Interview Rodlerin Julia Taubitz: Mir sind auch einmal die Tränchen gekommen

Julia Taubitz, die Bobsportlerin, die für Oberwiesenthal startet und in Oberhof trainiert, hat einiges mit sich herumzuschleppen. Drei Medaillen hat sie von den Weltmeisterschaften am Königssee mitgebracht, zwei goldene und eine silberne. Nach ihrer Rückkehr von der WM hat sie MDR SACHSEN einiges zu erzählen.

Die deutsche Rennrodlerin Julia Taubitz hält nach dem Rennen auf der Kunsteisbahn am Königssee ihre Auszeichnungen.
Mit zwei goldenen und einer silbernen Medaille kommt Julia Taubitz von der WM am Königssee zurück. Bildrechte: dpa

Sie sind die, "die immer lacht". Sie lassen diesen Song gern einmal vor ihren Wettbewerben laufen. Warum?

Das ist für mich ein richtiger Heimatsong. Ich kannte ihn schon, bevor er so populär geworden ist. Wir haben bei uns in der Dorfdisko dazu abgetanzt. Er passt auch zu mir, denn ich lache wirklich sehr viel. Deswegen habe ich damit auch die Verbundenheit zu meiner Heimat.

Welche von den beiden Goldmedaillen ist Ihnen lieber, die vom Einzelrennen oder die vom Sprint?

Die wichtigere ist natürlich die vom klassischen Einzelrennen. Aber emotional war die Sprintentscheidung viel intensiver. Da stand ich von Anfang an in der "Leadersbox", konnte alles richtig wahrnehmen. Und da sind mir auch einmal die Tränchen gekommen. Emotional werde ich den Tag wahrscheinlich länger in Erinnerung haben, als den vom "richtigen" Titel.

Julia Taubitz auf der Strecke im Eiskanal, bei der Rennrodel Weltmeisterschaft in  Königssee am 31.01.2021.
Julia Taubitz bei ihrem Goldlauf im Einsitzer auf der Eisbahn am Königssee. Bildrechte: imago images/Fotostand

Das Sprintrennen war ja kurios. Platz 14 in der Qualifikation, 15 kommen nur in das Finale. Und dann haben Sie gewonnen. Wie war das möglich?

Das war ein ganz verrückter Tag. Ich bin in der Woche gestürzt, hatte noch einige Wehwehchen und musste etwas mit mir kämpfen. Am Vormittag hatte ich schon den Hintergedanken, dass es schlechtes Wetter geben wird. Ich hätte "auf Startnummer" fahren können, das kann man ja etwas steuern. Aber ich habe gesagt, ich fahre voll, mache einen Fahrfehler und komme als Vorletzte wieder an den Start. Ich hatte Angst, nicht mehr ins Finale zu kommen. Es war dann wenig Zeit bis zum eigentlichen Lauf. Ich dachte mir, jetzt kann ich es nur noch besser machen. Das es dann zum Titel reicht, hätte ich mir nicht träumen lassen.

Sie trainieren in Oberhof, starten aber für Oberwiesenthal. Gab es da zuletzt Avancen und wenn ja, wie gehen Sie damit um?

Das Gespräch führen wir seit Jahren. Ich bin Oberhof und Thüringen allgemein sehr dankbar für alles und fühle mich dort auch sehr wohl. Aber meine Grundlagen wurden in Oberwiesenthal gelegt. Und ich bin jedem einzelnen sehr dankbar, der mich auf diesem Weg begleitet hat. Denn jeder dort hat etwas dazu beigetragen, dass ich jetzt den Weltmeistertitel habe. Das wird mein Leben bestimmen. Vielleicht kommt irgendwann ein Wechsel. Ich weiß es noch nicht, aber das Wichtigste ist, dass ich im Herzen Erzgebirgerin bin. Und das zählt auf jeden Fall.

Weltmeisterin sind Sie, den Gesamtweltcup haben Sie auch schon gewonnen. Olympische Medaillen haben Sie noch nicht. Wie sieht es aus mit Peking 2022, wann beginnt dafür die Vorbereitung?

Wir sind schon mittendrin. Nach der Saison ist ja bekanntlich vor der Saison. Wir haben jetzt noch ein paar Testwochen, in denen wir das neue Material testen können. Ich hatte das Glück, dass ich bereits im November in Peking sein durfte. Ich bin eine der wenigen Sportlerinnen, die diese Bahn kennt. Sie liegt mir auch sehr gut. Wenn die Spiele stattfinden können, wäre das mein großes Ziel, von dort mit Edelmetall nach Hause zu fahren.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 20.02.2021 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.02.2021 | 15:52 Uhr

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