutern. Die öffentliche Informationsveranstaltung beginnt 18 Uhr im Landgasthof "Vugelbeerschänk" in Pöhla.

Quelle: MDR/al/igr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 25.02.2020 | 19:00 Uhr

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