Demonstrationszug des Schweigemarsches für das Leben in Annaberg-Buchholz
Bildrechte: Nora Kilenyi

Demonstrationen Annaberg-Buchholz: Pro und Contra Abtreibung

Das Thema Abtreibung erhitzt seit Jahrzehnten immer wieder die Gemüter. Schon seit acht Jahren versammeln sich in Annaberg-Buchholz Befürworter und Gegner von Schwangerschaftsabbrüchen, um ihre Positionen in die Öffentlichkeit zu tragen. So auch am heutigen Sonnabend. Aber wie argumentieren beide Seiten eigentlich?

Demonstrationszug des Schweigemarsches für das Leben in Annaberg-Buchholz
Bildrechte: Nora Kilenyi

Insgesamt rund 1.400 Abtreibungsgegner und -befürworter sind am Sonnabend in Annaberg-Buchholz auf die Straße gegangen. Der Verein "Lebensrecht Sachsen" führte am Nachmittag einen Schweigemarsch durch. Auf dem Marktplatz wurden leere Kinderwagen als Symbol für abgebrochene Schwangerschaften aufgestellt.

Kritiker werfen der Bewegung eine gegen Frauen, Homosexuelle und Transgender gerichtete Politik vor. Mit einem Straßenfest und Kundgebungen riefen sie zu Toleranz auf. Das Bündnis "Pro Choice", das die Veranstaltung seit 2014 organisiert, setzt sich für legale Schwangerschaftsabbrüche sowie die Gleichberechtigung aller sexuellen Lebensweisen und geschlechtlichen Identitäten ein. Das Motto der Demonstration war "Leben schützen! Abtreibung legalisieren!”. Nach Angaben der Sprecher von "Pro Choice" kamen in diesem Jahr mehr Unterstützer als in all den Jahren zuvor. Sie waren den Angaben zufolge nicht nur aus Annaberg, sondern auch aus Leipzig, Dresden, Chemnitz, Berlin, Jena und Erfurt.

Ein Großaufgebot der Polizei sichert die Veranstaltungen ab. Seit 2010 ruft der Verein jedes Jahr zum Schweigemarsch auf.

Grußwort vom Landesbischof

Bei dem Schweigemarsch wurde ein Grußwort des Landesbischofs Carsten Rentzing verlesen. Darin heißt es unter anderem, Kinder müssten als Gewinn und Segen betrachtet werden. "Wir haben genügend Möglichkeiten, um schwangeren Frauen zu zeigen, dass sie nicht alleine stehen. Wir haben genügend Möglichkeiten, um ihnen real zu helfen und bei der Entscheidung für das Leben zu unetrstützen."

Möge die Botschaft des Lebens stärker werden, als die Botschaft des Todes.

Carsten Rentzing Landesbischof

Die Bischofskanzlei teilte auf Anfrage von MDR SACHSEN mit, dass es sich bei dem Grußwort um eine autorisierte Version des Landesbischofs gehandelt habe. Die Evangelischen-Lutherische Landeskirche hingegen erklärte via Twitter, dass "die Aktion in Annaberg weder von, noch mit der sächsischen Landeskirche geplant und unterstützt worden." Auch wenn der Schutz des werdenden Lebens ein Anliegen aller christlichen Kirchen sei, wolle sich die sächische Landeskirche an einer politisch motivierten Auseinandersetzung nicht beteiligen.

Pro und Contra

Lebensrecht Sachsen kritisiert nach eigenen Angaben, dass 400 ungeborene Kinder jeden Tag in Deutschland getötet werden. "Rechtswidrig und doch straffrei", heißt es im Aufruf. Aus diesem Grund will das Bündnis 400 leere Kinderwagen auf dem Marktplatz in Annaberg-Buchholz aufstellen.

Für "Pro Choice" verstößt das Abtreibungsverbot gegen das Selbstbestimmungsrecht schwangerer Frauen. Nach eigenen Angaben sollen weltweit rund 47.000 Schwangere an den Folgen von unsicher durchgeführten Schwangerschaftsabbrüchen sterben. Aus diesem Grund fordert das Bündnis eine legale, kostenlose und sichere Abtreibung auch per Gesetz.

