Eine Gruppe Menschen steht rund um ein großes Banner mit dem Schriftzug "Hurra, wir sind Welterbe - erzgebirgisch".
Die Delegation um Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (re.) freut sich über den Titel für das Erzgebirge. Bildrechte: MDR/Christoph Stelzner

06.07.2019 | 14:45 Uhr Unesco erkennt Montanregion Erzgebirge als Welterbe an

Eine Gruppe Menschen steht rund um ein großes Banner mit dem Schriftzug "Hurra, wir sind Welterbe - erzgebirgisch".
Die Delegation um Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (re.) freut sich über den Titel für das Erzgebirge. Bildrechte: MDR/Christoph Stelzner

Die Unesco hat die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří als Welterbe anerkannt. Das Komitee nahm das historische Bergbaugebiet in Sachsen und Böhmen in Tschechien am Sonnabend auf seiner Sitzung in Aserbaidschan in die Liste schützenswerten Erbes der Welt auf. Diese von den beiden Ländern nominierte Stätte sei von universellem Wert. Delegierte sprachen von einem "Meisterwerk menschlicher Kreativität". Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer dankte für die Anerkennung. Das Projekt sei ein Beispiel für internationale Zusammenarbeit. "Glück auf!", sagte er und fügte an:

Michael Kretschmer
Bildrechte: dpa

Ich glaube, das ist ein Zukunftsschub für die gesamte Region. Gleichzeitig ist es auch ein Signal an die junge Generation: Hier ist unsere Zukunft, hier wollen wir bleiben, hier können wir gut leben.

Michael Kretschmer Ministerpräsident des Freistaates Sachsen

Man sehe es an anderen Welterbestätten, dass dadurch der Tourismus gestärkt wurde. Dies möchte man ebenfalls erreichen und außerdem um Investoren werben, die neue Arbeitsplätze schaffen, so Kretschmer, der zusagte, dass sich der Freistaat an der Finanzierung des Welterbebüros und einer gemeinsamen Einrichtung zusammen mit Tschechien beteiligen werde, so Kretschmer.

Ähnlich erfreut zeigte sich Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig:

Martin Dulig
Bildrechte: dpa

Dieser Titel ist in erster Linie Wertschätzung und Anerkennung für das, was hier in den letzten Jahrhunderten passiert ist. Sachsens Wohlstand kommt aus dem Bergwerk. Das Bergwerk hat hier eine lange Tradition.

Martin Dulig Wirtschaftsminister des Freistaates Sachsen

Er hoffe, dass das Interesse an der Region nun weltweit wachse, sowohl bei Touristen als auch bei Unternehmen.

Als einen ergreifenden Moment bezeichnete den Titel der langjährige Landrat des Kreises Mittelsachsen und Vorsitzender des Welterbevereins, Volker Uhlig: "Ich bin stolz auf die Region. Das ist ein ganz tolles Gefühl", sagte Uhlig und ergänzte:

Wenn der Welterbetitel nur dazu betragen sollte, die Tourismuszahlen zu stabilisieren, ist das eine Art der Wirtschaftsförderung, die mitunter mit sehr viel Geld nicht zu erreichen ist.

Volker Uhlig Vorsitzender des Welterbevereins

Die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge, Ines Hanisch-Lupaschko verspricht sich ebenfall einiges von dem Titel:

Durch die Vielfalt der Montanregion gibt es die Chance, einen nachaltigen Tourismus zu gestalten und der Region neue Entwickungsimpulse mit auf den Weg zu geben.

Ines Hanisch-Lupaschko Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge,

Nach 20 Jahren auf der Vorschlagsliste endlich am Ziel

Die Ergebirgsregion wollte eigentlich schon vor wenigen Jahren das Unesco-Siegel erhalten. Nach Bedenken des Weltdenkmalrats (Icomos) wurde die Bewerbung aber zurückgezogen und überarbeitet. Nun klappte es nach 20 Jahren auf der Vorschlagsliste für den Welterbe-Titel. Die Region bewarb sich auf sächsischer Seite mit 17, auf tschechischer Seite mit fünf Bestandteilen um den Titel. Die ausgewählten Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren als Zeugen einer 800-jährigen Geschichte die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus. Hinter dem Antrag stehen drei Landkreise sowie 32 Städte und Gemeinden, die sich in einem Verein zusammengeschlossen haben, um das Erzgebirge zum Welterbe zu machen.

