Wismut-Bilanz 2018 Sanierung des Uranbergbaus in Sachsen dauert noch Jahre

Die Wismut förderte bis 1990 rund 100.000 Tonnen Uran im heutigen Sachsen. Bald ist auch mit dem Verkauf des letzten Urans aus Königstein Schluss. Eine der vielen positiven Meldungen des Unternehmens in diesem Jahr.

Die Wismut GmbH will den Verkauf von Uran bald einstellen. Zuletzt wurden jährlich am Standort Königstein 30 Tonnen Uran bei der Reinigung des Grubenwassers gewonnen und in die USA verkauft. Nach Angaben von Wismut-Geschäftsführer Michael Paul entspricht das etwa 0,05 Prozent der weltweiten Jahres-Uranproduktion. Die
Anlage, die noch aus DDR-Zeiten stamme, sei für die jetzt noch verbleibende Menge Uran überdimensioniert und lasse ein wirtschaftliches Arbeiten nicht mehr zu, sagt er. Dies sei ein weiterer Schritt im Zuge der laufenden Sanierungsarbeiten der Grube, sagte Paul MDR SACHSEN.

Königstein: Der Schandfleck unter der Festung verschwindet langsam

In Königstein hat Michael Paul in diesem Jahr ein neues Funktionsgebäude für die 130 Mitarbeiter am Standort übergeben. Gleichzeitig soll die alte Infrastruktur der Bergwerksanlagen in Sichtweite zur Festung Königstein in den nächsten Jahren zurückgebaut werden. "Wir müssen uns dort in den nächsten Jahren mit dem Wassermanagement beschäftigen. Die neue Wasseraufbereitungsanlage ist fertig, mit der wir noch über viele Jahre die Grubenabwässer behandeln müssen."

Luftbild einer Industrieanlage und einem Wasserbecken, die von Wald umgeben ist.
In Königstein soll bald nichts mehr an den Bergbau am Rande des Nationalparks erinnern. Bildrechte: MDR/Wismut GmbH

Bad Schlema im Wandel

Michael Paul hat auch ein Großprojekt im Schlemaer Revier abgeschlossen. "Dort sind mehr als sechs Millionen Euro in die Wiederherstellung des Markus-Semmler-Stollens geflossen. Das 500 Jahre alte Bauwerk war durch die Aktivitäten der Wismut teilweise eingebrochen. Nun kann das Grubenwasser aus dem Schneeberger Revier wieder durch Gefälle zur Mulde geleitet werden." Im nächsten Jahr ist die Fertigstellung des Schachtes 38 geplant. Die Halde 309 soll im kommenden Jahr aufgeforstet werden und auch die Arbeiten an der Halde 310 sollen beendet werden.

Altstandorte weiter Fokus

Die Sanierung der Hinterlassenschaften aus den frühen Tagen der Wismut bleiben weiterhin Schwerpunkt der Aufgaben. Auch über Tage ist Bad Schlema kaum wiederzuerkennen. Der Wandel vom schmutzigen Bergbaustandort zum heutigen Vorzeigekurort geht weiter und hat das Ortsbild schon entscheidend verändert. Die Hinterlassenschaften des frühen Uranbergbaus verschwinden Stück für Stück. Manfred Speer, bei der Wismut für die sächsischen Altstandorte zuständig, sieht die Arbeiten in Bad Schlema auf der Zielgeraden. "Wir haben dort in diesem Jahr mit der Sanierung der Halde 65 begonnen. Das ist die letzte große Halde, die es in dem heutigen Kurort noch gibt. Dort werden zwei Drittel der Halde, also etwa eine Million Tonnen Gestein, abgetragen. Bis jetzt haben wir bereits 240.000 Tonnen zur Halde 371 bei Hartenstein transportiert." Der Abtransport soll 2019 abgeschlossen sein, um in den nächsten zwei Jahren die Sanierung beenden zu können.