Pro und Contra Abtreibungsbefürworter und -gegner demonstrieren in Annaberg-Buchholz

In Annaberg-Buchholz haben am Sonnabend zum neuten Mal Menschen gegen Abtreibung protestiert. Dem Schweigemarsch für das Leben stellten sich zahlreiche Gegenprotestler entgegen. Hier einige Bilder vom Tag.

Abtreibungsbefürworter und -gegner demonstrieren in Annaberg-Buchholz
Die Teilnehmer des "Schweigemarsches für das Leben" demonstrieren auf dem Marktplatz in Annaberg-Buchholz. Die leeren Kinderwagen sollen symbolisch für abgetriebene Kinder stehen. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi
Abtreibungsbefürworter und -gegner demonstrieren in Annaberg-Buchholz
Die Teilnehmer des "Schweigemarsches für das Leben" demonstrieren auf dem Marktplatz in Annaberg-Buchholz. Die leeren Kinderwagen sollen symbolisch für abgetriebene Kinder stehen. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi
Abtreibungsbefürworter und -gegner demonstrieren in Annaberg-Buchholz
Der Marsch findet in diesem Jahr bereits zum neunten Mal statt. 700 Menschen nahmen laut Polizei an der Verantstaltung teil. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi
Abtreibungsbefürworter und -gegner demonstrieren in Annaberg-Buchholz
Vor der Kundgebung auf dem Marktplatz marschierten die Abtreibungsgegner durch die Stadt. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi
Abtreibungsbefürworter und -gegner demonstrieren in Annaberg-Buchholz
Der Verein" Lebensrecht Sachsen" organisiert den Schweigemarsch. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi
Abtreibungsbefürworter und -gegner demonstrieren in Annaberg-Buchholz
Protest gegen den Protest: 700 Abtreibungsbefürworter protestieren am Rande des Schweigemarsches. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi
Abtreibungsbefürworter und -gegner demonstrieren in Annaberg-Buchholz
Der Veranstalter "Pro Choice" setzt sich nach eigenen Angaben für die Selbstbestimmung von Schwangeren ein. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi
Abtreibungsbefürworter und -gegner demonstrieren in Annaberg-Buchholz
Auf dem Fleischerplatz in Annaberg-Buchholz versammelte sich der Gegenprotest bereits am Sonnabendmorgen. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi
Demonstrationszug des Schweigemarsches für das Leben in Annaberg-Buchholz
1991 zählte das Statistische Landesamt in Sachsen 14.719 Schwangerschaftsabbrüche im Freistaat. Im Jahr 2017 waren es 5.580. Bildrechte: Nora Kilenyi
Kundgebung der Abtreibungsbefürworter pro choice in Annaberg-Buchholz
In Deutschland stellt der § 218 StGB den Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich unter Strafe. Es gibt allerdings Ausnahmen. Pro Choice fordert die Abschaffung des Paragraphen. Bildrechte: Nora Kilenyi
Kundgebung der Abtreibungsbefürworter pro choice in Annaberg-Buchholz
Die Kosten einer Abtreibung belaufen sich aktuell auf ungefähr 300 bis 600 Euro. Die Kosten übernimmt in einigen Fällen die Krankenkasse. Bildrechte: Nora Kilenyi
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Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche hat sich in Sachsen seit den 1990er-Jahren mehr als halbiert. 1991 zählte das Statistische Landesamt 14.719 Schwangerschaftsabbrüche im Freistaat. Im Jahr 2017 waren es 5.580. Bundesweit wurden 2017 rund 101.200 Schwangerschaftsabbrüche registriert.

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.06.2018 | 12:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2018, 15:15 Uhr

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41 Kommentare

20.06.2018 15:22 der_Silvio 41

@39 Eulenspiegel; "Wo sind ihre Taten?"
Gegenfrage: was tun sie um zu helfen?
Oder sieht ihre Hilfe nur so aus, mich zu kritisieren, weil ich gegen Abtreibung, und für das Leben ungeborenen Lebens bin?

