14.07.2020 | 09:05 Uhr Corona: Textilunternehmer aus Aue bangt um Damast-Geschäft in Afrika

Hochwertiger Damast aus dem Erzgebirge geht nach Afrika. Durch die Corona-Krise stockt jedoch der Handel. MDR SACHSEN sprach mit dem Textilunternehmer Michael Bauer aus Aue über glänzende Stoffe, Nachfrage aus Mauretanien, geschlossene Grenzen in Westafrika und die Hoffnung auf Normalisierung.

Geschäftsführer Michael Bauer steht in der Weberei Curt Bauer GmbH in Aue (Sachsen).
Michael Bauer führt die Geschäfte des traditonellen Textilunternehmen Curt Bauer GmbH. Es ist bekannt für seinen weltweit nachgefragten Damast. Bildrechte: dpa

Herr Bauer, Sie exportieren Damast nach Afrika und Asien. Wie erleben Sie die Corona-Krise?

Wir exportieren Damast nach Afrika, Asien und auch ins europäische Ausland. Hier und auch in Asien normalisiert sich das Geschäft langsam wieder. Doch in Afrika ist der Handel immer noch durch Grenzschließungen gestört. Hinzu kommen Hausarreste, sodass die innerafrikanischen Transporte nicht stattfinden können.

Große Hürden also für den Afrika-Export. Was machen Sie jetzt?

Ich hoffe, dass sich das Geschäft schnell wieder normalisiert. Bislang gab es keine Stornierungen, einige Sendungen konnten wir schon wieder abschicken. Allerdings fehlen immer noch Folgeaufträge. Die hängen in Afrika jedoch nicht nur an den Corona-Regeln, sondern auch am Ölpreis. Wir sind froh, dass das Inlandsgeschäft einigermaßen wieder läuft, damit wir das stagnierende Geschäft in Afrika kompensieren können.

Eine Mitarbeiterin überwacht einen Webstuhl mit einem Thermosystemgewebe in der Weberei Curt Bauer GmbH in Aue (Sachsen).
Eine Mitarbeiterin überwacht einen Webstuhl in der Weberei in Aue. Bildrechte: dpa

Wie wichtig ist das Afrika-Geschäft für Sie?

Der Export nach Afrika ist ein wesentliches Standbein und macht etwa 35 Prozent des Umsatzes aus. Neben Damast produzieren wir in anderen Bereichen Haustextlilien wie Bettwäsche, Objekttextilien für Hotels und auch technische Textilien.

Machen Sie sich Sorgen?

Sorgen macht man sich in der Corona-Krise insgesamt viel. Doch der Optimismus dominiert. Wir haben im Inland gesehen, dass sich alles wieder einrenken kann. Zudem sind wir nicht untätig und nutzen die Zeit, um unsere Technologie zu verbessern. Gerade haben wir eine neue Maschine gekauft, sie wird im Moment montiert. Sie ermöglicht höhere Kapazitäten. Damit können wir den Anforderungen der Afrika-Ware noch besser gerecht werden.

Ein Mann mit kiurzen Haaren und Brille. Im Hintergrund viele Fäden auf Rollen.
Geschäftsführer Michael Bauer setzt auf Optimismus und hofft, dass bald wieder Alltag in Handel und Geschäfte einkehren. Bildrechte: Privat

Welche Anforderungen haben die Afrikaner?

Die Afrikaner lieben Glanz, auch nach dem Waschen muss die Ware glänzen. Dies gelingt nur mit einem besonderen Veredlungsverfahren, welches den Damast aus hundert Prozent Baumwolle weiter aufbereitet. Für diesen besonderen und auch aufwendigen Effekt sind wir der einzige Anbieter. Für die Afrikaner ist auch eine spezielle Griffigkeit der Stoffe wichtig - nicht zu weich und nicht zu hart. Diese Veredelung erfordert viel Aufwand und eine hohe Qualität.