Deformgebiet in Schlema, ca. 1960
So sah Schlema etwa 1960 aus. An einen Kurbetrieb dachte da wohl niemand. Bildrechte: Wismut GmbH

Stichwort: Wismut Altstandorte Als sogenannte Wismut-Altstandorte werden Uranbergbaugebiete bezeichnet, die in der Regel vor dem 31.12.1962 stillgelegt wurden und sich bis zum 01.06.1990 nicht mehr im Eigentum oder der Nutzung der SDAG Wismut befanden. Sie fielen damit nicht unter das Wismut-Gesetz vom 12.12.1991, welches die Sanierung der Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus regelt. Aus diesem Grund war zwischen Freistaat Sachsen und dem Bund ein Verwaltungsabkommen geschlossen worden, um auch die Wismut-Altstandorte sanieren zu können.

Schwerpunkt Johanngeorgenstadt

Luftbild einer frisch sanierten Uranbergbauhalde in Johanngeorgenstadt
Eine der sanierten Uranbergbauhalden in Johanngeorgenstadt. Bildrechte: Wismut GmbH

Manfred Speer sieht einen weiteren Schwerpunkt der Sanierungsaufgaben in Johanngeorgenstadt. "Die Dammhalde dort steht kurz vor Abschluss der Sanierung. Das sind etwa 18 Hektar, die wir dort bearbeiten. Der finanzielle Aufwand liegt dort etwa bei 13 Millionen Euro, 10,8 Millionen sind bereits verbaut. Bei der Halde 54 ging es uns darum, die alten Wanderwege wiederherzustellen." Im Bereich der Halde 42 sollen die sogenannte "Exulanten", eine Figurengruppe, die die Besiedlung der Stadt darstellt, aufgestellt werden.

Hunderte Projekte sind abgeschlossen

Jährlich fließen viele Millionen Euro in die Wismut-Sanierungsarbeiten. "Wir haben in diesem Jahr 16 Millionen Euro zur Verfügung gehabt", sagte Speer zu MDR SACHSEN. Das Geld sei in vier Landkreisen und in Dresden bei insgesamt 325 Projekten eingesetzt worden. Davon seien 252 abgeschlossen.
"Im Umkehrschluss heißt das, dass wir im Moment noch an 73 Projekten arbeiten." Die Schwerpunkte der Wismut-Sanierung lagen naturgemäß auch in diesem Jahr wieder im Erzgebirgskreis, beispielsweise in den Städten Schneeberg, Marienberg, Annaberg-Buchholz und Johanngeorgenstadt.

Ausblick: Die Wismut arbeitet unvermindert weiter

Manfred Speer hat die 52 Millionen Euro, die für die nächsten beiden Jahre für Sanierungsprojekte bereitstehen, fast vollständig verplant. "Die Schwerpunkte unserer Projekte liegen in Johanngeorgenstadt, Aue, Geyer, Breitenbrunn, Raschau-Markersbach und Schneeberg." Aber auch in der Stadt Dresden soll die sogenannte Collmberghalde in Ordnung gebracht werden. "Dort wollen wir erstmalig eine Halde mit der dort vorhandenen Braunkohlenasche versiegeln, statt mit mineralischen Stoffen." Nach Abschluss der Arbeiten soll eine Landschaft zur Erholung für die Dresdner dort entstehen.

Sanierung dauert noch mindestens 20 Jahre

Der jetzige Vertrag mit dem Bund und dem Freistaat Sachsen läuft in drei Jahren aus. Doch bis dahin können nicht alle Bergbaufolgeschäden in Sachsen beseitigt werden. Manfred Speer weiß, dass die Sanierung der Altbergbauschäden dann noch lange nicht beendet sein wird. "Wir haben 230 Einzelobjekte über Tage. Unter Tage kommen etwa 1500 Einzelobjekte und 70 sogenannte Komplexstandorte dazu." Das seien Maßnahmen, die die Wismut noch über Jahre begleiten würden." Deshalb sind wir derzeit in Verhandlungen mit dem Freistaat, mit Kommunen und Gemeinden und dem Städte- und Gemeindetag, um die Sanierungsarbeiten weitere 13 bis 15 Jahre fortsetzen zu können."

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.12.2018 | 06:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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Zuletzt aktualisiert: 28. Dezember 2018, 10:44 Uhr

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