Das Landgericht in Chemnitz.
Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

21.05.2019 | 19:01 Uhr Mordfall in Aue: Gutachter sieht keinen rechtsextremen Hintergrund

Das Landgericht in Chemnitz.
Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Der Mord an einem Homosexuellen im vorigen Jahr in Aue hat nach Überzeugung eines psychiatrischen Gutachters keinen rechtsextremen Hintergrund. Der Fall hatte zuletzt Aufsehen erregt, weil er in der Statistik für politisch motivierte Kriminalität von Rechten geführt wurde. Die drei deutschen Männer im Alter zwischen 22 und 27 Jahren sind wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Sie sollen am 17. April 2018 einen 27-Jährigen brutal misshandelt und getötet haben.

Gutachter bewertet rechte Gesinnung als Orientierungssuche

Am inzwischen 12. Verhandlungstag wurde der psychologische Gutachter befragt. Dieser attestierte nur dem 22-jährigen Stefan H. eine rechtsgerichtete Gesinnung. Bei seinen Gesprächen habe er ihn jedoch nicht als Rechtsradikalen erlebt. Der Gutachter bewertete das Verhalten als Orientierungssuche. Ein Schwulenhass sei bei dem 22-Jährigen zwar angeklungen. Jedoch stünde dieser nicht im Zusammenhang mit rechtsradikalen Überzeugungen. Ursache für die Tat sei vielmehr der Alkoholkonsum gewesen. Ohne Alkoholkonsum sei ihm Stefan H. nicht als aggressiv aufgefallen. Gleichzeitig attestierte der Gutachter dem Angeklagten, dass er trotz des Alkoholkonsums am Tatabend noch beurteilen konnte, was er tat. Er empfahl unabhängig von der Höhe des Urteils eine abschließende Entziehungskur.

Alkohol als Auslöser

Auch die beiden anderen Angeklagten, der 27-jährige Terenc H. und der 22-jährige Jens H. standen nach Aussage des Gutachters am Tatabend unter Alkoholeinfluss. Während bei Jens H. keine pathologische Alkoholsucht feststellbar sei, sei Terence H. starker Alkoholiker. Zudem hätte er bei der Tat auch unter dem Einfluss von Drogen gestanden.
Jens H. sei nach Zeugenaussagen am Tatabend nicht übermäßig alkoholisiert gewesen. Auch bei Terence H. hätten Zeugen, die kurz nach der Tat mit ihm zusammengekommen waren, keine Ausfallerscheinungen festgestellt. Der Gutachter empfahl bei beiden Angeklagten keine Entziehungskur. Jens H. habe keine Bereitschaft dazu gezeigt, bei Terenc H. sehe er als Psychologe in einer Entziehung keine erfolgversprechende Lösung.

Am 7. Juni werden die Plädoyers erwartet. Dann ergeht auch das Urteil gegen die drei Angeklagten.

Quelle: MDR/mar/tfr/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.05.2019 | ab 6:00 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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