Angeklagte im Prozess gegen einen Mann in Aue
Bildrechte: Harry Härtel

07.06.2019 | 14:04 Uhr Aue: Hohe Haftstrafen nach Tötung eines Homosexuellen

Angeklagte im Prozess gegen einen Mann in Aue
Bildrechte: Harry Härtel

Im Prozess um den Tod eines homosexuellen 27-Jährigen in Aue sind die drei Täter wegen Totschlags zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die Schwurgerichtskammer am Landgericht Chemnitz verhängte am Freitag gegen den 27 Jahre alten Haupttäter eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren. Die beiden 22 Jahre alten Mittäter wurden zu jeweils elf Jahren Haft verurteilt. Überdies ordnete die Kammer für beide vor Haftantritt eine Entziehungstherapie im Maßregelvollzug für zunächst zwei Jahre und fünf Monate an.

Das Landgericht Chemnitz sah es am Freitag als erwiesen an, dass die drei Männer einen Menschen in menschenverachtender Weise getötet hatten. Als Gruppe hätten sie eine Dynamik entwickelt und seien bei ihrer Tat hemmungslos vorgegangen. Für einen der 22-Jährigen ist das Urteil bereits rechtskräftig. Er nahm die Strafe noch im Gerichtssaal an. Die anderen Täter sowie die Staatsanwaltschaft prüfen Rechtsmittel.

Die Staatsanwaltschaft hatte für einen der drei Angeklagten lebenslangen Freiheitsentzug gefordert. Staatsanwalt Stephan Butzkies begründete seine Entscheidung mit der Heimtücke der Tat. Für die beiden anderen Angeklagten hatte er auf Freiheitsstrafen von zwölf Jahren und sechs Monaten sowie 13 Jahren und sechs Monaten plädiert. Ihnen warf er Totschlag vor. Die Verteidigung war mit ihren Anträgen deutlich unter diesen Strafmaßen geblieben.

Politischer Hintergrund oder nicht?

Die drei Männer im Alter zwischen 22 und 27 Jahren hatten dem Gericht zufolge einen 27-jährigen homosexuellen Mann im April 2018 auf einem ehemaligen Bahngelände in Aue brutal misshandelt und getötet. Der Getötete erlitt laut Rechtsmedizinern schwerste Gesichts- und Kopfverletzungen. Der Prozess vor dem Landgericht Chemnitz hatte im Dezember 2018 begonnen.

Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt, weil er in der Statistik der Opferhilfe RAA Sachsen unter politisch rechtsmotivierter Gewaltkriminalität geführt wird. Dem Verein zufolge ist es das 17. Todesopfer rechter Gewalt in Sachsen seit 1990. Der Staatsanwalt und der psychiatrische Gutachter sahen das anders. Sie machten kein rechtes Motiv für die Tat aus.

Quelle: MDR/ma/dk/dpa/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.06.2019 | 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz
MDR SACHSENSPIEGEL | 07.06.2019 | 19:00 Uhr

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