20.06.2018 14:50 der_Silvio 40

@39 Eulenspiegel; Was haben sie nur mit ihrer Gummikeule?
Ist das ihr einziges "Argument?
Was ist daran Gummikeule, wenn ich mich für das Leben der Babys ausspreche? (Ich bitte um konkrete Antwort ohne den Terminus 'Gummikeule')
Was ist daran Gummikeule, wenn ich sage, daß genug Möglichkeiten der Verhütung da sind?Verantwortung über die Benutzung tragen Männer und Frauen gleichermaßen.
Es gibt sehr wohl sehr viel Hilfe; Informationen darüber und über hilfestellende Vereine lassen sich genug im Netz finden.
Aber beantworten sie mir doch bitte die bereits mehrfach gestellte Frage; als was sehen sie die heranwachsenden Babys? Oder haben sie Angst, die Frage zu beantworten?
Als Gemeinde helfen wir sehr wohl; ob das Infos über Schwangerschaftsabbruch sind über Engagement beim Kaleb Zentrum oder in der Aufbauhilfe von Schul- und Selbsversorgungsprojekten.
Nun bitte ich dich aber sehr um Beantwortung oben stehender Fragen.

20.06.2018 13:05 Eulenspiegel 39

Ja der_Silvio 38
Das haben sie ja richtig schön zusammengestellt. Da muss ich sie wirklich loben. Nur was tun sie außer Frauen in Deutschland die in einer Konfliktsituation gekommen sind die moralische Gummikeule zu zeigen? Welche Hilfe bieten sie an? Und zwar nicht nur in Deutschland. Ich in selber in einer christlichen Gemeinde aufgewachsen. Und da ging es immer darum anderen Menschen ein Angebot zumachen. Ihnen Alternativen anzubieten. Es ging nie darum, wie sie es machen, die Moralische Gummikeule zu schwingen. Und darum noch ein mal. Wo sind ihre Taten? Wo haben sie, auch nur im Kleinsten, versucht etwas durch ihre konkretes Hilfsangebot zu verbessern. Sie schwingen doch nur die moralische Gummikeule. Die mühselige Arbeit sollen dann die Anderen tun.

20.06.2018 07:51 der_Silvio 38

@31 Eulenspiegel; "Was tun sie eigentlich?"
Ich spreche mich für das Leben und leben lassen ungeborenen Lebens aus, mit folgenden Argumenten:
1. Jeder kann sich über die Folgen einer Abtreibung im Internet belesen.
2. In unserer Zeit gibt es genug Ve4hütungsmittel.
3. Ungeborenes Leben IST Leben.

Was haben sie?
"Moralischer Gummiknüppel" und "Macht über die Gebärmutter"
Das sind keine Argumente sondern nur der plumpe Versuch eine andere Meinung unmöglich zu machen und zu diffamieren. Eine fundierte Diskussion ist mit ihnen nicht möglich.

19.06.2018 23:58 der_Silvio 37

@31 Eulenspiegel; " Im übrigen es ist brutal aber se sterben Tag für Tag geborene und ungeborene Kinder. Die aller meisten durch Krieg,Terror und Gewalt."
Falsch!
'Laut einem Bericht von Unicef, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltbank starben im vergangenen Jahr 5,6 Millionen Kinder.'
(Quelle: zeit.de vom 19.10.2017 'Jeden Tag sterben 15.000 Kinder')

Zuzüglich der toten Kinder im Krieg:

'Mehr als 8000 Kinder sind laut UN im vergangenen Jahr in Kriegen getötet oder verstümmelt worden.'
(Quelle: tagesschau.de von 06.10.2017 'Kinder - tausendfach Opfer in Kriegen')

Jedes (Kinder-)Opfer ist eins zu viel!

'WHO: Fast die Hälfte der 56 Millionen Abtreibungen weltweit sind unsicher'
(Quelle: derstandard.de vom 26.09.2017)
Die die Zahl der weltweiten Abtreibungen belaufen sich fast auf das Zehnfache der Kinderopfer durch Kriege Weltweit!
Soweit zu ihrer "Argumentation".