Bildergalerie Orte der Welterbe-Bewerbung der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří

Die Nominierung besteht aus 22 Bestandteilen: 17 auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite. Jeder Bestandteil setzt sich wiederum aus verschiedenen Einzelobjekten bzw. Landschaften zusammen. Eine Auswahl:

Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht in Lauta bei Marienberg
Der Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht in Lauta bei Marienberg. Mit der Kraft der Pferde wurde früher Silbererz aus der Tiefe geholt. Bildrechte: Christoph Stelzner
Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht in Lauta bei Marienberg
Der Pferdegöpel auf dem Rudolphschacht in Lauta bei Marienberg. Mit der Kraft der Pferde wurde früher Silbererz aus der Tiefe geholt. Bildrechte: Christoph Stelzner
Roter Turm des Todes
Der Rote Turm des Todes ist ein nationales Kulturdenkmal der Tschechischen Republik, das an die Zeit des massiven Uranabbaus in der Umgebung von Jáchymov erinnert. Zugleich symbolisiert der "Rote Turm des Todes" das Leiden der politischen Häftlinge, die in den 1950er Jahren in den Joachimsthaler Zwangsarbeitslagern unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert wurden. Bildrechte: J. Prudík
Die Saigerhütte
Das Saigern, ein Verfahren zur Gewinnung von Silber aus silberhaltigem Kupfererz, gab der 1537 von Bergmeister Hans Leonhardt gegründeten Hütte ihren Namen. Die Saigerhütte Grünthal war ein selbständiges Gemeinwesen mit eigener Gerichtsbarkeit. Bildrechte: Marko Borrmann
Lauenstein
Die Burg Lauenstein wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts auf einem Felsvorsprung oberhalb der Müglitz errichtet. Von 1517 bis 1821 befand sich Schloss Lauenstein im Besitz der Adelsfamilie von Bünau, die an der Entwicklung des Bergbaus im sächsischen Erzgebirge maßgeblich beteiligt war. Bildrechte: Wirtschaftsförderung Erzgebirge
Montanlandschaft Zinnwald
Der Förderturm des Arno-Lippmann-Schachts in Altenberg. Die Montanlandschaft Altenberg-Zinnwald ist das östlichste der historischen Bergreviere im sächsischen Teil des Erzgebirges. Ihre Bestandteile dokumentieren die Gewinnung, Aufbereitung und Verarbeitung großer Mengen Zinnerze über einen Zeitraum von 600 Jahren.  Bildrechte: Marko Borrmann
NUR im Zusammenhang mit Welterbe-Bewerbung  Rechte: Marko Borrmann Quelle: Wirtschaftsförderung Erzgebirge  Das Bild befindet sich in diesem Ordner T:\TeleMedien\MTA\07_Juli_2019\03.07\Orte Welterbe Erzgebirge
Erste Silbererzfunde im Jahre 1168 führten zur Gründung und rasanten Entwicklung der Stadt Freiberg. Die Bergstadt entwickelte sich aufgrund des Montanwesens zu einem bedeutenden wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Zentrum. Bildrechte: Marko Borrmann
Engländerstollen
Der Engländerstolln bei Kirchberg. Nordwestlich von Schneeberg befindet sich im Hartmannsdorfer Forst eine der ältesten und am besten erhaltenen Bergbaulandschaften des Erzgebirges - der Hohe Forst. Bereits ab 1306 begann in diesem Gebiet zunächst der Abbau von Silber-, später von Kupfererzen. Bildrechte: Wirtschaftsförderung Erzgebirge
Pochwerk Schneeberg
Vom 16. bis 19. Jahrhundert war das Schneeberger Revier weltweit größter und bedeutendster Fundort für Kobalterze. Von den zahlreichen Aufbereitungsanlagen hat sich das Siebenschlehener Pochwerk erhalten. Bildrechte: Marko Borrmann
Blaufarbenwerk
Mit dem Abbau von Kobalterzen konnte sich ein weiterer Produktionszweig des Bergbaus bilden. Die erzgebirgische Blaufarbenproduktion dominierte lange Zeit ganz Europa. Das jüngste der ehemals fünf Blaufarbenwerke befindet sich noch heute in Zschorlau, wo es 1650 von Erasmus Schindler gegründet wurde. Bildrechte: Marko Borrmann
Montanlandschaft Annaberg-Frohnau mit dem Markus-Röhling-Stolln
Montanlandschaft Annaberg-Frohnau mit dem Markus-Röhling-Stolln. Über das Mundloch des Stollns 81 erfolgt der Zugang zum Besucherbergwerk. Bildrechte: Kugler
In der letzten Phase des Bergbaus entstanden durch die Uranerzgewinnung zudem Terrakonikhalden (Spitzkegelhalden), die im Erzgebirge nur noch hier erhalten sind.
In der letzten Phase des Bergbaus entstanden durch die Uranerzgewinnung zudem Terrakonikhalden (Spitzkegelhalden), die im Erzgebirge nur noch hier erhalten sind. Bildrechte: Kugler
St Briccius Halden am Osthang des Pöhlbergs
St Briccius Halden am Osthang des Pöhlbergs. Auf der östlichen Seite des Pöhlbergs, inmitten eines bäuerlich erschlossenen Gebietes, befindet sich ein seit dem 15. Jahrhundert belegtes Bergbaugebiet. Bildrechte: Kugler
Altstadt Marienberg
Die 1521 gegründete Bergstadt Marienberg verdankt ihre Entstehung reichen Silberfunden und wurde als Stadt am Reißbrett geplant. Der quadratische Grundriss, die Regelmäßigkeit und die Verteilung der Gebäude folgen den Grundsätzen der Idealstadt der Renaissance, die hier erstmals nördlich der Alpen zur Anwendung kamen. Bildrechte: Marko Borrmann
Sauberger Richtschacht
Der Sauberger Haupt- und Richtschacht am Bergbaulehrpfad Silberstraße Ehrenfriedersdorf. Bildrechte: Kugler
Bergbaulandschaft Uranbergbau Förderturm
Der Schachtkomplex 371 bei Bad Schlema ist eine der wenigen Uranerz-Bergbauanlagen der SDAG Wismut, die in großen Teilen erhalten geblieben ist. Bildrechte: Wirtschaftsförderung Erzgebirge
Bergbaulandschaft Jachymov
Nur wenige Städte in der Welt haben so eine große Bedeutung für Entwicklung des Bergbaus und des Hüttenwesens wie Jáchymov (Joachimsthal). Die Stadt, die 1516 in einem Steilhang des Erzgebirges gegründet wurde, gehörte zu den Geburtsstätten der Wissenschaft im Bereich Bergbau, Hüttenwesen und Mineralogie, deren wesentliche Grundlagen im 16. Jahrhundert von Georgius Agricola gelegt wurden. 1716 entstand in Jáchymov die erste Bergschule der Welt. Bildrechte: Wirtschaftsförderung Erzgebirge
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36 Anträge standen zur Auswahl

