12.01.2020 | 08:00 Uhr Krippenplatz in Jöhstadt kostet 260 Euro

Wenige Ärzte, schlechte Anbindung zum Nahverkehr, weiße Flecken beim Internet und niedrige Löhne. Das sind die Themen mit denen Menschen im Erzgebirge kämpfen. Trotzdem will die lokale Wirtschaftsförderung junge Leute in die Region locken und argumentiert mit den niedrigen Lebenshaltungskosten. Doch gerade junge Familien stehen vor einem weiteren Problem - teils hohen Kita-Kosten, wie das Beispiel Jöhstadt zeigt.

Gummistiefel für Kinder
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Das Erzgebirge ist für junge Leute eine attraktive Region. So sieht es zumindest die regionale Wirtschaftsförderung. Sie wirbt mit geringer Arbeitslosigkeit, günstigen Wohnungen und niedrigen Grundstückspreisen. Doch der Run auf das Erzgebirge ist bisher ausgeblieben.

Ein Blick auf die Gebühren für die Kinderbetreuung zeigt, dass es zumindest in einigen Gemeinden im Erzgebirge für Familien nicht unbedingt günstiger ist. Ein Krippenplatz in der Gemeinde Jöhstadt kostet stolze 260 Euro im Monat. Zum Vergleich: in Chemnitz ist er 100 Euro günstiger.

"Jöhstadt hat knapp 2.600 Einwohner, wir haben allein drei Kindergärten plus einen Hort und auf diese Struktur bildet sich natürlich auch die ganze Kostenstruktur ab - mit den Sachkosten, mit den Personalkosten", so Bürgermeister Olaf Oettel. "Das heißt, wir brauchen für kleine Kindereinrichtungen relativ viel Personal."

Kind in der Kita
Ein Krippenplatz in der Gemeinde Jöhstadt kostet 260 Euro im Monat, in Chemnitz nur 160 Euro. Bildrechte: IMAGO

Für Silvia Hofmann aus dem Jöhstädter Ortsteil Steinbach sind die Kindergartenkosten kein Thema, obwohl sie fünf Kinder hat. "Also unsere fünf Kinder sind alle in Betreuung, im Hort und im Kindergarten, Vollzeit", erzählt sie. "Und unser derzeitiger Beitrag ist gerundet 130 Euro für alle Kinder. Weil die großen Kinder im Hort anteilig sind, und das vierte und fünfte Kind im Kindergarten ist frei."

Für eine alleinerziehende Mutter, die Mindestlohn bekomme und ein Krippenkind habe, sehe es da schon anders aus, sagt Sylvia Hofmann. Für sie sei wichtig, dass sie vor Ort im Dorf einen Kindergarten habe, denn was die Leute wirklich abschrecke, aufs Dorf zu ziehen, sei die schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Wenn ihr Kind den Schulbus verpasse, komme es den ganzen Tag nicht mehr zum Unterricht.

Wenn ich alles haben will, muss ich in die Großstadt ziehen

Matthias Liske von der Wirtschaftsförderung Erzgebirge, sieht beim Öffentlichen Nahverkehr im Erzgebirge offenbar keine Reserven: "Wenn ich alles haben will, muss ich in die Großstadt ziehen. Und wenn ich sage, ich kann mit weniger auskommen und kann anders leben und ich habe kein Problem mit dem Pkw das entsprechend zu tun, dann fühlen die Leute sich auf dem Land unwahrscheinlich wohl."

Quelle: MDR/al/mw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 09.01.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2020, 08:00 Uhr

1 Kommentar

o.r.s.-wehner vor 6 Wochen

Ich komme selbst aus Jöhstadt und kenne die Gegebenheiten im Jöhstädter Rathaus. Die Vorgehensweisen ähneln Diesem in Palermo. Die Stadt leistet sich eine Bauhofausstattung wie eine Autobahnmeisterei, kündigt einen Architektenvertrag zum Neubau des Steinbacher Feuerwehrdepots und gibt dafür 50.000€ als Vertragsstrafe aus. Und dass alles während einer Haushaltskonsilutierung. Da das Geld dann nicht ausreicht, erhebt man eine erhöhte Grundsteuer und treibt diese dann noch rückwirkend ein. Weiter berechnet man den Eltern eine absurd hohe Kitagebühr, wo es noch nicht mal einen neuen Kindergarten mit modernster Ausstattung gibt! Aber das Geld wird immer dort geholt, wo es am Einfachsten ist, beim dummen Bürger, der sich nicht mal wehrt! So wird dass jedenfalls nichts mit einem lebenswerten Erzgebirge!

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