19.11.2019 | 10:12 Uhr Erzgebirgerin schreibt Krimis: "Ich morde lieber auf dem Papier"

Anett Steiner aus dem Erzgebirge liest nicht nur gerne Krimis, sondern schreibt auch welche. Jetzt kommt ihr neuestes Werk in den Handel: "Splitternacht". Tatort ist natürlich wieder das Erzgebirge. MDR SACHSEN-Moderatorin Heike Leschner hat mit Anett Steiner gesprochen.

Buchcover Splitternacht 6 min
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Allein das Coverfoto des Buches "Splitternacht" verspricht Spannung. Von Anett Steiner gibt es einen neuen Erzgebirgskrimi. Woher kommt ihre Leidenschaft für Krimis? Heike Leschner sprach mit der Autorin.

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mo 18.11.2019 16:10Uhr 06:01 min

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Heike Leschner: Ein düsterer Novembertag, perfekt für einen Krimi. Genau der ist das Steckenpferd der Erzgebirgerin Anett Steiner. Frau Steiner, der Titel Ihres neuen Krimis "Splitternacht" verspricht Mordphantasie, die Sie ja auch schon in Ihren bisherigen Erzgebirgskrimis bewiesen haben. Woher kommt denn Ihre Leidenschaft für Krimis?

Anett Steiner: Ich bin immer schon eine Krimileserin gewesen. Irgendwann überlegt man sich da mal: Mhh, man kann nicht jeden leiden. Und wenn ich dem nichts tun kann, mache ich das einfach in einer Geschichte (lacht). Es macht Spaß, sich Krimis auszudenken. Bei mir ist auch immer ein kleines Lächeln dabei. Ich schreibe nicht extrem blutrünstig, sondern schwarzhumorig. Ich morde lieber auf dem Papier, als dass ich das so probiere (lacht).

Ich glaube, Frauen morden irgendwie subtiler und raffinierter. Na, da muss nicht soviel Blut fließen und nicht soviel Gewalt herrschen. Es geht also in dem Fall auch um den Sturm. 2018 war im Erzgebirge einiges los.

2018 hat ein Sturm das Erzgebirge heimgesucht und ist über unsere Heimat gefegt. Und da hat es unheimlich viele Schäden gegeben. Im Wald, an Gebäuden. Wir waren auch selbst betroffen, auch viele Nachbarn. Es sah aus wie nach einer Katastrophe. Da es in den Geschichten um den Sturm geht, hab ich die Schauplätze ausgewählt nach Orten, wo der Sturm am meisten gewütet hat.

Sie sagen "diese Geschichten". Es sind tatsächlich mehrere, die sich in einer Art Episodenkrimi zusammenfügen. Ist das so?

Genau. Es gibt Hauptfiguren, die sich durch die ganze Geschichte ziehen, aber die einzelnen Standorte, die einzelnen kriminellen Handlungen sind wie kleine, einzelne Geschichten zu betrachten, haben aber im Ganzen einen roten Faden, der sich durch das ganze Buch zieht.

Es gibt auch noch einen roten Faden, der auch schon durch Ihre letzten Krimis geführt hat, und zwar Ihren Kommissar Ralph Lorenz, der ja, soweit ich weiß, inzwischen pensioniert ist. Aber der ermittelt jetzt im aktuellen Fall noch.

Ja, er muss leider weiter ermitteln. Ich hatte ihn mal in einer Kurzgeschichte pensioniert. Aber ich bin da echt auf Widerstand gestoßen, also er muss weiter ermitteln.

Wie die Fans doch die Arbeit beeinflussen. Jetzt sind Sie, Frau Steiner, ja hauptberuflich Orthopädietechnikerin und begegnen da auch jeden Tag vielen Menschen, die von sich erzählen. Greifen Sie auch schon mal das eine oder andere Motiv mit auf?

Ich habe mich einmal hinreißen lassen, einen mordenden Orthopädietechniker auf den Weg zu schicken in einer Kurzgeschichte und ansonsten sind es die Kunden (lacht). Die verschiedenen Charaktere, das Auffällige an manchen Leuten, das nimmt man sich schon mit als kleinen Baustein für eine Figur. Aber ich habe noch keinen Kunden eins zu eins abgebildet.

Aber man muss schon aufpassen, was man Ihnen erzählt (lacht). Frau Steiner, wie organisieren Sie sich denn zeitlich? Sie haben ein Vollzeitberuf. Sie haben Familie, Sie haben einen zweijährigen Sohn, und jeder weiß, was das bedeutet. Wann schreiben Sie denn und wo?

Abends, wenn alles andere erledigt ist, das Kind im Bett und die Arbeit vorbei. Wo jeder andere sich mit einem Gläschen Wein aufs Sofa setzt, die Beine hochlegt und fernsieht, da fahre ich meinen Laptop hoch und fange an zu schreiben. Die Gedanken habe ich mir meistens schon im Vorfeld gemacht. Ich bin viel im Außendienst, fahre viel Auto und da kreiseln schon die Gedanken um den nächsten Mord, der abends zu Papier gebracht wird.

Ja, manchmal hoffe ich aber, dass Sie trotzdem Fernsehen gucken, wie letzte Woche zum Beispiel, als es im ZDF den ersten Erzgebirgskrimi gab. Kann das eine Art Werbeeffekt auch für erzgebirgische Krimiautoren wie Sie bewirken?

Ich hoffe. Die regionalen Geschichten haben einen unheimlichen Reiz. Ich lese nicht nur Sachen, die hier bei uns spielen, sondern auch gerne mal einen Regionalkrimi, der an der Nordsee spielt. Um auch selbst kennenzulernen, welche Eigenschaften werden den Leuten zugeschrieben? Wo ist es schön? Welcher Schauplatz wird beschrieben, den man dann auch privat mal aufsuchen kann? Das regionale hat unheimlich viel Reiz.

Und wie ich erfahren habe, haben Sie jetzt mittlerweile auch Ihren Mann infiziert, der Ihnen hoffentlich nicht die Fälle und die Schauplätze wegnimmt.

Mit meinem Mann habe ich einen Handwerker-Krimi geschrieben, weil wir einfach auch mal einen Handwerker ordentlich zur Tat schreiten lassen wollten.

Arbeiten Sie schon an etwas neuem?

Ja.

Gut, da wollen wir jetzt nicht zu viel verraten. Frau Steiner, ganz viel Erfolg und weiter gute Ideen. Auf dass das Erzgebirge spannend bleibt, aber sicher.

Ganz herzlichen Dank, so sehe ich das auch.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.11.2019 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 10:12 Uhr

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