12.07.2020 | 07:30 Uhr Alte Wismut-Standorte für Freizeit, Forst und Fledermäuse saniert

Der Bergbau-Gruߟ "Glück Auf" steht 2016 unter einem stilisierten Schwibbogen in Bad Schlema.
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Die Wismut GmbH hat in Johanngeorgenstadt einen alten Uranbergbaustandort saniert und wieder an die Eigentümerin, die Stadt, übergeben. Für die Renaturierung der sogenannten Halde 42 wurden im Auftrag des Landes Sachsen zwei Millionen Euro ausgegeben. Das Unternehmen hatte den Schacht an der Halde gesichert und kontaminierten Boden abgetragen.

Für die Johanngeorgenstädter soll auf dem Gelände ein Park mit Wegen, Skulpturen, einem Lutherdenkmal und einer Ausstellungshalle für Schwibbögen entstehen. Die Halde 42 war einer von 44 Altstandorten der ehemaligen Wismut allein in Johanngeorgenstadt. Die Region gilt als Schwerpunkt des früheren Uranerz-Abbaus.

Hinterlassenschaften aus den Wismut-Anfangsjahren

Von 1946 bis 1990 hat die Sowjetunion in der DDR Uranerz abgebaut. Nach dem Ende der DDR blieben riesige Halden, Brachen und Gebäude liegen. Die Wismut GmbH kümmert sich seit 1991 für den Bund um die Wiedernutzbarmachung großer ehemaliger Bergwerke. Bis Ende der 1990er-Jahre wurden aber auch immer mehr Hinterlassenschaften bekannt, die zum frühen Erbe der Wismut in der DDR gehören und damals noch nicht bei den vom Bund geförderten Projekten erfasst waren, erklärt der Sprecher der Wismut GmbH, Frank Wolf, MDR SACHSEN.

Schwarzweiß-Foto
Ein Bild aus einem Fotoalbum zeigt die Halde 65 in Aue-Bad-Schlema Mitte der 1950er-Jahre. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Es waren rund 2.000 Altstandorte wie Schächte, Halden, Ruinen, Bodenflächen, die die Eigentümer, meistens die Kommunen, allein nie sanieren konnten", sagt Projektleiter Manfred Speer von der Wismut GmbH. Der Freistaat Sachsen und der Bund übernahmen schließlich die Verantwortung und sagten Sanierungsgelder zu. Rund 500 Altstandorte seien bereits renaturiert und gesichert worden, was bisher rund 189 Millionen Euro gekostet habe, so Speer.

Bad Schlema: Ein Bagger verlädt die symbolische letzte Schaufel zum Abschluss der Sanierung der Halde 65. Ein Lkw transportierte die letzten von mehr als einer Million Tonnen Erdreich von dem ehemals 40 Meter hohen Berg ab.
Die Halde 65 in Aue-Bad Schlema Anfang Juli 2020: Zum Abschluss der Sanierung fuhr ein Lkw die letzten von mehr als einer Million Tonnen Erdreich des einst 40 Meter hohen Berges weg. Auf dem eingeebneten Gelände sollen Einfamilienhäuser entstehen. Bildrechte: dpa

Wir haben noch gut 1.300 Altstandorte vor der Brust. Aber wir sind auf einem guten Weg.

Manfred Speer Leiter Projektträger Wismut Altstandorte

Bis zum Jahr 2035 haben Sachsen und der Bund die Finanzierung zugesichert. Es stehen demnach noch insgesamt 257 Millionen Euro für die Beseitigung gefährlicher Schächte, verseuchter Böden, Teiche und verwilderter Bergbauhinterlassenschaften bereit. Die Renaturierung der Wismut-Altstandorte und der großen Tagebau-Hinterlassenschaften gilt als das größte Umweltschutzprojekt Europas. Aktuell bearbeiten die Planer der Wismut GmbH 71 Altstandort-Projekte.

Beispiele für wieder nutzbar gemachtes Bergbaugelände

  • Annaberg-Buchholz: aus der früheren Halde 116 "Schacht Drei Könige" wurde ein Landschaftspark mit Aussichtspunkt.
  • Annaberg-Buchholz: auf der Fläche der Halde Michaelis in der Innenstadt sollen Parkplätze und eine Freifläche entstehen.
  • Aue-Bad-Schlema: eine sechs Hektar große industrielle Absetzanlage (Schlammteich) wird seit 2019 saniert, geplant ist ein Landschaftspark am Schwarzwasser für Naherholung und Wanderwege.
  • Aue-Bad-Schlema: aus der Zeche 20 wurde ein Gewerbegebiet, auf dem auch eine Sportanlage öffnete, auf dem Gebiet der ehemaligen Halde 65 sollen Einfamilienhäuser entstehen und eine Festzeltläche für das Europäische Blasmusikfestival.
  • Schlema, Silberbach: das einst im Betonkanal gepresste Fließgewässer wurde in drei Jahren auf 2,5 Kilometern Länge saniert, bekam ein natürlich mäanderndes Flußbett, Pflanzen und Fische wurden eingesetzt.
  • Breitenbrunn, Am Rabenberg wurde das Untersuchungsbergwerk gesichert, neue Waldwege und ein Mountainbiker-Areal entstanden.
  • Freital: der mit radioaktiven Rückständen verseuchte Saugrund wurde vier Jahre lang saniert und ist heute ein Hochwasser-Rückhaltebecken.
  • Lauter/Burkhardtswald: im alten Erkundungsrevier werden 2020 drei Stollen, ein Tiefschurf und der Schacht 329 gesichert. Die Stollen werden so ausgebaut, dass weiterhin darin Fledermäuse und Amphibien ihre Ruhe- und Winterquartiere finden und der Wald forstwirtschaftlich genutzt werden kann.
  • Lengenfeld: Aus dem Lenckteich wurde radioaktiv verstrahlter Abraum aus den 1950er-Jahren beseitigt, der Teich samt Damm saniert, sodass er heute wieder als Ausflugsziel am Wasser besucht werden kann.

Landschaft nach der Wismut

Mehr über die Geschichte des Uranerz-Abbaus nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der DDR in Sachsen und Ostthüringen zeigt das Museum Burg Posterstein. Auf der Burg, aber auch auf der Website des Museums sind Fakten, Fotos und Videos zusammengetragen worden, die das Ausmaß der Landschaftszerstörung zeigen und einen Blick auf den Aufwand der Renaturierung werfen.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.07.2020 | 13:30 Uhr in den regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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