ein Geocacher vermerkt seinen Fund im Logbuch und legt den Tupper zurück
Bildrechte: IMAGO

26.04.2019 | 15:30 Uhr Geyer will Geocacher zur Ordnung rufen

Geocaching ist in Deutschland eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung. Die Suche nach versteckten Geocaches mit GPS-Geräten führt die Nutzer zu geheimen Verstecken. Das wird aber nicht überall gern gesehen.

ein Geocacher vermerkt seinen Fund im Logbuch und legt den Tupper zurück
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Hunderte sogenannte "Caches" sind im Stadtgebiet von Geyer und den umliegenden Wäldern versteckt. Die Hobbyschatzsucher haben hier sehr rege nach immer neuen Verstecken gesucht und immer neue angelegt. Jetzt hat der Bürgermeister der Erzgebirgsgemeinde Harald Wendler allerdings genug. Er hat den Geocachern eine Frist bis zum 3. Mai gesetzt. Dann müssen erst einmal alle Caches verschwunden sein, sagt Wendler. "Wir haben festgestellt, dass das Geocaching einfach ausgeufert ist. Das findet statt im gesamten Stadtgebiet. Da wird an der Friedhofsmauer rumgekratzt und Fallrohre der Kirche dienen auch als Verstecke. Und dann geht es auch um unseren Wald, wo auf Bäume geklettert wird, wo Bäume auch beschädigt werden. Das geht so einfach nicht. Das Gebiet der Stadt Geyer ist mit einer Anzahl Caches versehen, die unüberschaubar sind. Und bisher ist nicht ein einziger genehmigt worden."

Verantwortung für Genehmigung liegt bei den Geocachern

Die Genehmigung für das Verstecken der Caches ist das eigentliche Problem. Auf der Internetseite geocaching.de, den die Schatzsucher für den Eintrag ihrer versteckten Schätze nutzen, ist das eindeutig geregelt. Dort ist zu lesen, dass ein Versteck so angelegt sein soll, dass es "... unter Berücksichtigung von geltenden Gesetzen erreichbar sein muss (Privateigentum, Naturschutz)...". Neben der Anforderung, bei Verstecken auf Privatgrund den Besitzer und bei solchen auf öffentlichem Grund eine zuständige Person zu kontaktieren und die Erlaubnis einzuholen, gibt es weitere Regelungen. Dort heißt es unter anderem:

Du solltest dich z. B. fragen, ob:

- diese Stelle aus Sicht des Landschafts- und Naturschutzes wirklich geeignet ist
- ein Cache an dieser Stelle vielleicht die moralischen und/oder religiösen Werte/Gefühle anderer verletzen kann? Mancher könnte pikiert sein, wenn eine Gedenkstätte für Kriegsopfer o.ä. als Schatzversteck herhalten muss
- das Suchen und Loggen des Schatzes an dieser Stelle ungefährlich ist? Wenn du einen Schatz versteckst, der nur in der Nacht zu finden ist, kann es in einigen Großstadtparks oder Jagdgebieten schon mit einem gewissen Risiko behaftet sein, sich dort aufzuhalten.

www.geocaching.de

Vom 732 Meter hohen Aussichtsfelsen bietet sich Besuchern ein weiter Rundblick über die Höhen des Erzgebirges.
Das Greifensteingebiet bei Geyer ist ein beliebts Ausflugsziel - nicht nur für Geocacher. Bildrechte: dpa

Geocaching ist eine moderne Form der Schnitzeljagd, bei der die Spieler mit GPS-Empfängern nach gut versteckten "Schatzkisten" suchen. In den Kisten liegen Logbücher, in denen sich die Spieler eintragen, nicht selten auch kleine Tauschgegenstände. Die Verstecke, die Caches, werden mit den dazugehörigen geografischen Koordinaten im Internet veröffentlicht. Die erste GPS-Schnitzeljagd fand im Mai 2000 in den USA statt. Mittlerweile gibt es nach Angaben des größten Geocaching-Netzwerkes Geocaching.com weltweit rund drei Millionen Verstecke für Schatzkisten. Neu ist das Spiel übrigens nicht. In Schottland suchte man schon in den 1850er-Jahren nach Schatzkästchen. Die Freunde des Letterboxings mussten allerdings noch ohne Satelliten-Unterstützung auskommen.

