Schwieriger Einsatz Feuerwehr und THW kämpfen gegen Grundwasser in Johanngeorgenstadt

Land unter in Johanngeorgenstadt: 40 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk waren am Sonnabend über zehn Stunden im Einsatz. Und das bei Temperaturen von minus 15 Grad. Grund war austretendes Grundwasser.

Sandsäcke im Schnee und Einsatzkäfte der Feuerwehr
Über 2.000 Sandsäcke stapelten die Einsatzkräfte, um weitere Überflutungen zu verhindern. Bildrechte: Andre März

Am Sonnabendvormittag wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr nach Johanngeorgenstadt gerufen. Laut dem Kreisfeuerwehrverband Erzgebirge war in der Schwarzenberger Straße unterhalb eines Hanges Grundwasser aus dem Erdreich ausgetreten und hatte ein Grundstück überflutet. Teilweise stand das Wasser bis zu 40 Zentimeter hoch.

Die Feuerwehr errichtete einen Schutzwall aus Sandsäcken, um zu verhindern, dass eine angrenzende Straße überflutet und ein Haus unterspült wurde. Zeitgleich wurde versucht, das Wasser abzupumpen. Allerdings ohne Erfolg. Am späten Nachmittag traf das Technische Hilfswerk mit schwerem Gerät und Spezialtechnik zur Unterstützung ein.

Wir haben das Wasser angedämmt und abgepumpt. Für uns war das allerdings nicht möglich, das in Griff zu kriegen, sodass wir das THW hinzugezogen haben.

Stefan Schwarz Einsatzleiter Feuerwehr Johanngeorgenstadt

Ein Helfer des THW an einer Abpumpvorrichtung.
Die Feuerwehrleute versuchten das Wasser abzupumpen, leider ohne Erfolg. Bildrechte: Andre März

Bis in die Nacht hinein waren die 40 Einsatzkräfte vor Ort und stapelten über 700 Sandsäcke vor dem Grundstück, um eine weitere Überflutung zu verhindern. Einige Stellen, an denen Wasser austrat, konnten die Helfer schließen und die Lage entspannte sich. Insgesamt füllte das Technische Hilfswerk knapp 2.000 Sandsäcke. Die nicht verbauten Sandsäcke blieben vorerst vor Ort. Wie Martin Dittrich, Zugführer des THW Aue-Schwarzenbergum im Gespräch mit MDR SACHSEN sagte, sollen sie ein schnelles Eingreifen möglich machen, falls es nötig wird.

Nach über zehn Stunden im Einsatz bei eisigen Temperaturen von minus 15 Grad wurde der Einsatz Sonntagnacht beendet. Die Ursache des Grundwasseraustritts ist bisher unklar. Vermutet wird eine Verbindung zu alten Schächten der Wismut.

Nicht der erste Vorfall im alten Wismut-Gebiet

Im Erzgebirge ist es in Folge des Erz- und Steinkohlenbergbaus in den vergangenen Jahren immer wieder zu ähnlichen Vorfällen gekommen. Schuld an den sogenannten Tagesbrüchen sind oft Einstürze alter Bergbaustollen.

  • 2014 gab es in Johanngeorgenstadt schon einmal Überschwemmungen, die auf den alten Bergbau zurückzuführen sind.
  • Am 28. Dezember 2014 taten sich in Bad Schlema Löcher im Boden auf. Unter einem Fußweg hatte sich ein 54 Quadratmeter großes und mehrere Meter tiefes Erdloch gebildet. Zum Verfüllen waren zunächst 308 Kubikmeter Beton in den Tagesbruch gepumpt worden. Außerdem musste eine Gasleitung umgelegt werden. Die anschließende Ursachenforschung ergab, dass die Erdmassen aus dem Tagesbruch in Richtung des etwa 30 Meter entfernten Schachts 38 gerutscht waren. Der galt eigentlich als fertig saniert. Eine neue, aufwendige und teure Sanierung wurde gestartet.
  • Und auch im Mai 2013 gab es in Annaberg-Buchholz so einen Vorfall. An einem Sonntag im Mai 2013 sackte nach heftigen Regenfällen unter der Gärtnerei und der angrenzenden Straße einfach der Boden weg. Die Experten der Wismut stellten schnell fest, dass der sogenannte Tagesbruch mit einem Durchmesser von anfänglich fünf Metern auf die Bergbautätigkeit der Wismut zurückzuführen ist, die bis Ende der 1950er-Jahre in diesem Gebiet tätig war. Hier dauerte es vier Jahre, bevor die betroffene Straße wieder genutzt werden konnte. Vier Millionen Euro kostete die Sanierung.
  • Im April 2015 hat ein alter Bergbauschacht auf einem Feld in der Nähe der alten Niederwürschnitzer Ziegelei einen Tagbruch verursacht. Das Loch hatte einen Durchmesser von neun Metern und ist etwa vier Meter tief.

Wismut-Altstandorte Die Bergbaustandorte der Wismut AG, die ab 1945 erschlossen und bis Ende 1962 stillgelegt wurden, werden als Altstandorte bezeichnet. Sie fallen nicht unter das sogenannte Wismut-Gesetz, das die Sanierungsverpflichtung der Wismut GmbH regelt.

Die trotzdem notwendige Finanzierung zur Sanierung der Altstandorte regelt ein Verwaltungsabkommen zwischen der Bundesrepublik und dem Freistaat Sachsen, das vorerst bis 2022 läuft. 216 Millionen Euro werden in den 20 Jahren Laufzeit dieses Abkommens in die Sanierung der Altstandorte investiert.

Quelle: MDR/al

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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 20.01.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2019, 20:14 Uhr

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