10.11.2019 | 16:40 Uhr Schruutsaach oder Lorks - das erzgebirgische Wort des Jahres ist gewählt

"O Arzgebirg, wie bist du schie" - die Zeile Anton Günthers wird der Flachländer vielleicht noch verstehen. Aber was ist ein Gaungschäbbr oder Loks? Die Wahl zum Erzgebirgischen Wort des Jahres bringt darüber Klarheit.

Carmen Krüger vom Erzgebirgsverein steht im Trachtenkleid auf der Bühne und verkündet das Erzgebirgische Mundartwort des Jahres.
Carmen Krüger vom Erzgebirgsverein verkündete im Volkshaus Thum das Wort des Jahres Bildrechte: MDR/Matthias Schäfer

Am späten Sonntagnachmittag ist im Volkshaus Thum das Erzgebirgische Mundartwort des Jahres verkündet worden. Die Wahl fiel in diesem Jahr auf das Wort "Lorks", was für schlechte Ware oder Ausschuss steht. Carmen Krüger, die Kulturobfrau vom Erzgebirgsverein, verkündete die Wahl im vollbesetzten Volkshaus in Thum.

Zum dritten Mal hat sich der Erzgebirgsverein gemeinsam mit der Tageszeitung "Freie Presse" auf die Suche nach dem besonderen Wort begeben. Nachdem in den vergangenen beiden Jahren die Worte "Sperrguschn" = neugierige Person und "kaabsch" = mäkelig als Sieger gekürt wurden, waren auch in diesem Jahr wieder Einheimische und Gäste der Region aufgerufen worden, Vorschläge für ein gebräuchliches Alltagswort einzureichen. In diesem Jahr sollte es ein Wort aus dem Bereich Handwerk sein. Eine fünfköpfige Jury wählte aus den mehr als 200 Einsendungen zehn Wörter aus, die letztendlich bei der Leserabstimmung ins Rennen gingen.

In einem vollen Saal klatschen Besucher zur Musik eines Schalmeieinorchesters auf der Bühne
Auch musikalisch ging im Volkshaus die Post ab. Bildrechte: MDR/Matthias Schäfer
Zur Wahl standen folgende Begriffe:  
astreign = malern
Borzeldreher = Drechsler
Gaungschäbbr = Jaucheschöpfer/-schöpfkelle
Heihöffel = kleiner Heuhaufen
imstachen = umstechen, umgraben
Lorks = schlechte Ware, Ausschuss
rumwerkeln = handwerkliche Tätigkeiten verrichten
Schiebock = einrädrige Schubkarre
Schruutsaach = Schrotsäge
Zudelschneider = Haarschneider, Frisör

Expertenjury hat die Begriffe "gefiltert"

Die Experten der Jury hatten beim Aussuchen die Qual der Wahl. Carmen Krüger vom Erzgebirgsverein, Sprachforscherin Elvira Werner, Volksmusikerin Elvira Schwenke, Mundart-Sänger Hendrik Seibt und Mundart-Reporter Christof Heyden stießen bei ihrer Auswahl auf Worte, die teilweise schon nicht mehr sind oder nur in einzelnen Regionen des Erzgebirges verwendet werden. Sie entschieden sich am Ende für die zehn Begriffe, die eine Tätigkeit möglichst witzig und punktgenau umschreiben.

Erzgebirgsverein will Debatte über Mundart anstoßen

Der Erzgebirgsverein will mit der Suche nach dem Wort des Jahres die erzgebirgische Mundart mehr in Erinnerung bringen. Diskutiert werden soll der Stellenwert der Mundart gerade bei jungen Leuten. Gleichfalls soll die Mundart nicht nur bei traditionellen Liedern, sondern auch bei neuen Liedern und Texten lebendig gehalten werden.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 10.11.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2019, 16:40 Uhr

Mehr aus Annaberg, Aue und Schwarzenberg

Mehr aus Sachsen