Im Räuchermann-Museum Cranzahl
Holzkunst aus Fernost in einer Welterbestätte? Für manchen ein Frevel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

07.10.2019 | 15:25 Uhr Männelmacherstreit in Olbernhau

Holzkunst aus Fernost in einer erzgebirgischen Welterbestätte? Wenn es nach einem Großhändler aus Olbernhau geht – kein Problem. Doch gegen den geplanten Laden in der Saigerhütte regt sich Widerstand in der Männelmacher-Zunft.

Im Räuchermann-Museum Cranzahl
Holzkunst aus Fernost in einer Welterbestätte? Für manchen ein Frevel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Fabrikverkauf für Holzkunst in Olbernhau sorgt für Unruhe bei den erzgebirgischen Holzkünstlern. Die Firma Saico will in der traditionsreichen Saigerhütte einen Laden für Holz- und Glasartikel eröffnen. Von der exponierten Lage in der Welterbestätte verspricht sich die Firma ein besseres Geschäftsumfeld als am alten Standort am Stadtrand. Doch gegen die Pläne regt sich Protest. Das Problem: In dem neuen Saico-Laden sollen nicht nur Erzeugnisse aus dem Erzgebirge angeboten werden. Im Saico-Sortiment sind auch Holzartikel aus Fernost. Für den Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller ist das ein Problem.

Imageschaden durch "Billigkopien aus dem Ausland"

Frederich Günther
Verbandschef Frederic Günther sieht in den Plänen einen Imageschaden für die Welterberegion. Bildrechte: Privat

Deshalb hat der sich Verband mit einem Schreiben an die Stadt gewendet, die die Räume in der Saigerhütte an Saico vermieten will. Für Verbands-Geschäftsführer Frederic Günther ist die Entscheidung der Stadt unverständlich: "Das Problem bei der Firma Saico ist, dass sie sowohl erzgebirgische Holzkunst verkaufen als auch – ich sag mal – Plagiate. Und das wird nicht immer getrennt." So sei für den Kunden nicht immer klar erkennbar, dass viele Artikel aus Fernost stammten. In dem Schreiben des Verbandes an die Stadt, das MDR SACHSEN vorliegt, heißt es: "Es wäre nicht nur für Olbernhau sondern für die gesamte Montanregion Erzgebirge ein riesiger Imageschaden, wenn in einem Welterbeobjekt Billigkopien aus dem Ausland verkauft würden!"

Artikel sind gekennzeichnet

Saico-Geschäftsführer Frank Sajuns kann die Aufregung nicht verstehen. "Es ist nicht in unserem Sinne, dass wir jetzt den 101. Laden mit erzgebirgischer Volkskunst eröffnen. Wir machen ein sogenanntes 'Weihnachts-Dekorationskonzept'. Und dieses Konzept unterscheidet sich wesentlich von allen anderen Geschäften in und um Seiffen. Und so wollen wir auch unseren Laden in der Saigerhütte gestalten." Dazu gehöre, dass über den Artikeln oder Räumen stehe, wo die Ware herkomme. Auch die Holzkunst aus China sei speziell gekennzeichnet. "So haben wir hier eine saubere Trennung und jeder Kunde kann sich entsprechend seines Geldbeutels entscheiden, was er kauft", sagte Sajuns MDR SACHSEN.

Wir verkaufen in unserem Werksverkauf in Olbernhau schon seit fünf Jahren Holzkunst aus Fernost.

Frank Sajuns Geschäftsführer der Firma Saico

Alles bloß eine Neiddebatte?

Die Saigerhütte
Die Stadt Olbernhau vermietet bisher leerstehende Räume in der Saigerhütte an den Großhändler Saico. Bildrechte: Marko Borrmann

Es gebe viele Touristen, die original erzgebirgische Volkskunst kauften und dann noch extra ein kleines preiswertes Mitbringsel für Freunde oder Verwandte, das nicht mehr als zehn Euro kosten dürfe. Und das sei dann eben ein Artikel, der nicht aus Deutschland sei. Sajuns vermutet hinter der Kritik des Verbandes der Erzgebirgischen Kunsthandwerker und Spielzeughersteller vor allem kommerzielle Motive: "Der Verband glaubt, dass unsere Firma mit der Saigerhütte einen deutlichen Vorteil hinsichtlich der Verkaufslage bekommt. Das sehen wir auch so, sonst würden wir ja nicht an den Standort wechseln. Das ist nicht der erste wettbewerbliche Angriff des Verbandes gegen uns". Wenn die Stadt seiner Firma zur Auflage mache, dort nur erzgebirgische Holzkunst zu verkaufen, werde man den Mietvertrag nicht unterschreiben.

Kein Imageschaden für Welterberegion

Heinz-Peter Haustein, OB Olbernhau
Heinz-Peter Haustein, Bürgermeister von Olbernhau, sieht in den Plänen der Firma Saico kein Problem. Bildrechte: MDR/Julia Kastein

Olbernhaus Bürgermeister Heinz-Peter Haustein denkt überhaupt nicht an solche Auflagen. "Wir verstehen die Forderungen des Verbandes, dass es eine eindeutige Trennung geben muss. Aber das hat Saico ja auch zugesichert. Insofern sehe ich hier keine Probleme", sagte Haustein MDR SACHSEN. Dass das Image der UNESCO Welterberegion wegen der chinesischen Räuchermännchen leiden könnte, sieht der FDP-Politiker nicht: "Der Verband hätte sich ja ebenfalls für die Verkaufsräume in der Saigerhütte bewerben können. Das war aber nicht der Fall." Also habe man nach ausgiebiger Diskussion im Stadtrat Saico den Zuschlag gegeben. Die Stadt verpachtet die Verkaufsräume für 30.000 Euro im Jahr bei einer Laufzeit von acht Jahren. "Das ist fast eine Viertel Million Euro für unsere Stadt", so Haustein.

Quelle: MDR/mwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.10.2019 | 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2019, 15:24 Uhr

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