Risikogebiet Tschechien Kleiner Grenzverkehr nach Tschechien läuft nahezu ohne Einschränkungen

Die Bundesrepublik hat am Freitag die gesamte Tschechische Republik inklusive der Grenzgebiete zu Sachsen zum Corona-Risikogebiet erklärt. Wer von dort einreist, muss sich einem Corona-Test unterziehen und bis zu dessen Ergebnis selbst in Quarantäne begeben. Der kleine Grenzverkehr lief am Sonnabend dennnoch wie gewohnt: Im erzgebirgischen Bärenstein und im nahen Oberwiesenthal machten sich trotz strömenden Regens die Einkaufstouristen zur Schnäppchenjagd ins Nachbarland auf.

Grenze Tschechien
Zwischen Vejprty (Weipert) und Bärenstein lief der Grenzverkehr ohne Beeinträchtigungen. Bildrechte: Bernd März

Eine Frau ist etwas verunsichert angesichts der Situation. Sie wartete an der Grenze auf Zigaretten. Sie habe einen Händler gefunden, der über die Grenze hinweg verkauft. Damit muss sie kein tschechisches Gebiet betreten und reist folglich nicht aus und auch nicht wieder in Deutschland ein. Ein Mann sagte, er könne nicht verstehen, dass es keine Kontrollen gebe. Wenn Tschechien jetzt Risikogebiet sei, müsse es "eigentlich anders laufen". Einer anderer Mann pflichtete ihm bei. Man müsse sich eben mit Mundschutz selbst schützen und "überall vorsichtig" sein.

Bundespolizei plant keine zusätzlichen Kontrollen

Neu Grenze Tschechien
Die Grenze bei Oberwiesenthal, Fußgänger passieren ohne Kontrolle Bildrechte: promovie/Kaufmann

Aus dem Lagezentrum der Bundespolizei in Pirna hieß es auf Anfrage von MDR SACHSEN am Sonnabendmorgen, es seien "keine verstärkten Maßnahmen an der Grenze" zum Nachbarland geplant. Kontrollen fänden im üblichen Rahmen statt. Die Bundespolizei appelliert an die Eigenverantwortung der Reisenden, sich testen zu lassen und bis zum Ergebnis in Quarantäne zu bleiben.

Ausnahmen für Pendler

Für Grenzgänger, die arbeitsbedingt nach Tschechien müssen, hat Sachsen eine Ausnahmeregelung erstellt. Laut Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sind Pendler, die sowohl in Deutschland arbeiten als auch in der Tschechischen Republik von der aktuellen Quarantänepflicht ausgenommen. Es sei auch beschlossen worden, dass sich diese Personen regelmäßig auf eine Coronainfektion testen lassen können. Außerdem sollen Menschen, die in der Grenzregion leben, weiterhin nachbarschaftliche Begegnungen ermöglicht werden.

Zugverkehr ohne Einschränkungen

Doch selbst, wer gar nicht in die Nähe der Grenze kommt, kann in den Zügen mit Reisenden aus dem Nachbarland in Kontakt kommen. Die Eurocity-Züge zwischen Prag und Berlin fahren laut Fahrplanauskunft weiterhin planmäßig. Zwei Frauen am Bahnhof Dresden-Neustadt haben dennoch wenig Sorge. Eine von ihnen vertraut darauf, dass die Züge zusätzlich gereinigt werden. Die andere Reisende sagte: "Ich wusste gar nicht, dass der Zug aus Prag kam. Aber ich hab auch keine Angst, ich bin viel unterwegs, war gerade letzten Monat in Südafrika."

Am Wochenende pendeln noch zusätzliche Züge für Einkaufstouristen und Wanderer zwischen Usti nad Labem (Aussig) und Dresden sowie in der Gegenrichtung zwischen Dresden und Litomerice (Leitmeritz). Auch diese fahren aktuell noch planmäßig. Ferner gibt es tägliche Regionalverbindungen mit der Bahn über Zittau, Schöna, Johanngeorgenstadt und Bad Brambach nach Tschechien. In allen Zügen gilt in Deutschland eine Maskenpflicht.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 26.09.2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus Annaberg, Aue und Schwarzenberg

Mehr aus Sachsen