Grenzwert überschritten Erzgebirge offiziell Corona-Risikogebiet - die Folgen für den Tourismus

Der Erzgebirgskreis hat den Corona-Schwellenwert für Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen überschritten. Jetzt hat auch die Landesregierung reagiert und den Landkreis zum Risikogebiet erklärt. Was heißt das? Die Verunsicherung ist groß bei den Bürgern, aber auch bei Gaststätten und Hotels.

Risikogebiet Erzgebirge
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Die Landesregierung hat den Erzgebirgskreis als erste Region in Sachsen zum Risikogebiet (offiziell: Gebiet mit erhöhtem Infektionsrisiko) erklärt. Wie das Sozialministerium mitteilte, lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.00 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in dem Landkreis am Dienstag bei 57,9. Damit sei der Grenzwert überschritten. Der Erzgebirgskreis hatte am Montag eine Allgemeinverfügung erlassen. Die Behörde meldete da eine Quote von 67,2.

Dass das Ministerium erst einen Tag nach dem Landkreis reagierte, erklärt es so: Es richte sich bei der Einschätzung nach dem täglichen Situationsbericht des Robert-Koch-Instituts. Dies meldet die Zahlen aus Sachsen aber verzögert. Deshalb habe man sich entschlossen, den Erzgebirgskreis als Risikogebiet auszuweisen. Die Unterschiede in der Statistik erklärt das Ministerium damit, dass der Erzgebirgskreis seine Zahlen nicht vollständig an das RKI weitergegeben hat.

Was hat die Einstufung für Folgen?

Da der Erzgebirgskreis jetzt offiziell Risikogebiet ist, gelte für die Einwohner des Landkreises ein Beherbergungsverbot in Sachsen, so das Sozialministerium. Dies gelte auch für Personen, die sich in den vergangenen sieben Tagen dort aufgehalten haben. Ob auch andere Bundesländer diese Einschätzung übernehmen, ist unklar. Die meisten Länder richten sich bislang nach den offiziellen Zahlen des RKI. Dort wird der Erzgebirgskreis noch nicht als Risikogebiet bewertet.

Große Verunsicherung in der Tourismus-Branche

Doch auch so ist die Verunsicherung unter Gastwirten und Hoteliers im Erzgebirge groß. Denn die Allgemeinverfügung des Landkreises sieht vor, dass Feiern in angemieteten Räumen auf 50 Personen begrenzt werden müssen. In der Gastronomie und in Hotels müssen Daten zur Kontaktnachverfolgung erhoben werden. Franziska Luthardt vom Branchenverband Dehoga - zuständig für den Bereich Chemnitz und Erzgebirge - sagte, der Erlass bedeute für viele Gastwirte Einbußen, weil Familien- und Privatfeiern nur noch in kleinerem Kreis durchgeführt werden können. Wer in großer Runde feiern wollte, müsse entweder Gäste ausladen oder absagen. Die Gefahr von Stornierungen steige, so Luthardt.

Die Daten von Gästen seien bisher bereits vereinzelt erhoben worden, nun sei sie vorerst für alle Gastwirte Pflicht. "Für die Gastronomen sind die Einschränkungen bitter." Auch unter den Hoteliers und Pensionen-Betreibern ist die Unsicherheit wegen des Beherbungsverbotes groß. Es gebe viele Fragen zu Stornierungen und zum Nachweis von negativen Corona-Tests. "Teils gibt es ein heilloses Durcheinander und Chaos", so Luthardt.

Politik in Berlin und Sachsen will nachbessern

Auf das geplante Treffen von Bundeskanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten am Mittwoch blicke die Branche "mit gemischten Gefühlen". Bisher sei der Föderalismus gut gewesen, weil die Corona-Regeln in Sachsen verhältnismäßig locker waren. "Die Sorge ist: was kommt dann nach dem Treffen", sagte Luthardt. Eigentlich wollte sich Sachsens Kabinett am Dienstag mit der neuen Corona-Schutzverordnung befassen, will aber nun erst das Treffen zwischen Kanzlerin und Regierungschefs abwarten. Zudem plant Ministerpräsident Michael Kretschmer am Donnerstag ein Treffen mit Landräten und Bürgermeistern zu diesem Thema. Dann soll auch der Corona-Krisenstab das nächste Mal zusammentreten und die Lage neu bewerten.

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 13.10.2020 | 19:00 Uhr

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