19.06.2018 22:10 der_Silvio 36

Versuch #4; @ Eulenspiegel;
Da ihnen offenbar mehr an den Flüchtlingskindern liegt als an ungeborenen Babys, sind sie herzlich angehalten, sich um jene zu kümmern, die durch unser Sozialsystem versorgt werden.
Ich werde mich jedenfalls weiter gegen die Abtreibung aussprechen, denen eine Stimme geben, die sich nicht gegen die Willkür solcher Menschen wie ihnen wehren können - den ungeborenen Babys.
Wenn Sie das als Gummikeulw sehen, fragen Sie sich bitte, als was sie die Babys sehen.
Wenn Sie schon die Bibel heranziehen, sollten Sie sich auch im klaren sein, daß Gott das Leben geschaffen hat und dieses Leben, auch das der Babys schützenswert ist. Aber sie instrumentalisieren sich die Bibel nur.

19.06.2018 19:13 Eulenspiegel 35

lso in der Bibel steht:
An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.“
Ja der_Silvio 33
Wo sind denn ihre Taten? Es gibt auf der Welt so viele Kinder die Hilfe brauchen. Ja wenn es ihnen um die Kinder ginge da gibt es für sie mehr als genug zu tun. Sie könnten sich zum Beispiel um Flüchtlingskinder kümmern. Das wäre dann christliche Nächstenliebe. Aber auch das tun sie ja nicht. Was tun sie eigentlich? Ich meine außer das sie Frauen in einer Schwangerschaftskonfliktsituation versuchen die moralische Gummikeule spüren zu lassen.Oder haben sie jemals einer Frau in so einer Konfliktsituation in irgendeiner Weise beigestanden. Und dieses verhalten nennen sie dann christlich?

19.06.2018 15:56 Eulenspiegel 34

Hallo der_Silvio 30
Zuerst möchte ich auf „mare nostrum 28“ und „Ich kenne es 29“ verweisen. Weiter muss ich ihnen noch ein mal darauf hinweisen es ist ihr gutes Recht Frauen in dieser Konfliktsituation Hilfe und Unterstützung anzubieten. Das tun sie aber nicht. Stattdessen kommen sie immer wieder mit den moralischen Gummiknüppel. Es gibt so viele Kinder in der Welt die Hilfe brauchen. Es gibt so viele Mütter in der Welt die Hilfe brauchen. Das scheint ihnen aber alles egal zu sein. Das was sie hier vertreten hat doch nichts mit gelebten Christentum zu tun. Ihnen geht es doch wirklich nur um Macht und Herschaft.

19.06.2018 15:49 der_Silvio 33

@31 Eulenspiegel; "Merken sie sich Ihre religiöse-und Weltanschauliche Einstellung gilt nur für sie und sonst niemand."
Und doch habe ich das Recht, meine Einstellung zu sagen.
Das sie mir dieses Recht absprechen, und mir irgendwelches Machtstreben daraus konstruieren wollen spricht für sich.

19.06.2018 14:34 mare nostrum 32

@ 30

Worauf wollen Sie hinaus?
Zielen Sie auf die Bevormundung der ach so vom Gewissen geplagten Frau, dem geistig minderbemittelten Weibchen hin?

ABGELEHNT. -

Seelische Folgen hat es vor allem, wenn sich die Schwangere in einer unglücklichen Lebenslage befindet und das Kind bekommen muss. Das können Sie als Mann aber nicht nachvollziehen; angelesenes Wissen ersetzt keine weiblichen Erfahrungswerte.

Es fehlt nur noch, dass wir mit Ihnen hier über DIE Tage einer Frau sprechen!

Jaja, es ist bekannt, Menstruationsbeschwerden können den Alltag einer Frau massiv beeinträchtigen ...

Widmen Sie Ihre Aufmerksamkeit den vier Kindern! Ihre Gattin wird es danken.