Zur Entscheidung bei der diesjährigen Sitzung standen insgesamt 36 Anträge, darunter mit deutscher Beteiligung auch das Augsburger Wassermanagement-System, das ebenfalls ins Welterbe aufgenommen wurde. Abgestimmt wurde zudem über die alte römische Militärgrenze - den sogenannten Donaulimes. Der gemeinsam mit Österreich, der Slowakei und Ungarn eingereichte Antrag zum Donaulimes scheiterte jedoch, weil Budapest kurzfristig Änderungswünsche hatte. Die Entscheidung zu Augsburg sollte auch noch am Sonnabend getroffen werden werden.

40 Welterbestätten in Deutschland

Die Sitzung des UN-Komitees ist in diesem Jahr in Baku, der Hauptstadt der Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan am Kaspischen Meer. Sie dauert noch bis zum 10. Juli. Aktuell stehen mehr als 1.000 Kultur- und Naturstätten aus 167 Ländern auf der Liste, darunter mehr als 40 in Deutschland. Mehrere Stätten hatten am Samstag das Gütesiegel als Welterbe erhalten, darunter in Indien die bei Touristen wegen ihrer Palastanlagen beliebte "rosarote Stadt" Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans.

Quelle: MDR/sth/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.07.2019 | 15:00 Uhr in den Nachrichten

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24 Kommentare

10.07.2019 09:51 Alleswisser 24

Das mit dem Weltkulturerbe ist so eine Sache...der eine bekommt es - der andere nicht. Über die Begründung kann man unterschiedlicher Meinung sein. Ich z.B. hätte Dresden den Titel NICHT aberkannt wegen der Brücke. Dafür frage ich mich - nachdem ich gestern den 1.Teil des Beitrags "Mitteldeutschland von oben - Adelsgärten und Parks" - gesehen habe, worin sich der Pückler Park Bad Muskau von den anderen Parks sooooo abgrenzt, dass er Weltkulturerebe wurde!!!! Das erschließt sich mir bis heute nicht......

