29.09.2019 | 12:17 Uhr Pilzberater warnt: Brauner Fliegenpilz vermehrt sich in Sachsen

So ganz genau weiß man es nicht, doch es könnte am Klimawandel liegen: In Sachsen breitet sich der giftige Braune Fliegenpilz aus. Er wird häufig mit dem essbaren Perlpilz verwechselt, warnt Pilzberater Frank Demmler aus dem Erzgebirge. Bei welchen Pilzarten noch Verwechslungsgefahr droht und was unerfahrene Sammler beachten sollten, das hat er im Gespräch mit MDR SACHSEN verraten.

Herr Demmler, immer wieder kommt es zu Vergiftungsfällen bei Pilzsammlern. Welche Pilze könnten unerfahrene Sammler verwechseln?

Der Perlpilz ist ein schmackhafter Speisepilz und wird leider häufig mit dem Braunen Fliegenpilz verwechselt. Der Perlpilz wächst vor allem in sächsischen Gebirgs-Nadelwäldern. Seit dem Jahr 2000 häufen sich diese Fälle mit dem Braunen Fliegenpilz und ich werde immer mal in die Notaufnahmen gerufen, um bei der Diagnose mitzuhelfen. 80 Prozent der Fälle werden durch den Braunen Fliegenpilz verursacht.

Welche Merkmale unterscheiden die Pilze?

Es gibt drei Unterscheidungsmerkmale: Der Perlpilz hat immer rötendes Fleisch. Das heißt, wenn er angeschnitten wird, färbt sich der Pilz fleischfarben-rosa. Zudem hat der Perlpilz immer eine deutlich längs-geriefte Manschette. Der Erzgebirger sagt, er hat ein Höschen am Stiel. Die Knolle des Pilzes ist zwiebelförmig und hat im Alter immer einen glatten Hutrand. Der giftige Braune Fliegenpilz hat dagegen eine glatte Manschette, die meisten runterhängt. Der Blick sollte immer zuerst auf die Manschette gehen. Das Fleisch verfärbt sich beim Anschneiden bräunlich-gelb. Die Knolle ist unten immer mit einem Schuppengürtel versehen.

Vorsicht, Verwechslungsgefahr!

In Sachsen hat die Zahl der Pilzvergiftungen zugenommen. Oft sind Verwechslungen schuld. Wie zum Beispiel zwischen dem Perlpilz (essbar, links) und dem Braunen Fliegenpilz (giftig, rechts).

Perlpilz
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Perlpilz
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Ein brauner Fliegenpilz
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Immer wieder ist Leichtsinn bei den Vergiftungsfällen zu verzeichnen. Auch alte Erzgebirger sind davon betroffen. Denn wahrscheinlich durch die Klimaerwärmung scheint sich der Braune Fliegenpilz bei uns zu vermehren und steht so zwischen den Perlpilzen. Das macht die Gefahr nur noch größer.

Gibt es noch andere Pilze, bei denen Verwechslungsgefahr droht?

In unseren Fichtenwäldern gibt es den giftigen Porphyrbraunen Wulstling, der dem grauen Wulstling sehr ähnlich sieht. Auch der Pantherpilz kann mit dem Grauen Wulstling verwechselt werden. Allerdings kommt der Pantherpilz seltener vor.

Was empfehlen Sie den Leuten beim Pilze sammeln?

Wenn jemand in die Pilze geht und unbekannte Pilze sieht, dann mit dem gesamten Stiel getrennt von den anderen Pilzen mitnehmen und einem Experten zeigen. Leute, die das erste Mal in die Pilze gehen, sollten erstmal nur Röhrlinge sammeln. Denn bei den Röhrlingen gibt es nur einen Giftpilz, der aber nicht in unseren sächsischen Wäldern wächst. Bei den Lamellenpilzen gibt es dann wieder mehr giftige Varianten. Da müssen Sammler aufpassen. Sind Sie sich nicht sicher, lassen Sie die Pilze stehen oder zeigen Sie sie einem Berater.

Vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: MDR/al/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 26.09.2019 | 13-18 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 29.09.2019 | 19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2019, 12:18 Uhr

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