19.01.2020 | 19:15 Uhr | Update Acht Tote bei Brand in Pflegeheim im tschechischen Vejprty

Rußspuren an einer Fassade
Das Feuer war in einem Gemeinschaftsraum ausgebrochen und hat drei Zimmer erfasst. Bildrechte: promovie

Bei einem Brand in einem Pflegeheim für Menschen mit Behinderungen im tschechischen Vejprty (Weipert) sind acht Menschen ums Leben gekommen. Rund zwei Dutzend Personen seien verletzt worden, davon vier schwer. Das sagte ein Sprecher der Rettungskräfte nach Angaben der Agentur CTK am Sonntag. Das Feuer sei am frühen Sonntagmorgen gegen 5 Uhr aus noch ungeklärter Ursache in einem Gemeinschaftsraum ausgebrochen und breitete sich nach Behördenangaben rasch auf drei Zimmer aus. Die Löscharbeiten dauerten bis zum Vormittag.

Kritik an langer Leitung zur Feuerwehr

Ortsschild Weipert - Vejprty
Vejprty (Weipert) liegt direkt an der Grenze zu Deutschland und ist Nachbarort von Bärenstein. Bildrechte: promovie

Weipert im Erzgebirge grenzt unmittelbar an die sächsische Gemeinde Bärenstein. Die Einsatzkräfte riefen einen Großalarm aus. Am Unglücksort trafen den Angaben zufolge sieben Rettungswagen ein, darunter auch zwei der Johanniter aus Annaberg-Buchholz. Ein Hubschrauber konnte aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen nicht eingesetzt werden. Wie ARD-Korrespondent Danko Handrick berichtet, kritisiert die Bürgermeisterin der Gemeinde Vejprty, Jitka Gavdunová, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der Feuerwehr. Anders als der Rettungsdienst habe die Feuerwehr aus Bärenstein wegen langer Kommunikationswege nicht helfen können. Bei der Feuerwehr Bärenstein kam demnach gar kein Ruf zum Einsatz an. Die Bürgermeisterin kann das nicht verstehen: "Wir haben sogar gemeinsam Gelder bekommen für ein Projekt für die Sicherheit der Menschen hier in der Region, Geld für neue Feuerwehrgerätschaften und für gemeinsame Übungen. Wir sind ein Team - und ich kann nicht das Telefon nehmen und einfach drüben anrufen: 'Es brennt - kommt schnell?!'"

Gavdunová sagte dem MDR, die Ereignisse stimmten sie sehr traurig. "Wir kennen die Leute lange Jahre. Es ist, als wäre ein Familienmitglied gestorben."

Regierungschef Babiš kündigt Konsequenzen an

Auch Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babiš besuchte den Unglücksort. Er sprach von einer Tragödie, die es in Tschechien in diesem Ausmaß seit 1990 nicht mehr gegeben habe. Vor zehn Jahren waren laut "Radio Prag" bei einem Feuer in Prag neun Obdachlose ums Leben gekommen. Babiš sagte dem MDR bei seinem Besuch in Vejprty: "Es ist fürchterlich. Wir müssen Maßnahmen ergreifen. Das darf sich nicht wiederholen." Konsequenzen kündigte er auch in Bezug auf grenzüberschreitenden Rettungseinsätze an. "Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit, aber wir haben gewisse Gesetze, die müssen wir uns nochmal anschauen für eine bessere Zusammenarbeit."

Ermittlungen zur Brandursache laufen

Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Rauchmelder gab es in dem Gebäude nicht - mit Ausnahme der Toiletten. Sie seien dort installiert gewesen, weil Bewohner dorthin zum Rauchen gegangen seien, sagte Bürgermeisterin Gavdunová auf einer Pressekonferenz.

Die tschechische Polizei sperrt eine Straße ab.
Die Polizei hat den Unglücksort weiträumig abgesperrt. Bildrechte: Bernd März

Quelle: MDR/lam/jr/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.01.2020 | ab 09:00 Uhr in den Nachrichten

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version der Meldung war die Einrichtung als Seniorenheim bezeichnet worden. Diese Angaben wurden von tschechischen Medien zwischenzeitlich präzisiert. Es handelt sich demnach um ein Pflegeheim, in dem Menschen mit Behinderungen betreut werden.

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