09.07.2019 19:52 Gerd Müller 23

schließe mich # 13 an - die Köhler und Löffelschnitzer sind Tradition aber eben kein Kolosseum oder Akropolis

09.07.2019 08:26 na so was 22

9@ Nachtrag von MDR.DE: "Die als "Katzendreck" bekannte Geruchsbelästigung kommt sowohl von tschechischer als auch von deutscher Seite. Dies sei das Ergebnis des internationalen Forschungsprojektes OdCom." Wenn das das einzige Ergebnis dieses Forschungsprojektes ist, dann "gute Nacht Wissenschaft". Ich glaube eher, dass die Ergebnisse dieser Forschung über die Zusammensetzung der einzelnen Bestandteile dieses "Katzendreckgestankes", deren Ursachen und Auswirkungen auf den Menschen usw. solche Ausmaße angenommen haben, wo auf Anraten irgendwelcher Behörden eine Veröffentlichung unter Strafe untersagt worden ist. Warum sonst wird die Bevölkerung mit einem nichtssagenden Satz, dass sowohl die Tschechei und Deutschland ihren Anteil an diesem Gestank haben, abgespeist. Wenn das die Wahrheit ist, kann die Forschung auf allen Gebieten sofort eingestellt werden. Gleichzeitig ist das ein Armutszeugnis für die Wissenschaft. 09.07.2019, 08:26

08.07.2019 18:01 Sachse43 21

Viel Spaß den Touristen dann beim Schlaglochhüpfen.
Der Kaputtsparer FrankVogel ist dafür mit seiner CDU ganz allein verantwortlich! Nie war Geld für die Bevölkerung da.

08.07.2019 16:20 Manfred 20

Eigentlich schade das man seine Heimat erst Ernst nimmt wenn man einen Titel hat. Was war vorher schlechter, das man nicht schon vor einigen Jahren Geld in die Hand genommen hat um wie jetzt den Tourismus zu verbessern. Ein Kulturerbe Titel wird die vielen Jungen Menschen die weg sind alleine nicht zurückbringen.

08.07.2019 13:51 Alleswisser 19

Ich finde es gut, dass Sachsen nun noch ein Weltkulturerbe hat und nicht nur die Stiftung in Bad Muskau die Finanzen absaugt. Vielleicht schafft man es im Erzgebirge die Besucherzahlen zu erhöhen. Dresden hat es ohne Titel ja auch ganz manierlich geschafft. Nur in Muskau ist davon nichts zu merken. Oder täuscht das? Hier wird nur an Ausstellungen gewerkelt, die in wer weiß wieviel Jahren fertig sein sollen. Also Erzgebirge - macht es besser! Und vielleicht schaut jetzt mal jemand genauer hin wo die Millionen in Bad Muskau versenkt werden......

08.07.2019 11:00 Marko 18

Super!
Ich freue mich für alle Beteiligten - ich habe ein wenig mitbekommen wie viel Arbeit hinter dieser Bewerbung stand. Respekt.
Lasst euch den Erfolg nicht klein reden - darauf kann man mehr als stolz sein!

07.07.2019 19:18 Pattel 17

Zu 10.
Meine Freude / Stolz lass ich mir nicht von ihnen nehmen. Es geht eben auch über die hinterlassenschaften der DDR zubeseitigen.
Anerkennung den Menschen aus Region bzw.für ganz Deutschland.

07.07.2019 17:50 Steff 16

An die einfältigen Schwätzer: Es geht um Jahrhunderte Bergbau im Erzgebirge! Nicht nur um 40 Jahre Wismut, SED und die Russen und nicht um Katzengestank. Den hatten wir, da ward Ihr noch gar nicht geboren. ICH BIN STOLZ als ERZGEBIRGER. Und der Kleenen Ossigöre möchte ich anraten, erst nachdenken und dann schreiben!

07.07.2019 13:09 ZP-HB 64 15

Man hofft auf Touristen, nur sollten gar nicht so viele kommen. Ich warte zum Beispiel seit Mitte November 2018 bzw. Mitte Januar 2019 auf die Beantwortung verschiedener Anfragen im Erzgebirge. Ohne Antwort - der größte Feind scheint der Tourist zu sein. Viel Lärm um nichts.

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