Luftaufnahme der Greifensteine, sieben freistehender 20-30 Meter hoher Felsen.
Eines der vielen Ausflugsziele im Erzgebirgskreis: die Greifensteine. Bildrechte: dpa

Kommunalwahl 2019 Erzgebirgskreis: Zwischen Tradition und Moderne

Sachsen ist mehr als nur Dresden, Leipzig und Chemnitz. Deshalb besucht MDR SACHSEN Landkreise abseits der großen Städte. Heute: das Erzgebirge. Der einwohnerreichste Landkreis in Sachsen ist vor allem für Urlauber ein interessantes Reiseziel - und das zu jeder Jahreszeit.

von Ines Gruner-Rudelt

Luftaufnahme der Greifensteine, sieben freistehender 20-30 Meter hoher Felsen.
Eines der vielen Ausflugsziele im Erzgebirgskreis: die Greifensteine. Bildrechte: dpa

Eine traumhaft schöne Gegend

Im Winter verwandelt sich das Erzgebirge geradezu in ein Paradies für Freizeitsportler. Dann lockt die Region Touristen aus Nah und Fern an die Lifte und in die Loipen. Zur Weihnachtszeit erstrahlt es zudem in tausendfachem Lichterglanz. Im Sommer lässt sich das Erzgebirge ausgiebig zu Fuß erkunden, dank eines mehr als 5.000 Kilometer langen Wanderwegenetzes.

Abseits des Tourismus aber wirkt die ländliche Region zunehmend verlassen. Denn die Menschen sind vor allem in den großen Städten des Kreises zu Hause, dort wo es die meisten Arbeitsplätze gibt.

Insgesamt haben wir schon in den letzten Jahren eine recht gute Entwicklung genommen, auch wirtschaftlich. Wir haben 15.500 Unternehmen bei uns hier über alle Branchen. Da kommt dann aber auch gleich das große ABER. Fast alle klagen über das gleiche Thema: die Entwicklung der Arbeitskräfte, also das ist schon ein Schwerpunktthema.

Frank Vogel (CDU) Landrat

Die Jugend wandert ab

Auch im Erzgebirge fehlen die jungen, motivierten Nachwuchskräfte. Zwar gilt der Erzgebirger im Allgemeinen als heimatverbunden und traditionsbewusst. Im Besonderen aber hat der Landkreis ein Problem mit seiner Alterspyramide.

Die Jugend wandert ab, nach wie vor. Wir müssen uns also irgendwie Gedanken machen, die Jugend hier zu halten. Tja, wie geht das? Wenn man ehrlich ist, dann reicht nicht nur irgendwie das Heimatgefühl und hier bin ich geboren. Es ist nicht jeder so ortsverbunden wie ein Jens Weißflog. Und die Frage ist, warum sind andere Regionen attraktiver als wir? Also ich glaube, es ist in erster Linie der Lohn, da sind wir im Erzgebirge nämlich weit hintendran.

Jörg Neubert (SPD) Vorsitzender Kreistagsfraktion

Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt verbessern

Das Erzgebirge braucht gute Ausbildungs - und Arbeitsplätze, um vor allem junge Menschen zu halten. Damit sie langfristig an die Region gebunden werden können, muss aber nicht nur Höhe des Lohnes stimmen.

Ein Passant geht an dem Logo der Agentur für Arbeit vorbei.
Viele junge Leuten wandern aufgrund besserer Jobaussichten in die großen Städte ab. Bildrechte: dpa

Es braucht jeder junge Mensch eine materielle Sicherstellung, eine Existenzgrundlage. Und es gehört dazu, dass er für alles das, was er kann, gelernt und geleistet hat, auch ordentlich bezahlt und eingestellt wird, nicht nur befristet. Die Jugendlichen müssen von Anfang an in die Betriebe integriert werden.

Hubert Protzel (Linke) Mitglied Kreistagsfraktion

Am Ende aber muss aber auch das soziale Umfeld stimmen. Hier setzt die AfD, fünftstärkste Fraktion im Kreistag nach CDU, Linke, Freie Wähler und SPD, auch auf das Thema Wohneigentum.

Warum soll man nicht einmal unkonventionelle Ideen entwickeln? Dass die Gemeinden und kleineren Städte sagen, okay wir verkaufen die erschlossenen Baugrundstücke günstiger an Familien mit Kindern, vielleicht sogar gestaffelt nach der Anzahl der Kinder. Wenn die jungen Leute hier einmal Eigentum geschaffen haben, ist die Bindung an die Region noch viel größer.

Thomas Dietz (AfD) Fraktionsvorsitzender Kreistag

Ausbau der Infrastruktur bleibt zentrales Thema

Internetkabel und Glasfaser
Nicht nur Verkehrswege, auch die digitale Infrastruktur soll ausgebaut werden Bildrechte: imago/Christian Ohde

Die unzureichende Infrastruktur ist nach wie vor eine Baustelle im Erzgebirge. Hier müssen künftig die richtigen Weichen gestellt werden - für schnelle Datennetze und gut ausgebaute Verkehrswege. Nur so bleiben die jungen Menschen im Erzgebirge. Nur so hat auch der südliche Teil des Landkreises eine Chance sich weiterzuentwickeln und nur so bleibt die Urlaubsregion Erzgebirge auch in Zukunft ein beliebtes Reiseziel.

Zur Kreistagswahl am 26. Mai treten im Erzgebirge 495 Bewerber an. Sie bewerben sich um insgesamt 98 Sitze.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 14.05.2019 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

2 Kommentare

22.05.2019 14:10 Andreas Meyer 2

2010 bin ich in die Bodensee Region gezogen, um mehr Geld zu verdienen. Ich war im Erzgebirge als Elektrotechnikermeister in einem Industrieunternehmen beschäftigt, da haben wir Industrieanlagen für den deutschen und ausländischen Markt hergestellt und auch in Betrieb genommen, damals hatte ich ein Bruttostundenlohn von 12 €.
Meine Entscheidung in den "Westen" zu gehen, war Gold richtig. Heute habe Bruttostundenlohn von 26 € und dazu kommen noch Zulagen.
Um junge Leute im Erzgebirge zu halten, müssen sich die Löhne ändern, wie soll sich eine junge Familie eine Existenz aufbauen bei solchen Löhnen.
Da meine Eltern noch im Erzgebirge wohnen, sieht man ganz deutlich den Unterschied im Kaufverhalten im Erzgebirge gegenüber der Bodensee Region. Und das könnte bestimmt etwas mit den Verdienstmöglichkeiten zu tun haben.

MfG A. Meyer

22.05.2019 13:00 mare nostrum 1

Es gibt Leute, die halten die Lorenzianer, die oft verniedlicht werden, für eine geheime Macht im Erzgebirge, die Strippen zieht.

Staat und evangelische Kirche haben dem/wollen wenig dagegenhalten.

Warum?

Mehr aus Annaberg, Aue und Schwarzenberg

Mehr aus Sachsen