Bürgermeister Wendler will allerdings kein generelles Verbot aussprechen. Er sei mit den Geocachern im Gespräch, betont er. Er wolle, dass in Zukunft alles in geregelten Bahnen ablaufe. Nur so könnten alle profitieren - die Gemeinde und auch die Geocacher.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.04.2019 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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4 Kommentare

28.04.2019 09:28 Gerhard Berger 4

@Konrad Server

Eingrenzung des Waldbetretungsrecht des Wegerechts usw usw....
Dann wundert Ihr Euch wenn die Kinder der festen Meinung sind, dass die Kühe lila sind ...

Schicke einen Harvester in den Wald und man hat mehr Schäden als alle Geocascher zusammen abrichten ...

27.04.2019 13:14 Karel Alder 3

Kommentare sollte man nur Schreiben, wenn man sich richtig mit der Materie befasst hat. Geocaching kann man völlig kostenlos nutzen. Auch gibt es kostenfreie Apps. Natürlich gibt es auch Apps, die Geld kosten. Irgendwie muss der Aufwand auch bezahlt werden. Wenn Geocaching wegen der Bezahlapps im Wald verboten werden sollte, müsste auch das Radfahren verboten werden, denn hierfür gibt es auch kostenpflichtige Apps. Und was ist mit den Pilzsammlern, die Kreuz und quer den Wald durchlaufen...
Den meisten Geocachern ist der sensible Umgang mit der Natur bewusst. Deshalb werden regelmäßig sogenannte CITO-Events veranstaltet (übersetzt: Cache rein Müll raus). Zu diesen Events werden u.a. Müllablagerungen in Wäldern beseitigt, Bänke repariert, Geländer gestrichen oder Bäume gepflanzt.
Diese Events werden mit den entsprechenden Ämtern abgestimmt.
Für Geyer kann man nur hoffen, dass es eine vernünftige Einigung geben wird. Ein Bestehen auf das Abschalten der Caches ist der falsche Weg.

27.04.2019 13:10 hazina malaika 2

@K.Segger
Zunächst einmal sollte klargestellt werden, dass es sich beim Ausüben des Geocachings nicht um eine kommerzielle Nutzung des Waldes oder jedes anderen Fleckchens Natur handelt. Falsch ist auch, dass für die Nutzung einer entsprechenden App bezahlt werden muss. Jeder kann Geocaching ohne einen finanziellen Aufwand betreiben.
Natürlich müssen und sollte alle diese Caches dahingehend überprüft werden, ob sie nach den Regeln des Naturschutzes und des allgemeinen Verhaltens in der Natur platziert wurden. Aber nun die Geocacher allein dafür verantwortlich zu machen, dass Wild gestört, die Natur beeinträchtigt oder Müll zurückgelassen wird, ist falsch. Auch eine von Ihnen gewünschte Selektion danach, wer den Wald wie nutzt, führt sicher nicht zu einer Verbesserung der Situation und wäre ohnehin rechtlich fraglich.
Miteinander reden und Lösungen finden. Das sollte der Tenor sein.
Der Wald ist für alle da!

27.04.2019 11:02 Konrad Segger 1

Vielen Dank für diesen Artikel!
Geocatcher hinterlassen, auch wie viele Wanderer, Walker, Jogger, Fahrradfahrer und Mountainbiker (Plastik)-Müll in der Natur. Dies ist jedenfalls in unserem Waldgebiet aufgefallen. Zusätzlich wird massiv das Wild in den Einstandsgebieten gestört.
Eine Hinterfragung des Geocatching´s bezüglich der kommerziellen Nutzung des Waldes/Natur muss hinterfragt werden. Für die Nutzung der Geocatching-Apps muss bezahlt werden! Es müsste eine klare Änderung oder Eingrenzung des Waldbetretungsrechts folgen. Vielen Dank. Gez. KS

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