Ein Mitarbeiter arbeitet an den 800 Spulen in der Zettelei der Weberei Curt Bauer GmbH in Aue (Sachsen).
Ein Mitarbeiter arbeitet an den 800 Spulen in der Zettelei der Weberei Curt Bauer GmbH in Aue (Sachsen). Hier sind die Garne für die Stoffe aufgewickelt. Bildrechte: dpa

In welche Länder Afrikas liefern Sie?

Wir liefern an Großhändler nach Westafrika, konkret nach Mali, Mauretanien, Senegal und Nigeria. Sie verteilen die Ware dann innerhalb der Länder und auch über die Ländergrenzen hinaus.

In Deutschland werden heute viele Textilien importiert, Sie exportieren. Wie kommen Sie zu Afrika?

Mein Vater hat die Geschäfte in den 60er-Jahren auf der Leipziger Messe angekurbelt. Damals lief das noch über den DDR-Außenhandel und später "Textilcommerz", sodass es keine direkten Kontakte nach Afrika gab. Diese haben wir erst nach der Wende herstellen können. Ein Vertreter hat mir die persönlichen Kontakte mit Großhändlern in Afrika vermittelt.

Eine Mitarbeiterin der Curt Bauer GmbH in Aue kontrolliert das Gewebe von Bettwäsche.
Feine, dicht gewebte glänzende Stoffe: Eine Mitarbeiterin der Curt Bauer GmbH in Aue kontrolliert das Gewebe von Bettwäsche. Bildrechte: dpa

Wann schätzen Sie, wird das Geschäft dort wieder anlaufen?

In den letzten Wochen haben wir eine Belebung gespürt. Märkte und Shops öffnen langsam wieder. Wir hoffen, dass sich die Normalität bald einstellen wird. Allerdings gibt es noch andere Faktoren. Wir freuen uns zwar an der Tankstelle über niedrige Preise, doch für Nigeria als großer Öl- und Bezinlieferant ist das fatal. Sinken die Preise, haben die Menschen im Land weniger Geld, dann sinkt unsere Nachfrage. Solche Wirkungen spüren wir auch.

Der Fabrikverkauf für Heimtextilien der Weberei Curt Bauer GmbH in Aue (Sachsen).
Der Fabrikverkauf für Heimtextilien der Weberei Curt Bauer GmbH in Aue (Sachsen). Bildrechte: dpa

Werden Sie Verluste schreiben?

Wir haben einen deutlichen Umsatzverlust erlitten und können noch nicht abschätzen, ob wir den kompensieren werden. Die Herausforderung besteht darin, die Corona-Folgen auszusteuern. Das versuchen wir auch mit Kurzarbeit. Vieles hängt hier vom Produktionsablauf ab. Das ist nicht leicht - auch für die Mitarbeiter. Doch wir versuchen es so zu steuern, dass es in alle Richtungen passt. Klar ist, 2020 wird kein erfolgreiches Jahr.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Monate?

Dass es keinesfalls wieder einen Anstieg der Fälle gibt und damit die Produktion wieder heruntergefahren werden muss. Das wäre dramatisch - auch für die Stimmung der Menschen. Natürlich wünsche ich mir auch, dass alle gesund bleiben und wir bald wieder auf normalem Niveau arbeiten können.

Die Curt Bauer GmbH Die Curt Bauer GmbH webt seit 1882 in Aue feinste Stoffe und exportiert heute Damast nach Afrika, Asien und auch in europäische Länder. Das Unternehmen liefert bereits in vierter Generation Bett- und Tischwäsche, Textilien für Hotellerie, Gastronomie oder Fluggesellschaften. Der zukünftige Fokus richtet sich nun auch auf technische Textilien. Das wären unter anderem Laderaumabdeckungen für Autos oder Thermosystemgewebe, beispielsweise für die Kühltheke im Supermarkt.

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.07.2020 | 20 bis 23 Uhr in Dienstags direkt

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