27.03.2020 | 19:57 Uhr Erzgebirger wollen effektiven Mundschutz gegen Viren entwickeln

Die Silberfunde im Erzgebirge machten Sachsen einst reich. Jetzt kommt das Silber zu ganz anderen Ehren: als Betandteil von medizinischen Schutzmasken, die im erzgebirgischen Geyer produziert werden.

Zwei Munschutze auf einem Tisch, eine mit der Verder-, die andere mit der Rückseite nach oben.
So sieht der Prototyp des neuen Mundschutzes aus Geyer aus. Bildrechte: MDR/Sven Böttger

Am Freitag hat der Prototyp einer neuartigen Mundschutzmaske aus dem erzgebirgischen Geyer seinen Weg zum Testlabor angetreten. Dort soll überprüft werden, ob das neu entwickelte Modell gegen Viren schützen kann. Das Geheimnis des von der Firma Brändl Textil gemeinsam mit dem Mildenauer Vliesstoff-Hersteller Norafin und der Weberei Spengler und Fürst entwickelten Mundschutzes verbirgt sich im Materialmix. Die jetzt schon gegen Bakterien und Keime schützende Maske aus Geyer soll, mit einem Vlies aus Mildenau kombiniert, auch gegen Viren schützen.

Der Geschäftsführer der Firma Brädl Textil, Jörg Brändl, hält zwei Mundschutze.
Der Geschäftsführer der Firma Brädl Textil, Jörg Brändl mit dem Prototyp der neuen Maske. Bildrechte: MDR/Sven Böttger

Der Geschäftsführer von Norafin, André Lang, hofft, dass die Kombination funktioniert. "Unser Anteil ist das Filtrieren von Partikeln, möglicherweise auch von Viren. Damit die im Gewebe bleiben und man sie mit den Geweben, die darüber liegen, behandeln kann." Jörg Brändl, Geschäftsführer der Brändl Textil GmbH aus Geyer, ist zuversichtlich, dass die Testergebnisse bald vorliegen. "Das Institut hat uns zugesichert, innerhalb einer Woche Ergebnisse zu liefern. Dann wissen wir, wie die Maske funktioniert und wie die Dichtheit gegen Viren ist." Er hoffe, dann nur noch bestimmte Teile verbessern zu müssen, damit die Maske ihren Zweck erfüllt.

Jetzt schon sicherer Schutz gegen Bakterien

Schon jetzt arbeitet die Firma Brändl an der Belastungsgrenze. Täglich verlassen 2.500 der dringend gebrauchten Mundschutze das Werk. Firmenchef Jörg Brändl hat schwarz auf weiß, dass seine "versilberten" High-Tech-Masken bereits gegen Bakterien und Keime schützen. "Derzeit kann unsere Maske mit Hilfe von eingewebten Silberfäden innerhalb von einer Stunde Keime und Bakterien direkt töten, indem das Silber deren DNA angreift." Der Stoff sei an der Uniklinik Dresden mit eindeutigem Ergebnis getestet worden.

In einem Nähsaal nähen Frauen mit Munschutz an Gesichtsmasken.
Die Näherinnen der Firma Brändl nähen bis zu 2.500 Mundschutze am Tag. Bildrechte: MDR/Sven Böttger

Silberne Idee stammt aus Sachsen

Die Idee für den Anti-Keim-Stoff hatte das Traditionsunternehmen Spengler & Fürst aus Crimmitschau. Neben hochwertigen Bekleidungsstoffen und einer Maßkonfektion setzt die Weberei verstärkt auf technische Textilien. Die Kontakte zwischen Spengler & Fürst und Brändl laufen bereits seit mehreren Jahren. Andere Verbindungen werden während der Corona-Pandemie neu geknüpft, bestätigte eine Sprecherin des Gesamtverbandes der deutschen Textilindustrie: "Es wurden inzwischen verschiedene Netzwerke gegründet, um Hersteller zentraler Zulieferprodukte mit Fertigungsfirmen zur Herstellung von Schutzausrüstung zusammenzubringen." Das sei sowohl national als auch europaweit der Fall.

Nachhaltigkeit und schnelle Verfügbarkeit

Jörg Brändl wünscht sich, dass die medizinischen Einrichtungen in Deutschland die Erfindung auch annehmen. "Der Mundschutz ist sehr leicht und er ist waschbar. Das heißt, wir könnten damit diese Müllflut bei den Einwegmasken eindämmen."
Gleichzeitig setze er auch auf kurze Wege. "Deshalb haben wir uns auch Partner wie Norafin gesucht, um im Umkreis von 50 Kilometern mindestens 90 Prozent der Produktionskette zu halten. Damit sind wir unabhängig und können schnell reagieren."

Auch im vermeintlich hohen Preis der erzgebirgischen Entwicklung von mehr als zehn Euro sieht Brändl kein Hindernis. "Das ist nicht billig, der Stoff ist teuer durch das Silber, es wird hier produziert. Aber wenn dann so ein Mundschutz, der komplett schützt, vielleicht zwölf Euro kostet, aber bis zu 200 mal gewaschen werden kann, dann sind das pro Tragen gerade mal sechs Cent." Wenn man einen Preis von 80 Cent für einen Einwegschutz ansetzen würde, sei der wiederverwendbare Mundschutz wesentlich wirtschaflicher.

Wenn die Tests gut laufen, kann die Massenproduktion in zwei bis drei Wochen beginnen.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 27.03.2020 | 19:00 Uhr

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